Die Studentinnen Lisa und Jessica im Sozialkaufhaus Brauchbar. Foto: Sozialkaufhaus Brauchbar
Die Studentinnen Lisa und Jessica im Sozialkaufhaus Brauchbar. Foto: Sozialkaufhaus Brauchbar

Sozialkaufhaus „Brauchbar“: Studenten blicken hinter die Kulissen

Jedes Teil wird gewissenhaft geprüft. Ist es noch zu verwenden? Wie akribisch die Mitarbeiter von „Brauchbar“ bei der Sortierung vorgehen, beeindruckte Lisa Maader und Jessica Mantel. Durch das studentische Projekt „give something back to society“ bot sich den beiden Studentinnen der Würzburger Hochschule (FHWS) die Chance, einmal hinter die Kulissen des Sozialkaufhauses zu blicken. Das Projekt ging vom Studiengang „International Management“ aus. Insgesamt sieben Studentinnen waren beteiligt.

Neue Beschäftigungsmöglichkeiten

Jessica Mantel erstaunte vor allem, bei zwei „Brauchbar“-Besuchen zu erfahren, wie viele Menschen im Sozialkaufhaus einen Arbeitsplatz erhalten: „Ich wusste gar nicht, dass ‚Brauchbar’ auch dazu dient, Beschäftigungsmöglichkeiten zu schaffen.“ Doch das, erfuhr sie von Geschäftsführer Thomas Johannes, ist sogar der Hauptzweck des Sozialunternehmens. Bei „Brauchbar“ erhalten Menschen einen Job, die auf dem regulären Arbeitsmarkt kaum Chancen hätten. Viele sind seit Jahren arbeitslos. Weil sie nur eingeschränkt Leistung bringen können. Oder weil Stress Gift für sie ist.

Soziales Beschäftigungsprojekt

Diese Menschen tragen häufig eine Menge Probleme mit sich herum, erfuhren die Studentinnen. Die meisten sind gesundheitlich angeschlagen. Ihr Lebensweg verlief von Anfang an nicht gradlinig. Womit sie einen Kontrast zu den Projektteilnehmerinnen bilden. Die wurden von ihren Eltern gefördert, durchliefen das Gymnasium ohne größere Probleme und haben nun die Chance, zu studieren. Sich mit Menschen zu unterhalten, die deutlich schlechtere Startchancen hatten, erlebten die jungen Frauen als bereichernd. Aber auch die „Brauchbar“-Mitarbeiter profitierten von der FHWS-Initiative, denn dadurch durften auch sie einmal in die Rolle der Anleiterinnen schlüpfen.

40 Säcke gebrauchter Waren

Insgesamt war das studentische Projekt ein voller Erfolg gewesen. Die jungen Frauen schafften es, nicht zuletzt durch geschickten Social Media-Einsatz, innerhalb einer Woche 40 Säcke voll gebrauchter Ware an ihrer Hochschule zu sammeln. „Wir erhielten von unseren Kommilitonen vor allem Kleidungsstücke, aber auch viele Stofftiere und sogar eine Teemaschine“, erzählt Jessica Mantel. Mehr als 90 Prozent des Sammelguts war von guter Qualität, also brauchbar. „Eine so hohe Quote ist selten“, erklärte Thomas Johannes der studentischen Projektgruppe.

Heutzutage kaufen junge Menschen häufig über das Internet ein. Sie lassen sich Waren nach Hause schicken. Was ihnen gefällt, behalten sie. Was nicht passt oder doch nicht so schön ist, wird zurückgeschickt. Das verursacht immense Transportwege. Wodurch die Umwelt belastet wird. Umweltschutz – auch das ist bei „Brauchbar“ ein essenzielles Thema, erfuhren die Studentinnen. Durch die Wiederverwendung gebrauchter Möbel, Bücher, Haushaltsgegenstände und Kleidungsstücke werden Ressourcen geschont. Mit seinem ausgeprägten Engagement für Nachhaltigkeit liegt das Würzburger Sozialunternehmen voll im Trend.

Nachhaltiges Wirtschaften

Gerade über die Frage, wie sich das Prinzip „Wirtschaftswachstum“ durchbrechen lässt, ohne den Wohlstand zu gefährden, wird immer intensiver nachgedacht. Es darf, das ist inzwischen Konsens, beim Wirtschaften nicht länger nur ums „Immer mehr“ gehen. Die Fakultät Wirtschaftswissenschaften der Würzburger Hochschule bringt die angehenden Managerinnen und Managern deshalb früh mit Konzepten wie Corporate Social Responsibility (CSR) in Berührung. Größere Unternehmen haben diesem Konzept für ein nachhaltiges Wirtschaften zufolge auch eine gesellschaftliche und ökologische Verantwortung.

Second-Hand als Alternative

Bis Jahresende wollen die Studentinnen einen Film über ihr Projekt „give something back to society“ drehen. Für Lisa Maader und Jessica Mantel wird auch danach nicht ad acta gelegt sein, womit sie sich nun zwei Monate lang beschäftigt haben. Zu intensiv war das, was sie an Neuem erfahren durften. „Mir ist vor allem noch einmal bewusst geworden, dass Second-Hand eine echte Alternative zu Neuware ist“, sagt Mantel.

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Viele Sachen, die sie bei „Brauchbar“ sortierte, waren wirklich chic gewesen. Oder irgendwie „besonders“. Eben keine Massenware. Teilweise sah man, dass ein Kleidungsstück noch kein einziges Mal getragen worden war. Nicht selten quollen teure Markenklamotten aus den Säcken. So manches Stück hätte sie am liebsten sofort mitgenommen, meint Jessica Mantel: „So schön war es.“ Was sie aber natürlich nicht tat. War es doch für die „Brauchbar“-Kunden bestimmt.

Artikel beruht auf einer Pressemitteilung von Sozialkaufhaus „Brauchbar“.

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