Kein Geld in der Tasche. Symbolfoto: Pascal Höfig
Kein Geld in der Tasche. Symbolfoto: Pascal Höfig

Jeder 7. Vollzeit-Beschäftigte arbeitet zum Niedriglohn in Würzburg

40 Stunden die Woche arbeiten – und trotzdem reicht’s am Monatsende nicht: In Würzburg arbeiten rund 8.000 Vollzeit-Beschäftigte zum Niedriglohn. Damit liegt jeder siebte Arbeitnehmer (15,3 Prozent) trotz voller Stundenzahl unter der amtlichen Niedriglohnschwelle von aktuell 2.203 Euro brutto im Monat. Das teilt die Gewerkschaft Nahrung-Genuss- Gaststätten mit.

Enorme finanzielle Probleme

Die NGG Unterfranken beruft sich hierbei auf Zahlen der Bundesagentur für Arbeit. Geschäftsführer Ibo Ocak spricht von einem „Alarmsignal“. Tausende Menschen hätten trotz langer Arbeitstage enorme Probleme, finanziell über die Runden zu kommen. „In Metzgereien, Bäckereien, Fastfood-Betrieben, Restaurants und Hotels ist der Anteil von Niedriglohn-Beschäftigten dabei besonders hoch. Hier müssen die Firmen endlich deutlich höhere Löhne zahlen“, fordert Ocak. Nach Angaben der Arbeitsagentur liegen bundesweit 53 Prozent aller Vollzeit-Beschäftigten im Lebensmittel- und Gastgewerbe unter der Niedriglohngrenze.

Besonders in Hotel und Gastronomien

Eine Hauptursache für diesen Zustand ist nach Einschätzung der Gewerkschaft NGG die schwindende Tarifbindung. „Auch in Würzburg zahlen immer weniger Hoteliers und Gastronomen nach Tarif. Statt mit dem Tariflohn von 13,34 Euro pro Stunde geht ein gelernter Koch dann nur mit dem Mindestlohn von 9,19 Euro nach Hause.

Wie soll man damit eine Familie durchbringen?“, kritisiert Ocak. Um diesen Trend zu stoppen, müssten sich Firmen, die Mitglied im Arbeitgeberverband sind, an die mit der Gewerkschaft ausgehandelten Tarifverträge halten und armutsfeste Löhne zahlen. Nach Beobachtung der NGG nimmt die Zahl der Verbandsmitglieder, die aus der Tarifgemeinschaft ausscheren, seit Jahren zu.

Besser in der Gewerkschaft

„Außerdem muss es noch mehr Tarifverträge geben, zu denen ganze Branchen durch die Politik verpflichtet werden – gerade da, wo der Niedriglohnsektor wuchert“, so Ibo Ocak. Eine sogenannte Allgemeinverbindlichkeit könne vom Bundes- oder Landesarbeitsministerium erklärt werden. Am Ende komme es aber auch auf die Beschäftigten selbst an, betont die NGG.

„Wer in der Gewerkschaft ist, hat nicht nur beim Lohn, sondern auch bei Urlaub und Arbeitszeit die besseren Karten.“ Das durchschnittliche Vollzeit-Einkommen liegt in Würzburg laut Arbeitsagentur bei 3.399 Euro (brutto) im Monat – im Bundesschnitt sind es 3.304 Euro.

Dieser Artikel beruht auf eine Pressemitteilung der NGG -Region Unterfranken.

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