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Matthias erfüllt sich seinen Traum und ist nach Lombok ausgewandert. Foto: Julius Mayer
Matthias erfüllt sich seinen Traum und ist nach Lombok ausgewandert. Foto: Julius Mayer

Von Würzburg nach Lombok: Matthias über sein Leben in Indonesien

Wie oft denkt man darüber nach, einfach mal den Alltagsstress in Deutschland hinter sich zu lassen und ins Paradies auszuwandern? Nicht Viele ziehen das durch – Matthias hat sich aber getraut: Er hat sein Leben in Würzburg hinter sich gelassen, um auf Lombok in Indonesien eine Bungalow-Anlage zu betreiben und erfüllt sich damit den Traum, Surfen, Kochen und Reisen zu kombinieren. Wohnen und Arbeiten, wo andere Urlaub machen: Uns erzählt er, wie er dazu kommt und wie sein Leben auf Lombok aussieht.

Eine alternative Route im Leben

Würzburg erleben (WE): Hallo Matthias, erzähl doch erst einmal etwas über dich.

Matthias: Hallo, mein Name ist Matthias Groß, ich bin 32 Jahre alt und bin gerade nach Lombok ausgewandert – eine Insel in Indonesien. Vorher habe ich in Würzburg Sport und Englisch auf Lehramt studiert und dort in einem Sportkurs die Leidenschaft fürs Surfen entdeckt. Ich reise außerdem gerne und habe seit meinem 16. Lebensjahr in verschiedenen Restaurants und Hotels gekocht und gearbeitet.

Surfen gehört zu Matthias liebsten Hobbys. Foto: Julius Mayer

Surfen gehört zu Matthias liebsten Hobbys. Foto: Julius Mayer

WE: Wie kam es denn dazu, dass du nach Lombok ausgewandert bist?

Matthias: Ich habe mich schon immer für das Reisen interessiert: neue Orte sehen, von Zuhause weg sein, andere Kulturen und Sprachen kennenlernen. Nachdem ich mein Studium beendet hatte, habe ich mich an einer Gabelung in meinem Leben gesehen: entweder den klassischen Lebenslauf als Lehrer einschlagen mit Hausaufgabenkorrekturen, Elterngesprächen und Pausenaufsicht – oder die letzte Chance ergreifen, eine alternative Route zu wählen.

WE: Und wieso fiel die Wahl genau auf Indonesien und kein anderes Land?

Matthias: Ich wollte im Ausland meine Leidenschaften für das Surfen, Kochen und Reisen kombinieren, um damit vor Ort meinen Lebensunterhalt zu bestreiten. Auf der Suche nach Orten für die Eröffnung einer Bungalow-Anlage mit Surfer-Flair haben sich Indonesien und Nicaragua als aufstrebende Standorte angeboten. Nicaragua schied wegen anhaltender politischer Unruhen irgendwann aus dem Rennen aus – und auch deshalb bin ich jetzt glücklich, hier in Indonesien zu sein.

Gäste aus aller Welt

WE: Die Bilder sehen ja toll aus – wie genau hast du deine Anlage gestaltet?

Matthias: Ich wollte das Grundstück möglichst naturbelassen behalten und habe daher hauptsächlich Holz und Bambus verwendet. Die Bungalows sind optisch in typischer Lombok-Bauweise gehalten. Das robuste Holz kam aus Sulawesi, der Bambus aus der Umgebung. Die Inneneinrichtung besteht zu großen Teilen aus Möbeln, die aus recycelten Booten hergestellt worden sind. Seit August 2019 empfangen wir in vier Bungalows Gäste, für 2020 ist eine Aufstockung auf acht Bungalows geplant.

WE: Wer sind die Gäste in deinem Bungalow?

Matthias: Wir empfangen Gäste aus aller Welt – unsere ersten Gäste waren Dänen, aber auch Japaner oder Australier waren schon hier. Ein großer Anteil kommt aber auch aus Deutschland.

WE: Und wo hast du deine Mitarbeiter gefunden?

Matthias: Meine Mitarbeiter sind alle aus der unmittelbaren Nachbarschaft. Doyok war schon bei den Bauarbeiten dabei und ist der Mann für den Garten, seine Frau Eka kümmert sich um das Frühstück und das Housekeeping. Außerdem haben wir noch drei talentierte Handwerker, die die Anlage in Schuss halten und ausbauen. Mein wichtigster Mitarbeiter ist aber Kooky, ein Straßenhund, den ich hier adoptiert habe – er ist der selbsternannte Security der Anlage und hält die Affen fern.

Matthias (2. v. links) und sein Team: Sanusi, Agus und Kariayam. Foto: Julius Mayer

In seinen Bungalows empfängt Matthias Gäste aus der ganzen Welt. Foto: Julius Mayer

Arbeiter aus der Nachbarschaft helfen beim Bau der Bungalows. Foto: Julius Mayer.

Eka kümmert sich um das Frühstück und Housekeeping. Foto: Julius Mayer

Sein wichtigster Mitarbeiter: Kooky, ein adoptierter Straßenhund. Foto: Julius Mayer

Über den Alltag auf Lombok

WE: Ein Helfer auf vier Pfoten kann nie schaden. Hattest du am Anfang der Auswanderung denn viele Schwierigkeiten?

Matthias: Es war am Anfang schon schwierig, hier als Europäer bei den Einheimischen Fuß zu fassen. Auf der Behördenebene herrscht leider viel Korruption, was alles schwieriger und kostspieliger macht. Die Bürokratie läuft sehr schleppend.

WE: Und im Alltag – was sind da die Unterschiede zu deinem Leben in Deutschland?

Matthias: Mein Tag beginnt viel früher und dauert länger als Zuhause, was aber auch mit der neuen Aufgabe als Gastgeber zu tun hat: Ich betreue Gäste, organisiere Surfkurse, koordiniere die weiteren Bauarbeiten und pflege meine Social Media Kanäle. In Deutschland habe ich jeden Sonnenstrahl gesucht, hier will ich möglichst lange im Schatten bleiben, weil es durchgehend um die 30 Grad hat. In der Regenzeit muss man seinen Tag um die starken Schauer herum planen. Generell lebt man hier viel mehr nach dem Takt der Natur, was ich aber auch schön finde.

WE: Da sind wir schon bei der nächsten Frage – was gefällt dir hier besser als in Deutschland?

Matthias: Das Leben ist viel freier, weniger reglementiert, es gibt weniger Routinen – und man ist mehr im „Hier und Jetzt“ verankert. Die Natur ist kein Ort, den man am Wochenende mal besucht, man lebt direkt in und mit ihr. Auch das Wissen über Tiere und Pflanzen ist hier viel wichtiger und realitätsnaher als in Deutschland, wo das eher eine schulische Pflichtlektüre ist.

WE: Apropos Pflichtlektüre: Hast du schon ein bisschen Indonesisch gelernt?

Matthias: Ja. Die Sprache ist erstaunlich einfach, wenn auch sehr fremd. Es gibt keine Deklinationen und Konjugationen, keine Artikel, kein Wort für „sein“ und nicht einmal wirklich Zeiten – Indonesisch ist also relativ einfach zu lernen. Die Schwierigkeit für mich besteht aber darin, dass die Einheimischen auf Lombok untereinander ausschließlich ihre eigene Sprache „Sasak“ benutzen, die fast nichts mit Indonesisch zu tun hat. Das macht es für mich schwer, da ich gerne über das Zuhören lerne.

WE: Und wie schaut es mit der Kultur aus?

Matthias: Lombok ist zu 90 Prozent muslimisch, anstatt Kirchenglocken hört man hier abends also eher die Gesänge des Muezzins. In den Dörfern gibt es daneben aber auch noch viele alte Bräuche und Zeremonien, zu denen ich sogar oft eingeladen werde – eine Gastfreundlichkeit, die ich in der Form nicht aus Deutschland kenne.

Keine Reue

WE: Das hört sich ja toll an. Gibt es trotzdem etwas, das du an Deutschland und Würzburg vermisst?

Matthias: Neben meiner Familie, meiner Freundin und meinen Freunden vermisste ich vor allem das Essen von Zuhause: Käse, Bocksbeutel-Wein und Bratwurst. Deutsches Brot habe ich so sehr vermisst, dass ich nun hier mein eigenes Brot backe.

Matthias bäckt auf Lombok sein eigenes Brot, wie er es aus Deutschland kennt. Foto: Julius Mayer

Matthias bäckt auf Lombok sein eigenes Brot, wie er es aus Deutschland kennt. Foto: Julius Mayer

WE: Hast du es jemals bereut, den Schritt der Auswanderung gewagt zu haben?

Matthias: Bisher bereue ich es nicht, Deutschland verlassen zu haben. Trotz einiger Stolpersteine läuft es bisher gut und ich bin glücklich hier. Ob ich hier auch alt werden will, weiß ich aber noch nicht – im Alter sehe ich mich derzeit schon noch eher in der alten Heimat. Aber wer weiß, was die Zukunft bringt.

WE: Willst du unseren Lesern zum Abschluss noch etwas mit auf den Weg geben?

Matthias: Gerne – kommt vorbei! Genießt ein Frühstück bei uns in der Anlage und erkundet danach die Insel mit dem Roller. Neben Insider-Tipps rund um Lombok spendiere ich den Lesern gerne auch noch eine handgepflückte Kokosnuss von unserer Palme.

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