Straßenbahn in Würzburg. Foto: Pascal Höfig
Straßenbahn in Würzburg. Foto: Pascal Höfig

Mobilitätsflatrate und kostenloser ÖPNV – auch eine Idee für Würzburg?

Aufs eigene Auto verzichten? Für viele in und um Würzburg undenkbar: zu wenig Flexibilität, zu hohe Kosten für den ÖPNV und zu wenig Komfort – die Gründe gegen den Verzicht auf das eigene Auto sind unterschiedlich. Die Stadt Augsburg versucht sich hier nun laut Berichten der FAZ an zwei neuen Projekten gegen eine zu hohe Umwelt- und Verkehrsbelastung: kostenlose Nutzung von Tram und Bussen und eine Mobilitätsflatrate mit Fahrrad und Carsharing.

Mobilitätsflatrate mit Carsharing und Fahrrad

Wer sich für das neue Jahr vorgenommen hat, weniger mit dem Auto zu fahren und mehr den ÖPNV zu nutzen, der hat es in Augsburg nun besonders leicht: Seit Beginn des Jahres kann man im Stadtzentrum umsonst Bus- und Straßenbahn fahren. Für umliegende Anwohner, die ins Zentrum möchten, kann damit auch das Ticket günstiger werden, wenn z.B. nur ein Kurzstreckenticket gelöst werden muss. Für alle, die gelegentlich doch ein Auto oder ein Fahrrad benötigen, gibt es eine bequeme Lösung: Mit einer „Mobilitätsflatrate“ können, je nach gewähltem Tarif, das Carsharing Angebot sowie Leihfahrräder genutzt werden.

Entlastung für Umwelt und Verkehr

Rund 800.000 € Einnahmeverlust pro Jahr würden zwar aus der Ticketreform resultieren, so die FAZ. Doch das soll vor allem einem Ziel dienen: Ein Verzicht von Privatautos und eine damit verbundene Entlastung für die Umwelt und den Verkehr. Nach den Empfehlungen des Deutschen Städtetags sollen 2030 überwiegend Sharing-Angebote den Individualverkehr in Ballungsräumen bestimmen, so die FAZ. Ausgeglichen werden die Kosten durch einen Fördertopf des Freistaates.

Bei der Mobil-Flat der „swa“ hat man die Wahl zwischen zwei Tarifen: die Mobil-Flat S schließt 30min kostenlose Nutzung „swa Rad“ pro Fahrt sowie „swa Carsharing“ für 15 Stunden bzw. 150 km ein. Auch ein Mobil-Abo für die Zonen 10 und 20 ist inkludiert – das ganze für 79€ im Monat. Wem das nicht reicht, der kann auf die Mobil-Flat M zurückgreifen: hier ist außerdem „swa Carsharing“ mit 30 Stunden und unbegrenzten Kilometern inbegriffen, für die ersten sechs Monate zahlt man hier im Sonderangebot auch 79€, anschließend 109€ pro Monat.

Carsharing in Würzburg

Ein eigenes Auto ist mit viel Aufwand und vor allem auch Kosten verbunden: Reparaturen, Versicherung und Benzin sprengen oft das Budget.

Hierbei bietet das Carsharing eine günstige Alternative: Mit „Scouter“ und „Flinkster“ gibt es in Würzburg ca. 45 Autos – „Nutzen statt Besitzen“ ist das Motto. Hier zahlt man Dauer und Kilometer, die man fährt, die Preise unterscheiden sich nochmal nach Fahrzeug, je nach Angebot kann man als Student oder mit Bahncard nochmal sparen. Auch würzburgspezifische Angebote gibt es z.B. als Besitzer eines WVVmobil-Abos oder als Mieter der Stadtbau Würzburg. Das Angebot wächst auch in Würzburg immer mehr.

Umsetzung in Würzburg

Auch ein kostenloser ÖPNV wurde in Würzburg bereits getestet. „Im Jahr 2018 wurde an insgesamt drei Tagen (Stadtfest und Samstage vor dem 3. und 4. Advent) der Versuch unternommen, durch eine kostenfreie ÖPNV-Nutzung in der Innenstadt die Besucher zu einem Umstieg vom eigenen Auto zur Straßenbahn zu bewegen. Unsere damals durchgeführten Analysen haben allerdings nicht erkennen lassen, dass eine Verhaltensänderung bei den Besuchern stattgefunden hätte. Insofern waren diese Maßnahmen in Würzburg kein Erfolg und fanden deswegen auch keine Fortsetzung“, so die WVV.

Bus der Linie 10 in Würzburg. Foto: Pascal Höfig

Bus der Linie 10 in Würzburg. Foto: Pascal Höfig

Die Attraktivität des ÖPNV müsse nicht nur durch die Ticket-Preise gesehen werden, auch die Rahmenbedingungen sind entscheidend.“ Dabei haben das Verkehrsangebot mit Bus und Straßenbahn, die Verfügbarkeit von Parkflächen und die hierbei angewandten Tarife eine steuernde Wirkung für die individuelle Entscheidung der Person, die in die Stadt kommt. Flankierend wurden auch in Würzburg verschiedene tarifliche Angebote im ÖPNV eingeleitet, um attraktivere Preise (z.B. Senioren oder Familien) anbieten zu können“, so die WVV weiter.

Unübersichtlicher Wabentarif

Das Bündnis „Verkehrswende jetzt“ würde eine Mobilitätsflatrate in Würzburg begrüßen, einen kostenlosen Nahverkehr sieht das Bündnis aber nicht. „Langfristig fordern wir einen abgabefinanzierten öffentlichen Nahverkehr, nach dem Vorbild des Semesterticket – nur eben für alle Bevölkerungsgruppen.“, so das Bündnis. „Eine Mobilitätsflatrate, die alle Verkehrsmittel im Blick hält, ist auf dem Weg dorthin der Schritt in die richtige Richtung. Von einer Gratiszone sind wir in Würzburg aber noch weit entfernt. Zunächst muss der unübersichtliche Wabentarif abgeschafft werden.“

Fahrscheinautomat. Symbolfoto: Pascal Höfig

Fahrscheinautomat. Symbolfoto: Pascal Höfig

Für Änderungen im ÖPNV spricht sich auch das Bündnis 90/Die Grünen Würzburg-Stadt aus: „Es fehlen wirksame Marketing-Aktionen wie eine Gratis-City-Zone nach Augsburger Vorbild oder kostenfreie Fahrt an Samstagen wie in Aschaffenburg oder Tübingen. Das bestehende Tarifwirrwarr aus Wabenkappungsgrenzen, Großwabe, Stadttarif und Kurzstrecken schreckt viele Menschen ab und Busse und Bahnen fahren insgesamt einfach zu selten, um für alle Menschen attraktiv zu sein“, beklagt OB-Kandidat Martin Heilig in einer Pressemitteilung.

Dabei sehen auch sie eine Tarifreform nach Vorbild des Semestertickets. „Geht es nach den Grünen, wird es nach einer Tarifreform nur noch das „Mainfranken-Ticket“ mit unterschiedlich langer Gültigkeit geben: Ein Ticket entweder für 2 Stunden, 24 Stunden, 1 Monat oder 1 Jahr. Jedes Ticket ist im gesamten Verkehrsverbund Mainfranken in allen Verkehrsmitteln als Netzkarte gültig“, heißt es in der Presseinformation weiter.

Was hältst Du davon?

Wie ist Deine Meinung dazu? Würdest Du auf ein eigenes Auto verzichten und stattdessen auf ÖPNV und Carsharing umsteigen, wenn es eine Mobilitätsflatrate und kostenlosen ÖPNV in der Innenstadt Würzburgs gäbe? Teile uns Deine Meinung unter redaktion@wuerzburgerleben.de mit oder hinterlasse uns einen Kommentar unter unserem Facebook-Posting!

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