Stau auf der B8 in Richtung Würzburg. Foto: Pascal Höfig
Stau auf der B8 in Richtung Würzburg. Foto: Pascal Höfig

Immer mehr Berufspendler in Würzburg

Die Zahl der Berufspendler in Würzburg hat einen neuen Höchststand erreicht. Im vergangenen Jahr kamen rund 57.000 Menschen zum Arbeiten regelmäßig von außerhalb in die Stadt – das sind 21 Prozent mehr als noch im Jahr 2000. Damals zählte Würzburg noch rund 47.000 sogenannte Einpendler, wie die IG Bauen-Agrar-Umwelt mitteilt. Die IG BAU beruft sich dabei auf eine aktuelle Auswertung des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR).

Zu wenig bezahlbarer Wohnraum

Gewerkschafter Michael Groha spricht von einem „alarmierenden Trend“. Eine Hauptursache für den Pendel-Boom sei der Mangel an bezahlbaren Wohnungen in den Groß- und Unistädten. „Eine wachsende Zahl von Menschen kann sich die hohen Mieten und Immobilienpreise in der Stadt nicht mehr leisten. Aber genau dort sind in den letzten Jahren besonders viele Jobs entstanden“, sagt der Bezirksvorsitzende der IG BAU Mainfranken.

Überfüllte Züge und Stau

Die Folge seien immer längere Staus und überfüllte Züge. Strecken von mehr als 50 Kilometern bis zum Arbeitsplatz seien für viele Pendler in Würzburg mittlerweile gang und gäbe, betont Groha. „Dabei geht nicht nur wertvolle Zeit für Familie, Freunde und Hobbys verloren. Auch die Umwelt leidet unter der Fahrerei.“ Nach Angaben des Umweltbundesamtes geht knapp ein Fünftel aller CO2-Emmissionen in Deutschland auf das Konto des Verkehrs.

Frust im Stau: Immer mehr Beschäftigte haben weite Wege zur Arbeit. Foto: IG BAU

Frust im Stau: Immer mehr Beschäftigte haben weite Wege zur Arbeit. Foto: IG BAU

Die IG BAU warnt vor einer Zunahme der Pendlerzahlen, sollte sich das Wohnen noch weiter vom Arbeiten entfernen. Nötig sei eine „drastische Wende“ in der Wohnungsbaupolitik. „Die öffentliche Hand muss viel mehr als bisher investieren, um bezahlbaren Wohnraum in den Metropolen und Ballungsräumen zu schaffen. Es fehlen vor allem Wohnungen im sozialen und im bezahlbaren Segment“, so Groha.

Verkehrsinfrastruktur entlasten

Massive Investitionen seien aber auch im Bereich der Verkehrsinfrastruktur unverzichtbar, um die Pendler zu entlasten. „Vor allem beim Schienen-, Straßen- und Radwegenetz ist der Nachholbedarf groß“, macht Groha deutlich. Einen entscheidenden Beitrag gegen den „Pendel-Frust“ könnten zudem die Firmen leisten – indem sie es ihren Beschäftigten leichter machen, in Gleitzeit oder im Home-Office zu arbeiten.

Aktueller Pendleratlas

Die Pendler-Problematik in Würzburg ist Teil eines bundesweiten Trends: Nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit pendelten im letzten Jahr 39 Prozent aller sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten in eine andere Stadt oder einen anderen Kreis zur Arbeit.

Dieser Artikel beruht auf eine Pressemitteilung der IG BAU Bezirksverband Mainfranken.

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