"The Million Painter" Phil Splash. Foto: Phil Splash
"The Million Painter" Phil Splash. Foto: Phil Splash

Millionen-Maler Phil Splash zurück in der Heimat

Sein großes Ziel ist es, 1 Million Menschen zu porträtieren. Angefangen hat alles in einer Münchner U-Bahn und das ist nun mittlerweile zehn Jahre her. Jetzt ist Künstler Philipp Mulfinger, besser bekannt als Phil Splash oder der „Millionen-Maler“, wieder zurück in seiner unterfränkischen Heimat und geht auch in Würzburg auf „Porträtjagd“. Uns hat er erzählt, wie er auf die Idee kam, 1 Million Menschen zu zeichnen, wie viele Porträts es mittlerweile sind und wer hinter dem Künstler „Phil Splash“ steckt.

Würzburg erleben (WE): Du bist mittlerweile als der Millionen-Maler bekannt – doch wer steckt eigentlich hinter diesem Künstler?

Phil: Ein ganz gewöhnlicher Mensch mit Höhen und Tiefen, der Lust hat zu experimentieren und seiner Leidenschaft folgt. Obwohl ich nach dem Abitur Kommunikationsdesign studiert habe, hatte ich immer schon das Gefühl, mehr Künstler als Designer zu sein. Als ich dann in den ersten Jobs in Werbe- und Marketingagenturen in Düsseldorf, Stuttgart und München gearbeitet habe, habe ich schnell gemerkt, dass ich mehr Sinn in meinem Leben möchte als nur Konsumenten davon zu überzeugen ein bestimmtes Produkt zu kaufen. Ich wollte etwas schaffen das mehr Substanz hat, mir mehr Sinn in meinem Leben gibt und ein Mehrwert für die Gesellschaft darstellt.

Glücklicherweise hatte ich das Glück in der 10. Klasse meine Liebe zur Kunst zu entdecken. Seitdem hat mich die Kunst auf all meinen Lebenswegen immer begleitet und hat mir immer geholfen, nicht durchzudrehen. Aber generell lässt sich die Frage damit beantworten, dass ich jemand bin, der seine Leidenschaft zelebriert und die Welt bunter und vielfältiger und sinnvoller gestalten möchte.

Farben sind sein Leben! Fotos: Phil Splash

Farben sind sein Leben! Fotos: Phil Splash

WE: Wie bist du zum Malen und zur Kunst gekommen?

Phil: In der 10. Klasse hatten wir einen fantastischen Kunstlehrer – Herrn Merklein -, der selbst leidenschaftlicher Künstler war, und uns gezeigt hat, wieviel Spaß Malen und Zeichnen macht. Ich habe dann bald angefangen, mir selbst Farbe und Leinwände zu kaufen und bin immer direkt nach der Schule in mein Zimmer und habe angefangen zu malen. Künstlerische Kreativität dient mir seitdem als Ausgleich zu der perfektionsfreudigen Welt. Überall muss man heute funktionieren, sich an Vorschriften halten und ist eingebunden in starre und konstruierte Systeme. In der Kunst habe ich immer die Freiheit gefunden, die ich vergeblich in der realen Welt gesucht habe. Hier konnte ich immer meine Gedanken schweifen lassen ohne auf einen Zweck Rücksicht zu nehmen, hier konnte ich selber fantastische Welten erfinden und Dinge tun, die in der realen Welt nie möglich gewesen wären.

WE: Wie kam dein Künstlername „Phil Splash“ zustande?

Phil: Als ich nach München kam, habe ich eine Technik entwickelt, bei der ich die Farbe direkt auf die Leinwand geschleudert habe, woraus sich Farbkleckse (engl. Splash) auf der Leinwand geformt haben. Diese Technik sollte damals mein Markenzeichen werden und begleitet mich auch heute noch bei verschiedenen Projekten. Auf den Künstlernamen Phil Splash folgte „Der Millionen-Maler“ (engl. The Million Painter), der Titel den ich von der Münchner Presse bekommen habe auf Grund meines Plans 1 Million Menschen zeichnen zu wollen.

WE: Du hast längere Zeit in München gelebt und dort dein Projekt, eine Million Menschen zu porträtieren, gestartet. Wie kam es dazu und bei vielen Porträts stehst du aktuell?

Als ich nach München gezogen bin und in einer Marketingagentur gearbeitet habe, war ich oft frustriert über die Kreativitätslosigkeit des tagtäglichen Jobs. Ich habe für große Kunden gearbeitet und dafür gesorgt, dass deren Produkte schöner aussehen, Broschüren und Websites designt und Corporate Designs gestaltet. Die meisten Tätigkeiten haben am Computer stattgefunden und ich fühlte mich oft wie ein ganz kleines Zahnrad in einer riesigen Maschinerie. Das hat mich nach und nach immer depressiver gemacht und ich habe permanent nach einem Ausweg gesucht. Eines Tages habe ich einen Zeichenblock mit in die U-Bahn genommen und versucht die Fahrgäste zu zeichnen, einfach um etwas mit den eigenen Händen kreativ zu erschaffen.

Phil Splash und eines seiner Kunstwerke. Foto: Phil Splash

Auch bemalte Flaschen gehören zum Repertoire. Foto: Phil Splash

Ein Wandgemälde. Foto: Phil Splash

Phil Splash beim Schnellzeichnen. Foto: Phil Splash

The Million Painter in den Stacchuspassagen in München. Foto: Phil Splash

Die ersten Portraits waren absolut schlecht und krakelig da die U-Bahn hin und her wackelt und die Leute oft schon nach wenigen Minuten aussteigen. Trotzdem habe ich weitergemacht – einfach weil ich besser werden wollte und die Herausforderung angenommen habe. Jedesmal wenn sich in der U-Bahn jemand neben mich gesetzt hat, hat es nicht lange gedauert bis er auf meinen Zeichenblock geschaut hat und mir dabei zugesehen hat, wie ich einen anderen Fahrgast zeichne. Oft haben mich Leute direkt in der U-Bahn angesprochen und mir Komplimente gemacht, mich gefragt ob ich sie zeichnen könnte oder wollten einfach nur bei der Portraitgestaltung zusehen. Manchmal kam es vor dass sich daraus lustige Gespräche ergeben haben oder ich die Person noch direkt am Bahnsteig portraitiert habe.

 

 

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Diese Aktionen haben mir so viele wunderbare Erlebnisse und Erfahrungen beschert, dass ich oft bereit war, den Menschen ihre Portraits zu schenken um sie damit glücklich zu machen. So saß ich dann die letzten zehn Jahre jeden Tag in der U-Bahn und habe die Leute gezeichnet, die Tag für Tag mit mir in der U-Bahn gefahren sind. Einige Leute haben mir erzählt, dass sie einen beschissenen Tag hatten und ich ihnen den Tag gerettet habe, andere haben sich so gefreut, dass sie gleich einen Rahmen für das Portrait gekauft haben und wieder andere haben ihr Portrait sogar ausgemalt und weiter gestaltet.

Ich habe nach und nach angefangen, mir ein Spiel daraus zu machen und versucht, immer schneller zu zeichnen, Abkürzungen bei den Zeichnungen zu suchen und während dem Stehen oder im Laufen zu zeichnen. Da ich bei diesem Spiel keine Gegner hatte, musste ich selbst zu meinem Kritiker werden und habe mich selbst immer korrigiert und verbessert. Da ich immer schneller wurde, hatte ich nach ein paar Jahren schon 20.000 Zeichnungen und habe meine erste Ausstellung gewagt, bei der ich die ganzen Zeichnungen ausgestellt habe und auf der sich die Besucher portraitieren lassen konnten. Ich hatte damals noch kein Ziel mit dem Projekt, wusste aber, dass ich irgendwann einmal 1 Million Menschen portraitiert haben möchte.

Phil beim Malen im U-Bahn-Tunnel in München. Foto: Phil Splash

Phil beim Malen im U-Bahn-Tunnel in München. Foto: Phil Splash

Auf diese Ausstellung hin meldeten sich Zeitungen wie Hallo München, der Münchner Merkur, die Süddeutsche Zeitung und die BILD Zeitung. Danach folgten Interviews für das RTL Nachtjournal, Radio NRJ, ZDF Drehscheibe und Radio Arabella. Auf die Interviews und Presseerscheinungen folgten immer bessere Engagements als Schnellzeichner für Firmenevents und TV Produktionen. Eine der Presseerscheinungen betitelte mich in der Überschrift mit „Der Millionen-Maler“, seitdem trage ich diesen Titel und arbeite unter diesem Namen immer mit dem Ziel, irgendwann einmal die 1 Million Portraits als Schnellzeichner zu erreichen. Und seitdem zeichne ich so viele Menschen wie möglich. Mittlerweile stehe ich bei 93.000 Portraits.

WE: Jetzt bist du wieder in deiner unterfränkischen Heimat – und zeichnest und malst nach wie vor. Bist du nun auch in Würzburg auf „Porträtjagd“? Und was machst du in deiner Heimat neben dem Malen gerne?

Phil: Obwohl meine Engagements als Schnellzeichner und für Zeichenaktionen mittlerweile international stattfinden, zeichne ich auch sehr gerne hier in Würzburg. Die Menschen sind hier genauso interessant wie in anderen Städten und Ländern, in denen ich bisher gezeichnet habe. Ich finde es toll, dass es auch hier Firmen gibt, die sich für Kunst interessieren. Im September bin ich erst für Comacs auf dem Würzburger Stadtfest aufgetreten.

Neben meiner künstlerischen Arbeit lese ich sehr viel und bilde mich weiter. Social Media und Online-Marketing, Künstliche Intelligenz mit Machine Learning, die Verbindung von Kunst mit der digitalen Welt und generell die zukünftigen gesellschaftlichen Entwicklungen sind Themen, die mich sehr interessieren und über die ich mehr wissen möchte. Daneben treibe ich viel Sport und halte mich so fit wie möglich um meine Projekte gesund weiterführen zu können.

WE: Wo zeichnest du am liebsten? Hast du auch in Würzburg einen Lieblingsplatz?

Phil: In Würzburg habe ich meine zeichnerischen Aktivitäten in den Bus, in Cafés und auf Events verlegt, da es hier leider keine U-Bahn gibt. Das Falkenhaus als auch der Hugendubel sind gute Orte um Portraits zu üben. Generell ist es mir bei meiner privaten Kunst und bei meinen Zeichenübungen am liebsten, wenn ich die Schnellzeichnungen erstellen kann und die Modelle es selbst nicht mitbekommen, weil ich den unverfälschten Blick bevorzuge. Die meisten Portraits entstehen jedoch mittlerweile meist direkt auf den Events, wenn ich von Firmen auf Messen und Veranstaltungen in Deutschland oder im Ausland gebucht werde. Ansonsten verbringe ich viel Zeit in meinem Atelier, wo ich die Möglichkeit habe, auch großformatige Auftragsarbeiten auf Leinwände zu malen.

 

WE: Wie würdest du deinen Stil beschreiben?

Phil: Als sehr realistisch und nahe am Leben. Das Zeichnen in der wackeligen U-Bahn hat meinen Stil geprägt. Genau wie die U-Bahn ist das Leben oft wackelig, rauh und kratzig. Beim Zeichnen in der U-Bahn habe ich erkannt, dass ich schneller werden muss um im realen Leben zu bestehen. Deswegen nenne ich mich selbst Speed-Painter (Engl. Schnellzeichner). Wenn man schnell genug seine Linien zeichnet ,ist es auch in einer wackeligen U-Bahn möglich, gerade Linien zu zeichnen. Das ist für mich auch eine Metapher auf das reale Leben geworden. Wenn ich nur schnell genug bin, ist es mir möglich, ein geradliniges Leben zu führen.

WE: Was sind deine Lieblingsmotive?

Phil: Früher habe ich mich sehr für Randgruppen und Außenseiter der Gesellschaft interessiert, wie Musiker, Obdachlose oder Darsteller – weil Picasso, Cezanne, Monet und Van Gogh große Inspirationen für mich waren. Die haben sich ebenfalls oft mit Menschen abseits der Norm beschäftigt, weil sie mehr vom Leben sehen wollten. Später habe ich dann eine Zeit lang als Kontrast nur hübsche Frauengesichter gemalt und gezeichnet. Schönheit und Kultur spielen in meinen persönlichen Arbeiten auch aktuell eine große Rolle.

Aber mittlerweile gibt es nichts mehr, was ich nicht interessant finde, ich kann allem etwas abgewinnen und in den alltäglichsten Dingen Schönheit entdecken. Die größte Inspiration finde ich heute auf Reisen wie z.B. in jüngster Zeit nach Sri Lanka, Bali, Miami Beach, Hongkong oder Australien. Alte römische Statuen, hinduistische Tempel und generell exotische Kulturen sind meine größten Ideengeber. Je ursprünglicher und unverfälschter, desto besser.

WE: Wo kann man deine Kunstwerke sehen?

Phil: Permanent auf meiner Internetseite, auf meinem Facebook Profil und auf meinem Instagram Account. Wer meine Werke live sehen möchte, kann mit mir einen privaten Besichtigungstermin ausmachen (per Telefon: 0176/20130451).

 

 

WE: Du gibst auch Mal- und Zeichenkurse: Kann hier jeder mitmachen, der Spaß an Farben hat und kreativ ist?

Phil: Ich gebe Mal-, Kreativitäts-, und Zeichenkurse für Gruppen und Firmen. Meist sagen mir die Unternehmen direkt, was sie sich vorstellen, welche Art von Schulung sie für ihre Mitarbeiter haben möchten und daraus entwickeln wir ein individuelles Konzept. Diese Mal- oder Kreativitätskurse sind meist sehr interessant für die Mitarbeiter, weil sie sich dort kreativ austoben können und finden oft als Teambuildingmaßnahmen an Jubiläums- und Jahresfeiern statt oder einfach als Dankeschön von den Unternehmen an ihre Mitarbeiter.

WE: Was sind deine Ziele und vielleicht größeren Projekte in der Zukunft?

Phil: Eines meiner größten Ziele ist nach wie vor 1 Million Menschen zu portraitieren. Daneben gibt es mehrere Projekte, die ich parallel verfolge. Darunter ist ein Marketingbuch für Künstler, ein Kinderbuch, das ich gerade illustriere und ein riesiges 2×4 m Bild mit einer Persiflage des „Letzten Abendmahls“ von Leonardo da Vinci.

"Das letzte Abendmahl" mal anders. Foto: Phil Splash

„Das letzte Abendmahl“ mal anders. Foto: Phil Splash

Ein Highlight war 2019 mein Auftritt auf einer der erfolgreichsten Kunstmessen in Miami Beach, wo ich live die Besucher portraitieren durfte. Mit meinem Projekt „Millionen Maler“ habe ich ja schon verschiedene Stars wie Armin Müller Stahl, Dirk Nowitzki, Florian Silbereisen, Alfons Schuhbeck etc. portraitiert, aber natürlich will ich noch weitere inspirierende Persönlichkeiten in Zukunft portraitieren wie z.B. Helene Fischer, Sido, Luke Mockridge, Stefan Raab, Kim Kardashian, Billie Eilish, Kanye West, Arnold Schwarzenegger und Brad Pitt. Aber man wird sehen, was die Zukunft bringt und wie sich zukünftige Projekte entwickeln. Ich lasse mir in meiner Planung immer viel Platz für Spontanes.

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