Aussicht auf Würzburg. Foto: Pascal Höfig
Aussicht auf Würzburg. Foto: Pascal Höfig

Wohnen: Wem gehört Würzburg? – Eine Bürgerrecherche

In vielen Städten wird Wohnen angesichts steigender Mieten und zunehmend knapper werdenden Wohnraums zu einem existenziellen Problem. Auch in Würzburg gibt es das Wohnraumproblem schon länger und es ist keine Entspannung in Sicht. Ganz im Gegenteil: Eine Studie des Portals „immowelt“ zeigt, dass die Mieten in Würzburg mittlerweile weit über dem Bundesdurchschnitt liegen. Doch warum ist das so?

Hilfe der Würzburg erleben-Community

Der Bayerische Rundfunk und das Recherchezentrum Correctiv wollen zusammen mit Bürgerinnen und Bürgern in Bayern herausfinden, welche Akteure und Faktoren die Treiber der Preisspirale sind. Um insbesondere Einblicke in die Wohnverhältnisse von Studenten, jungen Erwachsenen und Familien zu bekommen, wurde unsere Redaktion deshalb um Unterstützung für dieses Projekt gebeten. Wir möchten mithelfen, unsere Community zu mobilisieren, um an der Bürgerrecherche teilzunehmen.

Start des Bürgerrecherche-Projekts ist am Montag, 13. Januar. Die Ergebnisse werden fortlaufend in den Hörfunk- und Fernsehsendungen des BR sowie Online in Kooperation mit Correctiv veröffentlicht.

Sechswöchige Aktion

Die Eigentumsverhältnisse vor allem in größeren Städten sind oft intransparent. Daher der neue Weg der Bürgerrecherche. Im Rahmen einer sechswöchigen Aktion rückt der BR ab dem 13. Januar 2020 bis zum 23. Februar 2020 das Thema Wohnen und Mieten in den Mittelpunkt. Bürgerinnen und Bürger – egal ob Mieter oder Eigentümer – werden dazu aufgerufen, Informationen zum Wohnverhältnis auf br.de/wemgehoert zur Verfügung zu stellen. Je mehr Menschen mitmachen, desto aussagekräftiger wird das Ergebnis.

Bürgerrecherche für mehr Transparenz

Ziel ist es, mehr Transparenz auf dem Immobilienmarkt zu schaffen, so der BR. Denn ein öffentliches Immobilien-Register gibt es, anders als z.B. in Großbritannien, in Deutschland nicht. Mit Hilfe der von Bürgern zur Verfügung gestellten Informationen recherchieren Journalisten in den kommenden Wochen, um herauszufinden, welche Rolle institutionelle Anleger und ausländische Investoren am Markt spielen, wo das Geld herkommt, das sie investieren, und wo Gewinne hinfließen, so der BR. Es gehe darum, Strukturen und Muster zu erkennen und den Immobilienmarkt begreifbarer zu machen. Denn erst so werden konkretere Debatten zu fairem Wohnen möglich.

"Wem gehört Würzburg?" - Eine Bürgerrecherche. Grafik: BR/picture alliance

„Wem gehört Würzburg?“ – Eine Bürgerrecherche. Grafik: BR/picture alliance

Drei bayerische Städte

Die Bürgerrecherche „Wem gehört die Stadt?“ läuft zeitgleich in drei Städten, in denen die Situation auf dem Wohnungsmarkt besonders angespannt ist: In Augsburg, wo die Mietpreise besonders rasant steigen, in München als einer der teuersten Städte Deutschlands und eben in Würzburg – hier sind die Wohnkosten gemessen an der Kaufkraft besonders hoch. Ab dem 13. Januar können Bürger in Würzburg und dem jeweiligen Umland auf einer Online-Plattform, dem Crowdnewsroom von Correctiv, Informationen zum Wohnverhältnis eingeben und ihre Mietergeschichte erzählen.

Bereits in sechs Städten erfolgreich

Die Bürgerrecherche „Wem gehört die Stadt?“ wurde 2018 von Correctiv ins Leben gerufen und bisher in sechs Städten, darunter Hamburg, Berlin, Minden und Lüneburg, mit lokalen Kooperationspartnern durchgeführt. Mehrere tausend Bürger haben sich bereits deutschlandweit beteiligt, heißt es. So kam in Hamburg ans Licht, dass ausgerechnet die städtische Wohnungsbaugesellschaft einer der Preistreiber ist; in Berlin, dass eine in Deutschland nahezu unbekannte Londoner Familie mit rund 3.000 Wohnungen zu den Großeigentümern in der Stadt gehört. Das hatte sie mit Hilfe eines Geflechts von Briefkastenfirmen verschleiert. Das Pilotprojekt „Wem gehört Hamburg?“ wurde 2019 mit dem Grimme Online Award ausgezeichnet.

Datenschutz hat oberste Priorität

Die Daten werden natürlich mit größter Sorgfalt behandelt, verspricht der BR in einer Pressemitteilung. Der Server zur Plattform befindet sich in Deutschland, d.h. auch die Daten bleiben in Deutschland. Zugriff darauf habe nur ein ausgewähltes Team von Datenjournalistinnen und -journalisten des BR und von Correctiv, das die Daten intern auswertet. Informationen, die Rückschlüsse auf die Informationsgebenden zulassen, werden nicht veröffentlicht – es sei denn, die Teilnehmerinnen und Teilnehmer haben explizit zugestimmt, heißt es.

Auch die Namen von privaten Vermieterinnen oder Vermietern und Eigentümerinnen oder Eigentümern von wenigen Immobilien sowie konkrete Adressen würden nicht bekannt gegeben. Der Fokus der Recherche liege auf großen Finanzinvestoren mit Einfluss auf den Wohnungsmarkt und Organisationen, die fragwürdig handeln. Die Ergebnisse der Bürgerrecherche werden fortlaufend in den Hörfunk- und Fernsehsendungen des BR sowie Online in Kooperation mit Correctiv veröffentlicht.

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