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Würzburg zeigt Schleife am Welt-AIDS-Tag. Foto: Pascal Höfig
Würzburg zeigt Schleife am Welt-AIDS-Tag. Foto: Pascal Höfig

#WürzburgzeigtSchleife: Welt-Aids-Tag 2019

Das Aktionsbündnis „Würzburg zeigt Schleife“ installiert dieses Jahr zum neunten Mal auf dem Schlossberg unterhalb der Festung eine 100 Meter lange rote Stoffschleife zum Welt-Aids-Tag. Am Abend des 1.12. wird die Schleife angeleuchtet und ist so ein weithin sichtbares Zeichen für einen toleranten und vorurteilsfreien Umgang mit HIV-positiven Menschen in unserer Stadt. Die Rote Schleife ist ein Aufruf gegen Diskriminierung und Stigmatisierung – ein Aufruf zur Solidarität!

Thementag im Central

Das Motto des Welt-Aids-Tages 2019 lautet „Communities make the difference“ und zielt auf einen entscheidenden Aspekt der Bekämpfung der weltweiten HIV-Epidemie ab: Die Einbeziehung der Betroffenen in Entscheidungen der medizinischen Behandlung, die Selbstorganisation von Patienten in Selbsthilfegruppen sowie inklusive Strategien, die die gesellschaftliche Stigmatisierung und Diskriminierung von Menschen mit HIV reduzieren, so berichtet die HIV/Aids-Beratung der Caritas.

In Kooperation mit dem Programmkino „Central im Bürgerbräu“ wird es dieses Mal einen Thementag „HIV – und plötzlich ist alles anders“ geben, Veranstalter ist die HIV/Aids-Beratung der Caritas. Es werden drei Filme zum Thema HIV gezeigt, die Einblicke gewähren in das Leben von Betroffenen und Angehörigen sowie in die Arbeit von Aktivisten in der Vergangenheit und heute.

Drei Filme zum Thema HIV

Um 11 Uhr geht es mit dem Film „Memory Books“ los, eine Dokumentation über die AIDS-Katastrophe in Afrika. HIV-infizierte Mütter schreiben ihren Kindern sogenannte Erinnerungsbücher, damit sie später als Waisen den Alltag besser meistern können. Im Film „Vakuum“ um 16 Uhr erfährt eine Frau aus gutgestellten Verhältnissen wenige Monate vor ihrem 35. Hochzeitstag, dass sie HIV-positiv ist. Nach gründlichen Nachforschungen muss sie sich der Tatsache stellen, dass sie sich beim Sex mit ihrem Mann angesteckt hat, und beginnt, ihrem Gatten heimlich nachzuspionieren. Der Film „120bpm“ um 20.30 Uhr, spielt im Paris der frühen 1990er Jahre. Die örtliche Schwulen- und Lesben-Community leidet verstärkt unter der seit mehr als zehn Jahren wütenden AIDS-Seuche. Aktivistengruppen kämpfen gegen die Ausgrenzung der Menschen.

Ab 18:15 Uhr werden dann bei einem Empfang mit Gedenken zum Welt-Aids-Tag die Stimmungen der Filme aufgefangen und über die aktuelle Situation in Bezug auf HIV und Aids in Afrika und Deutschland informiert. Auch werden aktuelle Entwicklungen gezeigt und derjenigen gedacht, die an den Folgen ihrer HIV-Infektion verstorben sind. Musikalisch begleitet wird die Veranstaltung vom Würzburger Pop-Chor „Sotto Voce“.

Rückgang der Neuinfektionen

Zum zweiten Mal in Folge weist die Schätzung des Robert-Koch-Instituts (rki) für die Zahl der Neuinfektionen mit HIV eine Verringerung gegenüber dem Vorjahr aus. Lag die Schätzung für 2017 noch bei 2.500 Neuinfektionen, liegt diese Zahl für 2018 nun bei 2.400. Der Rückgang ist besonders deutlich in der Gruppe der Männer, die Sex mit Männern haben (MSM). Offenbar zeigen die erweiterten niedrigschwelligen Testangebote und der frühere Behandlungsbeginn Erfolge. Dieser Trend gilt insbesondere in den Ballungsgebieten. Man muss davon ausgehen, dass in den ländlichen Regionen dieser erfreuliche Rückgang weniger stark ausgeprägt ist.

„Wir gehen aktuell davon aus, dass sich im Regierungsbezirk Unterfranken jährlich 25 bis 30 Personen neu mit dem HI-Virus anstecken und erwarten, dass die Neuinfektionen in den kommenden Jahren leicht zurückgehen werden. Die Neudiagnosen lagen für Unterfranken in den vergangenen Jahren im Durchschnitt bei 30. Für das Jahr 2019 rechnen wir aufgrund der aktuellen Datenlage mit mehr als 30 Neudiagnosen. Dies ist ein deutlicher Hinweis darauf, dass sich Personen mit einem Risiko früher testen lassen und damit auch früher in eine Behandlung gehen, ein durchaus erfreulicher Trend“, so die Caritas Beratungsstelle.

980 HIV-Infizierte in Unterfranken

Im Jahr 2013 bot die Beratungsstelle erstmals einen HIV-Schnelltest an. Seitdem haben mehr als 600 Personen einen anonymen HIV-Antikörpertest durchführen lassen. Zahlreiche Rückmeldungen von Interessenten würden die Mitarbeiter der Caritas darin bestärken, dieses öffentliche und anonyme Schnelltestangebot am Abend zusätzlich zu den Testmöglichkeiten bei den Gesundheitsämtern weiter aufrecht zu erhalten.

In Unterfranken leben zum aktuellen Zeitpunkt geschätzt 980 HIV-Infizierte. Etwa 110 Menschen von den 980 wissen zum jetzigen Zeitpunkt noch nichts von ihrer Infektion.

Caritas Beratungsstelle

Die HIV/Aids-Beratungsstelle der Caritas ist seit vielen Jahren mit einem intensiven Präventionsangebot in Unterfranken präsent. Dies wird von zahlreichen allgemeinbildenden und beruflichen Schulen abgerufen und trägt sicherlich dazu bei, dass der Wissensstand in Bezug auf die Übertragungswege von HIV und die Schutzmöglichkeiten vor einer Infektion auf einem hohen Niveau ist.

Im Laufe des Jahres 2019 wandten sich 15 Personen (Stand: 27.11.19) mit einer HIV- Diagnose erstmals an die HIV/Aids-Beratungsstelle der Caritas. Einige der neuen Klienten leben schon viele Jahre mit dem Virus, wurden aber erst in diesem Jahr diagnostiziert.

Fortschritte in der HIV-Forschung

Eine HIV-Infektion verläuft in der Regel unbemerkt. Die Zeit zwischen der Infektion und der Diagnose beträgt oft mehrere Jahre. Die Zahl derer, die sehr spät ihre HIV- Infektion entdecken und schon mit einem fortgeschrittenen Immundefekt die medizinische Behandlung beginnen, ist nach wie vor hoch und liegt bei etwa einem Drittel der Neudiagnosen.

Leben mit Infektion

Das Leben mit der Infektion ist mehr als 30 Jahre nach Beginn der Epidemie sei vielschichtig, heißt es. In der Beratung geht es darum, diese Komplexität für den Einzelnen zu verringern und den Ratsuchenden auf seinem Weg zu einem lebenswerten Leben zu begleiten. Neben der unmittelbaren Krankheitsbewältigung nach dem Schock der Diagnose spielt die Frage „Wem erzähle ich von meiner Infektion?“ bei fast allen Ratsuchenden eine zentrale Rolle, erklärt die Beratungsstelle. Auch die Angst vor unangemessenen Reaktionen aus dem beruflichen und privaten Umfeld sei bei den meisten Klienten immer wieder Thema in den Beratungsgesprächen.

Neue Möglichkeiten

Der Gesetzentwurf zum Masernschutzgesetzt sieht vor, dass Schnelltest auf HIV, Hepatitis C und Syphilis künftig in Beratungsstellen ohne ärztliche Aufsicht durchgeführt werden können. „Dies wäre eine enorme Erleichterung für unsere Arbeit. Die marktüblichen Schnelltests sind einfach anzuwenden und können somit auch an Orten angeboten werden, wo sich Menschen aufhalten, für die solch ein HIV- Test in Frage kommt“, so Michael Koch, Leiter der Beratungsstelle für HIV/Aids. „Zusätzlich sind wir dadurch auch zeitlich flexibler, weil wir nicht jedes Mal einen Arzt dazu heranziehen müssen.

Mit der „Prä-Expositions-Prophylaxe“ (PrEP) gibt es eine weitere Möglichkeit, sich vor einer Infektion zu schützen. Die PrEP ist eine Safer-Sex-Methode, bei der HIV- Negative ein HIV-Medikament einnehmen, um sich vor einer Ansteckung mit HIV zu schützen. Seit September ist die PrEP als Kassenleistung anerkannt. Dies erleichtert die Zugangsmöglichkeiten und wird die Zahl der Anwender sicherlich erhöhen, so die Caritas Beratungsstelle.

Sehr erfreulich auch unter dem Aspekt der Prävention sei die Tatsache, dass sich der Anteil der Menschen mit einer HIV-Infektion, die sich in einer erfolgreichen medizinischen Behandlung befinden, kontinuierlich erhöhen würde. Eine frühzeitig behandelte Infektion kann nicht übertragen werden. Nach wie vor ist und bleibt die Empfehlung, Kondome zu verwenden, eine der zentralen Botschaften der HIV/STI-Prävention.

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