Rettungsdienst im Einsatz. Foto: Pascal Höfig
Rettungsdienst im Einsatz. Foto: Pascal Höfig

Fünf tödliche Arbeitsunfälle in Unterfranken 2019

Im Jahr 2019 haben sich in unterfränkischen Betrieben fünf tödliche Arbeitsunfälle ereignet, das berichtet die Regierung von Unterfranken. Damit waren es genauso viele wie im Jahr zuvor.

Vorgehen bei Arbeitsunfällen

Die Untersuchung von Arbeitsunfällen gehört zum Alltag der unterfränkischen Gewerbeaufsicht. Meist wird eine Meldung über einen Arbeitsunfall mit mittleren, schweren oder gar tödlichen Verletzungen durch die Polizei übermittelt. Insgesamt sind mehrere Akteure an der Unfalluntersuchung beteiligt: Die Berufsgenossenschaft begutachtet den Unfallhergang seitens des Versicherungsträgers. Die Polizei ermittelt im Auftrag der Staatsanwaltschaft in Hinblick auf Straftaten (Tötung, Körperverletzung und Sachschaden) und die Gewerbeaufsicht agiert als staatliche Überwachungsbehörde in Sachen Arbeitsschutz, ordnet bei Bedarf im betroffenen Betrieb Maßnahmen an und gibt ihre Erkenntnisse, sofern gefordert, an die Staatsanwaltschaft weiter.

Wegeunfälle, die auf dem Weg von Zuhause zur Arbeitsstätte oder zurück passieren, gelten ebenfalls als Arbeitsunfälle und sind über die Berufsgenossenschaft versichert, werden jedoch von der unterfränkischen Gewerbeaufsicht nur in einzelnen Fällen untersucht.

Fünf tödliche Unfälle

Im Jahr 2019 sind 235 (in 2018 – 245 Fälle, 2017 – 256 Fälle) solcher polizeilichen Meldungen bei dem unterfränkischen Gewerbeaufsichtsamt in Würzburg eingegangen. Unter diesen Meldungen waren auch fünf Unfälle mit tödlichem Ausgang. Bei zweien der fünf Unfälle handelte es sich um Stürze aus größerer Höhe.

Abstürze, erschlagen, verschüttet, eine Explosion

Ein Baustellenarbeiter ist durch eine bodentiefe Öffnung in der Mauer eines Rohbaus 3,9 Meter tief gestürzt. Ein Sprengmeister überlebte den Absturz von einer ca. 16 Meter hohen Abbruchkante in einem Steinbruch nicht, als unter ihm plötzlich Gesteinsmassen sich von der Kante lösten. Ein Mitarbeiter eines holzverarbeitenden Betriebs wurde von einem ca. 10 Meter langen und 160 kg schweren Holzelement tödlich getroffen, als das Element aus einer Bearbeitungsmaschine herausgeschleudert wurde. Ein Unternehmer wurde von einem tonnenschweren Big Bag, gefüllt mit Holzpellets, verschüttet, als die Schlaufen des an der hochgefahrenen Staplergabel aufgehängten Big Bags rissen. Ein Mechaniker hat durch eine Explosion tödliche Verletzungen erlitten, als er den Dieseltank eines Linienbusses schweißen wollte.

Sicherheitsvorschriften nicht beachtet

Tödliche Unfälle werden häufig unter anderem dadurch verursacht, dass zwar aufwändigere aber sichere Arbeitsweise nicht befolgt wird. Die vermeintliche Ersparnis fordert jedoch am Ende den Höchstpreis – ein Menschenleben. Jeder dieser Unfälle hat noch zusätzlich schwer zu beziffernde Folgen für die Angehörigen, Freunde und Kollegen. Aus der Sicht der Gewerbeaufsicht sind vor allem unmittelbare Zeugen – oft sind es Arbeitskollegen – solcher schweren Unfälle als Mitverletzte zu betrachten, auch wenn die Verletzungen rein seelischer Natur sind.

Zahl seit mehr als 10 Jahren einstellig

Die Zahl der Unfälle bei der Arbeit mit tödlichem Ausgang in Unterfranken liegt seit mehr als zehn Jahren im einstelligen Bereich und folgt der deutschlandweiten Entwicklung. In den letzten 20 Jahren hat sich die Zahl der tödlichen Arbeitsunfälle in einer sich ständig wandelnden Arbeitswelt mehr als halbiert.

Das Bewusstsein für Gefährdungen am Arbeitsplatz spielt eine maßgebliche Rolle in der Festlegung der Schutzmaßnahmen und des Verhaltens bei der Arbeit. Der Rückgang der tödlichen Verletzungen bei der Arbeit ist auch auf ein höheres Arbeitsschutzniveau zurückzuführen, welches auf verbesserten Arbeitsschutzgesetzen und einer erfolgreichen Präventionsarbeit basiert. Ferner ist die qualitative Verbesserung der (auch innerbetrieblichen) Rettungsmaßnahmen und der unfallmedizinischen Versorgung für das Erhalten vieler Leben verantwortlich.

Arbeitsschutz nicht vernachlässigen

Regierungspräsident Dr. Eugen Ehmann warnt jedoch davor, angesichts dieser Erfolge in den Bemühungen nachzulassen: „Dieser Rückgang der Unfallzahlen ist kein Selbstläufer. Er sollte vielmehr Ansporn sein, auch zukünftig wachsam zu sein und das Thema Arbeitsschutz im Betrieb und auf Baustellen nicht zu vernachlässigen.“

Artikel beruht auf einer Pressemitteilung der Regierung von Unterfranken.

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