Brose Standort in Würzburg. Foto: Michelle Heilig
Brose Standort in Würzburg. Foto: Michelle Heilig

Brose baut Stellen ab – auch am Standort Würzburg

Der Wandel der Automobilindustrie, ein rückläufiger Markt insbesondere in China, globaler Preisdruck, aber auch interne Ursachen beeinträchtigen auch die Geschäftsentwicklung fränkischer Automobilzulieferer. Kürzlich wurde bekannt, dass Schaeffler Kurzarbeit anmelden und auch Stellen streichen wird. Auch die Brose Gruppe ist von dieser Marktentwicklung betroffen, das wurde in einer aktuellen Presseerklärung bekannt gegeben. Die einseitige Klimadebatte zulasten der Kfz-Industrie schaffe zusätzlich Unsicherheit. Steigende Personal- und Arbeitskosten gefährden die Wettbewerbsfähigkeit der in Deutschland produzierenden Unternehmen, heißt es.

Einsparungen von mehreren Hundert Millionen

Massive Ergebniseinbrüche habe auch die Brose Gruppe zu verkraften. Für mehr Wachstum und Wettbewerbsfähigkeit habe die Unternehmensgruppe nun das Erneuerungsprogramm Future Brose aufgesetzt, heißt es. Einsparungen von mehreren Hundert Millionen Euro sollen erreicht werden, um den finanziellen Spielraum für Investitionen in die Erneuerung und das Wachstum zu schaffen und so auch künftig attraktive Arbeitsplätze anbieten zu können. Allerdings bedeuten Einsparungen oftmals Stellenabbau. Laut Pressemitteilung ist hier auch der Brose Standort Würzburg betroffen, bei dem über 1.800 Personen beschäftigt sind und der größter industrieller Arbeitgeber Würzburgs ist.

Qualität verbessern

Kurt Sauernheimer, Vorsitzender der Geschäftsführung, sieht die Verantwortung für die Entwicklung auch im eigenen Haus: „Wir werden entschlossen handeln. Wir wollen die Qualität verbessern, zukunftsweisende Produktinnovationen entwickeln und Kosten im mittleren dreistelligen Millionenbereich senken, um unsere Wettbewerbsfähigkeit zu stärken. Denn nur so können wir Aufträge erhalten, Wachstum erzielen und unsere Mitarbeiter weiter beschäftigen.“

Software- und IT-Spezialisten gesucht

Zur Stärkung des Unternehmertums sollen laut Sauernheimer bürokratische Abläufe vereinfacht und hierarchische Ebenen abgebaut werden. Demgegenüber stehen die Qualifizierung und Umschulung von Mitarbeitern im Hinblick auf die Digitalisierung in Entwicklung, Verwaltung und Produktion. Dafür suche der Automobilzulieferer verstärkt Software- und IT-Spezialisten.

Um 2.000 Arbeitsplätze reduzieren

Der globale Wettbewerb zwinge Brose – wie Sauernheimer erklärt – auch zur Verlagerung von Arbeit in Niedriglohnländer. Brose plane bis Ende des Jahres 2022 die Anzahl der aktuellen Arbeitsplätze in Deutschland um rund 2.000 zu reduzieren, mehrheitlich in den Zentral- und Geschäftsbereichen. Im Wesentlichen seien die Standorte Bamberg, Hallstadt, Coburg und Würzburg betroffen. Brose werde die Fertigung von Schließsystemen von Wuppertal, wo derzeit rund 200 Mitarbeiter beschäftigt sind, verlagern. In den Werken Coburg, Würzburg, Hallstadt und Berlin sollen insgesamt circa 600 Arbeitsplätze entfallen.

Brose Standort in Würzburg. Foto: Michelle Heilig

Brose Standort in Würzburg. Foto: Michelle Heilig

Die Geschäftsführung sei entschlossen, in Zusammenarbeit mit den Mitarbeitervertretungen betriebsbedingte Kündigungen weitgehend zu vermeiden. Das Thema Ausbildung bleibe ein wichtiger Bestandteil der Personalarbeit des Familienunternehmens. Die Anzahl der Auszubildenden werde jedoch ab dem kommenden Jahr um zehn Prozent reduziert, heißt es weiter.

Größtes Erneuerungsprogramm der Firmengeschichte

Bereits anlässlich des 100-jährigen Standortjubiläums in Coburg appellierte der Vorsitzende der Gesellschafterversammlung, Michael Stoschek, an seine Mitarbeiter: „Wir wollen wieder an die Eigenschaften eines Familienunternehmens anknüpfen, die uns in der Vergangenheit ausgezeichnet haben und die der Grund unseres außerordentlichen Erfolgs gewesen sind. Dazu haben wir das größte Erneuerungsprogramm in der Unternehmensgeschichte angestoßen.“

Ulrich Schrickel, Geschäftsführer Tür, leitet das Programm Future Brose. „Die aktuelle Lage ist nicht einfach, wir blicken jedoch optimistisch in die Zukunft. Mit dem Programm stärken wir unsere Wettbewerbsfähigkeit nachhaltig und werden mit intelligenten, vernetzten Produkten neue Komforterlebnisse für unsere Kunden schaffen“, sagt Schrickel.

Über 100-jährige Erfahrung

Der Mechatronik-Spezialist baue auf seine mehr als 100-jährige Erfahrung und sehe im Wandel der Mobilitätsbranche mehr Chancen als Risiken. Die Brose Gruppe werde ihre Systemkompetenz mit Kooperationen im Bereich Software erweitern, um aus der Kombination von Komponenten, Sensoren und Software intelligente Produkte zu schaffen und so auch in Zukunft attraktiver Partner für seine Kunden zu sein, heißt es abschließend.

Das aus dem Jahr 1956 stammende Werk in der Nürnberger Straße in Würzburg wurde ursprünglich von der Siemens AG errichtet. Im Jahr 2005 wurde es dann an Continental verkauft, ab 2008 übernahm Brose die Produktion und führt das Werk bis heute.

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