Durch die Kundenkarte, zeigt Alona Toibis, erhalten Menschen mit schmaler Börse einen zehnprozentigen Rabatt. Foto: Brauchbar
Durch die Kundenkarte, zeigt Alona Toibis, erhalten Menschen mit schmaler Börse einen zehnprozentigen Rabatt. Foto: Brauchbar

„Brauchbar“ Kundenkarte – auch für Studenten

Sie kommt mindestens einmal im Monat ins Sozialkaufhaus „Brauchbar“, erzählt Elena: „Meist hole ich mir Klamotten.“ Das wird die 18-Jährige in Zukunft sogar noch etwas günstiger tun können. Denn Elena begann soeben, an der Würzburger Hochschule Kommunikationsdesign zu studieren. Und die Kunden-Rabattkarte, die „Brauchbar“ im Februar eingeführt hat, gilt auch für Studierende, die, wie Elena, BaföG beziehen.

Zehn Prozent Rabatt

Möbel, Elektroartikel, Haushaltswaren, Klamotten, Lektüre oder Schallplatten: „Gerade Studierende können bei uns jede Menge finden“, sagt Thomas Johannes, Geschäftsführer der Würzburger BRAUCHBAR. Was Elena bestätigt. Die frischgebackene Studentin kam heute mit zwei Freundinnen, die gleich mehrere Reclam-Bände in der Bücherecke aufgestöbert haben.

Studentenrabatte in Würzburg

Andere Studienanfänger stoßen bei „Brauchbar“ auf Sofas, Stühle oder Sessel, die wunderbar in die neue Studentenbude passen. Wer im Besitz der Kundenkarte ist, erhält in allen „Brauchbar“-Filialen auf sämtliche Waren einen Rabatt von zehn Prozent.

Für alle gleich

Lange dachte das „Brauchbar“-Team darüber nach, wie Kunden, die auf jeden Cent schauen müssen, durch ein Rabattsystem diskriminierungsfrei unterstützt werden können. Niemand sollte einen Bedürftigkeitsnachweis an der Kasse vorlegen müssen. Aus dem Brainstorming ging eine hübsch gestaltete Kundenkarte hervor, zeigt „Brauchbar“-Mitarbeiterin Alona Toibis, die heute an der Kasse tätig ist. Hält ihr jemand diese Karte entgegen, weiß Toibis nicht, ob es sich um einen Arbeitslosen, einen Minirentner, einen Geflüchteten, einen Menschen mit einer Schwerbehinderung oder um einen Studierenden handelt. Denn die Karte ist für alle gleich.

Von der Ukraine zur „Brauchbar“

Toibis selbst weiß, wie es ist, wenn man sich keine teuren Klamotten, keine Möbel aus dem Möbelhaus und keine nagelneuen Elektrogeräte leisten kann. 1999 kam die gebürtige Ukrainerin nach Deutschland. Wo sie ganz von vorn und ganz unten anfangen musste. In ihrem Heimatland hatte Toibis sieben Semester Mechatronik studiert: „Hier musste ich putzen gehen, ich fand keinen anderen Job.“ Das schaffte sie irgendwann gesundheitlich nicht mehr. Auch hatte es Toibis nie gefallen, sich auf diese Weise ihren Lebensunterhalt zu verdienen. 2007 kam sie zu „Brauchbar“: „Wo ich wirklich sehr glücklich bin.“

Nach Geschenken stöbern

Er möchte heute Abend nicht den obligatorischen Blumenstrauß zum Geburtstagsfest mitbringen, erzählt ihr soeben ein Kunde aus dem Landkreis Würzburg, der regelmäßig bei „Brauchbar“ stöbert. Aber was schenkt man einer Dame, die schon alles hat? Beim Rundgang entdeckte der Herr einen in Rot und Schwarz gehaltenen Wandteller mit floralen Motiven: „Den werde ich ihr geben, und wenn er ihr nicht gefällt, bringe ich ihn halt wieder zurück.“

Dieser Kunde unterstützt „Brauchbar“ nicht zuletzt deshalb, weil hier sinnvolle Jobs geschaffen werden für Menschen, die auf dem ersten Arbeitsmarkt keine Chance haben. Außerdem findet der Landkreisbürger es gut, dass man im Sozialkaufhaus Leute aller Couleur trifft: „Ich komme manchmal nur her, um zu sehen, wer sich hier alles tummelt, das finde ich entspannend.“ Aber auch die ausgelegten, mitunter höchst originellen Waren seien inspirierend: „Ich überlege mir, welche Geschichte hinter den Sachen steckt, wer sie besessen hatte, wer wohl entschieden hat, dass sie hierher kommen, und wer sie als nächstes besitzen wird.“

Jeder zum Stöbern eingeladen

Bei „Brauchbar“ ist niemand fehl am Platz, betont Thomas Johannes. Vom Obdachlosen bis zum Ordinarius sind alle eingeladen, zu stöbern. Neben einkommensschwachen Menschen gibt es auch Kundinnen und Kunden, die vor allem aufgrund ihrer ökologischen und sozialen Einstellung im Sozialkaufhaus shoppen. Sie sehen nicht ein, dass ständig Neues produziert werden muss, wo es doch so viele gebrauchte Sachen gibt, die noch bestens erhalten sind.
Diese Kunden wissen, dass sie die Umwelt schonen können, indem sie in einem Second-Hand-Geschäft einkaufen. Dass das Umweltbewusstsein in der Gesellschaft steigt, ist laut Thomas Johannes am wachsenden Interesse an Secondhand-Artikeln jeder Art zu erkennen.

Dieser Artikel beruht auf eine Pressemitteilung der BRAUCHBAR.

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