Grafeneckart und Alter Kranen in Würzburg. Foto: Pascal Höfig
Grafeneckart und Alter Kranen in Würzburg. Foto: Pascal Höfig

Würzburg entdecken: Grafeneckart – der Wächter der Stadt

Hartnäckig halten sich bis heute Gerüchte, dass es einen unterirdischen Tunnel von der Festung in die Stadt geben soll, die Frankenapostel unter dem Neumünster den Märtyrertod starben oder es einen geheimen Mätressenausgang in der Residenz gab. Es gibt viele Orte in der Stadt, bei denen sich selbst Einheimische manchmal fragen, was es damit auf sich hat. Unsere Reihe „Würzburg entdecken“ deckt Geheimnisse auf und geht Mythen und Fragen auf den Grund.

Der Grafeneckart früher

Die Aussicht über die Stadt vom Grafeneckart zu genießen – in den Genuss kommt nicht jeder. Ratsherr Willi Dürrnagel hat Würzburg erleben einmal mit hinauf genommen und uns einiges erzählt. Eins vorweg – die Aussicht ist sagenhaft!

Grafeneckart in Würzburg. Archiv: Willi Dürrnagel

Die Würzburger Innenstadt nach dem 16. März 1945. Foto: Archiv Willi Dürrnagel

Der Grafeneckart und das Rathaus Würzburg - Foto: Pascal Höfig

Ratsherr Willi Dürrnagel auf dem Grafeneckart. Foto: Linda Amamra.

Aussicht vom Grafeneckart. Foto: Linda Amamra.

Erste Erwähnungen über den Rathausturm fanden bereits um 1180 statt. Benannt wurde der Turm nach dem bischöflichen Schultheißen und Vize-Burggrafen Eckhart de Foro, der dort wohnte und auch ermordet wurde. Nach wechselnden Besitzern ist der Grafeneckart nun seit über 700 Jahren im Besitz der Stadt. Damals beobachtete man das Stadtgeschehen von dort oben, um Feuer oder Aufstände rechtzeitig zu sehen und um Alarm zu schlagen. Mit einem fast quadratischen Grundriss von rund 7 x7,5 Metern und einer Höhe von 55 Metern ragt der Turm empor und beherrscht heute noch das Stadtbild.

Grüner Baum und Wenzelsaal

Der Seitenflügel, der westlich an den Turm angebaut ist, trägt übrigens den Namen Grünbaum bzw. Grüner Baum und hat seinen Namen von einer Linde, die früher auf dem Platz vor dem Grafeneckart stand. In diesem Gebäudeteil befindet sich auch der historische Ratssaal, der unter dem Namen Wenzelsaal bekannt ist. Dort finden heute noch zum Beispiel Trauungen statt.

Am 24. Juni wurde das letzte Detail des neu gestalteten Grafeneckart enthüllt: die sattgrüne Gerichtslinde. Foto: Christian J. Papay

Am 24. Juni wurde das letzte Detail des neu gestalteten Grafeneckart enthüllt: die sattgrüne Gerichtslinde. Foto: Christian J. Papay

Mehr als nur ein Turm heute

Der Grafeneckart ist aber weit mehr als nur ein einfacher Rathausturm. Natürlich wird er heutzutage nicht mehr als Wachturm genutzt und dennoch hat er eine Funktion – bis heute. Oberbürgermeister Christian Schuchardt beschrieb ihn 2017 während seiner Festrede, nach der Enthüllung der neuen Fassade, als Symbol bürgerlicher Freiheit: „Der Grafeneckart steht für selbstbewusste Bürger, die ihr Schicksal in die eigenen Hände nehmen. Er erinnert uns aber auch daran, dass unsere heutige kommunale Selbstverwaltung alles andere als selbstverständlich ist. Sie ist das Ergebnis  eines jahrhundertelangen harten Ringens, das große Opfer gekostet hat. Und so ist der Grafeneckart auch ein Mahnmal, für unsere kommunale Demokratie aktiv zu werden, um sie lebendig zu erhalten.“ Genutzt wird der kleine Raum oben im Turm übrigens für Empfänge und um Gästen der Stadt die weitreichende Aussicht zu zeigen.

Grafeneckart. Innenansicht. Foto: Linda Amamra.

Grafeneckart. Innenansicht. Foto: Linda Amamra.

Im Untergeschoss des Turms befindet sich heute ein Gedenkraum zur Erinnerung an die Zerstörung der Stadt im 2. Weltkrieg 1945, außerdem das Restaurant Ratskeller. Noch im Jahr 1918 befand sich hier allerdings eine Spirituosen- und Zigarrenhandlung und ein Salzlager.

Kritik um neue Außenfassade

Ab November 2015 wurde der Grafeneckart schließlich von außen rundum erneuert. Lange Zeit wurde die Fassade hinter einem Gerüst und Planen versteckt bis schließlich 2017 der „neue“ Grafeneckart enthüllt wurde. Statt in Braun erstrahlte der Turm nun in Weiß. Vielen Würzburgern gefiel das anfangs überhaupt nicht – doch mittlerweile dürfte sich die Mehrheit an die neue Fassadenfarbe gewöhnt haben. Auch die ehemals verblasste Linde ist jetzt wieder deutlich sichtbar.

So gefällt der alte und der neue Anstrich des Grafeneckarts den Würzburg erleben-Fans. Fotomontage: Dominik Ziegler I Foto links: Wolfgang Brieden

So gefällt der alte und der neue Anstrich des Grafeneckarts den Würzburg erleben-Fans.

Führungen durchs Rathaus

Alle, die sich den berühmten Würzburger Turm auch einmal von innen ansehen möchten, können von Mai bis Oktober jeden Samstag um 11 Uhr an einer Führung durch das Rathaus teilnehmen. Die 1,5 stündige Führung ist kostenlos und bedarf keiner Anmeldung. Treffpunkt ist der südliche Rathaushof (am Roten Bau / gegenüber Vierröhrenbrunnen).

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