Spielende Kinder in der Kindererholung Sippachsmühle. Foto: Archiv AWO Unterfranken
Spielende Kinder in der Kindererholung Sippachsmühle. Foto: Archiv AWO Unterfranken

100 Jahre AWO: Der Werdegang der Arbeiterwohlfahrt

Die AWO gibt es seit 100 Jahren – auch in Würzburg hat sie eine lange Tradition. Die AWO, Abkürzung für Arbeiterwohlfahrt, ist diese Tage 100 Jahre alt geworden. Sie entsteht 1919 aus dem Versuch, die Not zu lindern, der große Teile der deutschen Bevölkerung während und nach dem Ersten Weltkrieg ausgesetzt sind. Gegründet hat sie Marie Juchacz, die erste Frau, die im deutschen Reichstag eine Rede gehalten hat und sich darin für die Gleichberechtigung von Mann und Frau einsetzt.

AWO Suppenküche während des Krieges. Foto: Archiv AWO Unterfranken

AWO Suppenküche während des Krieges. Foto: Archiv AWO Unterfranken

AWO in der Kriegszeit

Viele ehrenamtliche Helfer organisieren Suppenküchen, verteilen Lebensmittel und Kleidung. Die Nazis zerschlagen und verbieten nach nur wenigen Jahren die AWO, schlagen ihre Mitglieder und Führer in die Flucht und verfolgen sie. Erst nach Ende des Zweiten Weltkriegs baut sich die AWO wieder auf, denn es gibt wieder Kriegsleid, das gelindert werden muss. Auch in Unterfranken. In den 1950er Jahren liegt der Schwerpunkt der AWO-Helfer aus unserer Region auf Erholungsheime für Familien, Frauen und Kinder im ländlichen Bereich – zum Beispiel im Erholungsheim Sippachsmühle. In Würzburg entsteht die Stadtranderholung auf der Frankenwarte – die es bis heute noch gibt – sowohl Kinder, aber auch Senioren besuchen sie.

Spielende Kinder in der Stadtranderholung Frankenwarte 1960. Foto: Archiv AWO Unterfranken

Spielende Kinder in der Stadtranderholung Frankenwarte 1960. Foto: Archiv AWO Unterfranken

Aufbau der ersten AWO Einrichtungen

Auf Kiliani organisiert die AWO von 1949 bis in die 1980er Jahre eine Tombola. Durch die Einnahmen kann ein Teil der Kosten für die Freizeiten getragen werden. Im Laufe der Zeit kommen immer mehr Einrichtungen dazu: Seniorenheime, Kindertagesstätten, Beratungsstellen, eine Reha-Klinik oder ein Jugendwohnzentrum für schwer erziehbare Jugendliche in der Lindleinsmühle. Überall in Würzburg finden wir AWO-Einrichtungen mit einer teils langen Geschichte. Die erste Geschäftsstelle der AWO Unterfranken ist neben der Grombühlbrücke in der Prymstraße.

Die erste Geschäftsstelle der AWO Unterfranken in Grombühl. Foto: Archiv AWO Unterfranken

Die erste Geschäftsstelle der AWO Unterfranken in Grombühl. Foto: Archiv AWO Unterfranken

AWO in der Zellerau und in Grombühl

In Grombühl wird in den 1960er Jahren der erste Seniorenclub in Würzburg eröffnet, einige Jahre später ein zweiter in der Zellerau. Die Zellerau ist in der Nachkriegszeit der Stadtteil Würzburgs mit der größten Bevölkerungsdichte. Vor allem in der Gegend Weißenburgstraße und Benzstraße leben in den ehemaligen, als Notunterkünfte hergerichteten, Kasernen viele kinderreiche Familien. Die AWO entwickelt das Modellprojekt „Soziale Rehabilitation Zellerau“ mit einem Jugendclub und einer Seniorenbegegnungsstätte, aber auch eine Lern- und Spielstube für Vorschulkinder. Diese ist schnell überfüllt, sodass die AWO den Bedarf eines Kindergartens feststellt und diesen gründet – das heutige Kinderhaus Kleiner Globus in der Weißenburgstraße.

In Grombühl organisieren die AWO-Ehrenamtlichen mit großen Anstrengungen und persönlichem finanziellem Aufwand in den 1970ern und 1980ern Straßenfeste für Kinder. Auch für Senioren entsteht in Grombühl ein Seniorentreff im Felix-Fechbach-Haus. Er feiert dieses Jahr 30-jähriges Jubiläum und immer noch sind seine saisonalen Feste und Reisen stets ausgebucht. Neben den Clubs professionalisiert die AWO Unterfranken zu dieser Zeit in fast allen Stadtteilen ihre Seniorenarbeit: 1978 eröffnet sie den ersten Ambulanten Dienst in Würzburg und setzt auch als erste Organisation in Würzburg Zivis ein.

Das 1974 errichtete AWO-Seniorenheim Marie-Juchacz-Haus, heute Hans-Sponsel-Haus in der Lindleinsmühle. Foto: Archiv AWO Unterfranken

Das 1974 errichtete AWO-Seniorenheim Marie-Juchacz-Haus, heute Hans-Sponsel-Haus in der Lindleinsmühle. Foto: Archiv AWO Unterfranken

Weitere Projekte in der Region

1974 wird in der Lindleinsmühle das erste AWO-Seniorenheim gebaut (das heutige Hans-Sponsel-Haus), in den 1980ern das Marie-Juchacz-Haus in der Zellerau. Diese Einrichtung wurde dieses Jahr nach Abriss und Neubau ganz neu eröffnet. In den 1990er Jahren kommt in Heidingsfeld ein Modellprojekt dazu: Ein Seniorenheim und ein Kindergarten unter einem Dach! Für die damalige Zeit ein sehr innovatives Konzept, welches auch heute noch als Sozialzentrum Jung und Alt in der Winterhäuser Straße besteht. Ein jüngeres Gebäude ist die Reha-Klinik an der Kantstraße, 1996 gebaut. Im gleichen Jahr saniert die Würzburger AWO den Ostbahnhof in Heidingsfeld und stellt dort ihre Zentrale ein.

Der Ostbahnhof Heidingsfeld während der Sanierung 1996. Foto: Archiv AWO Unterfranken

Der Ostbahnhof Heidingsfeld während der Sanierung 1996. Foto: Archiv AWO Unterfranken

Die AWO Unterfranken heute

Heute hat die AWO über 80 Einrichtungen in ganz Unterfranken, in denen 2.900 Mitarbeiter beschäftigt sind. Die Ortsverbände zählen zusammen über 7.600 Mitglieder. Bundesweit wird die AWO getragen von 362.000 Mitgliedern, 75.000 ehrenamtlich Mitarbeitenden und 197.000 Hauptamtlichen, die in über 14.000 Einrichtungen arbeiten. Aktuelle Entwicklungen des regionalen Verbands AWO Unterfranken kann man auf Facebook und Instagram mitverfolgen!

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