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Kleiderkette auf der alten Mainbrücke. Foto: Jessica Hänse
Kleiderkette auf der alten Mainbrücke. Foto: Jessica Hänse

Kleiderkette zum Semesterstart – was ist der Sinn dahinter?

Zum Semesterstart sieht man es immer öfter: Kleidung auf der Alten Mainbrücke, ordentlich der Länge nach hintereinander hingelegt. Daneben: Ein paar Studenten, denen definitiv ein paar Kleidungsstücke fehlen – was ja bei den derzeitigen Temperaturen nicht wirklich angenehm ist. Unverkennbar handelt es sich hier um eine Aufgabe einer „Ersti-Rallye“ die von den Fachschaften für die Studienanfänger organisiert werden. Doch warum eigentlich eine Kleiderkette?

Darum geht es

Bei der Kleiderkette geht es darum, aus verschiedenen Kleidungsstücken, die die Teilnehmer tragen, eine möglichst lange Kette zusammenzulegen oder zu knoten. Meistens hat man dafür ein Zeitlimit, eine bestimmte Personenanzahl braucht man nicht, je mehr, desto länger die Kette natürlich. Es gibt auch Varianten: zum Beispiel dürfen nur bestimmte Kleidungsstücke genommen werden oder die Zeit beim Wiederanziehen wird gemessen. Hierbei ist alles erlaubt – auch Hosen und T-Shirts dürfen ausgezogen und in die Kette integriert werden. In Würzburg sieht man das oft auf der Alten Mainbrücke, deren Länge die Kleiderkette erreichen soll.

Frische Angelegenheit

Das ist nicht immer angenehm: im Herbst sinken die Temperaturen schon mal bis auf 10 Grad – sich hier auszuziehen ist definitiv eine frische Angelegenheit. Noch dazu findet das Spektakel in der Öffentlichkeit statt: den Blicken anderer Passanten ist man gnadenlos ausgesetzt. Das bringt in Zeiten von Smartphones und Co. leider auch die Konsequenz mit sich, dass man dabei fotografiert oder gefilmt werden könnte. Die angetrunkenen Studienanfänger kümmert das aber meistens nicht: der Gruppenzwang besiegt das Schamgefühl – jedenfalls zunächst. Nach der Rallye kommt nämlich oft das Reuegefühl.

Wozu eine Kleiderkette?

Doch wenn man sich dabei so blamieren muss, warum dann das Ganze? Die Antwort scheint doch klar zu sein: damit sich andere, also Passanten und Studenten der höheren Semester, darüber lustig machen können. Andere Studenten haben die Challenge auch schon hinter sich und wissen, wie unangenehm es sein kann, sich unbekleidet in der Öffentlichkeit zu präsentieren. Dennoch kommt diese Tradition immer wieder neu auf. Ein anderer Grund ist, dass man sich besser kennenlernt: wenn man sich schon nackt gesehen hat, ist alles andere auch nicht mehr peinlich.

Nach der Challenge feiern gehen

Bei Jugendleiter-Schulungen hat dieses Gruppenspiel sogar einen ganz besonderen Sinn: man soll sich so in die wehrlose und verletzliche Situation von Kindern einfühlen. Doch das ist bei Studenten wohl eher nicht der Fall.

Haben Männer hier einen Vorteil?

Erst die Jacke, dann die Schuhe und wenn alle Schals und Cardigans ausgeschöpft sind, muss man sich wohl für ein Oberteil oder eine Hose entscheiden, die man ablegen möchte. Während es Männern ohnehin eher weniger ausmacht, oberkörperfrei hausieren zu gehen, sind BH-Blitzer bei Frauen normalerweise eher seltener zu sehen. Müssen weibliche Studienanfänger bei der Kleiderkette also mehr Mut beweisen? Fakt ist, dass sich wohl fast keine Frau einfach so in Unterwäsche präsentieren würde. Allerdings wird man auch zu nichts gezwungen – die Entscheidung, sich für eine fragwürdige Ersti-Tradition zu entblößen, liegt ganz bei einem selbst.

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