Fahrradweg in Würzburg. Symbolfoto: Pascal Höfig
Fahrradweg in Würzburg. Symbolfoto: Pascal Höfig

ADFC: Mehr Verständnis für andere Verkehrsteilnehmer gewünscht

Der Würzburger Stadtrat hat am 26. September mit der Übernahme der Forderungen aus dem Radentscheid laut ADFC einen wegweisenden Beschluss gefasst, nach dem die Stadt bis 2025 fahrradfreundlich werden soll. Der ADFC Kreisverband Würzburg begrüßt dies ausdrücklich in einer Pressemitteilung. Klagen von Fußgängern über mangelnde Disziplin und Regelverstöße mancher Radfahrer sind aber nach wie vor vorhanden, genauso die Ängste von Radfahrern vor dem Autoverkehr. Der ADFC wünscht sich daher insgesamt mehr Verständnis für die Belange der verschiedenen Verkehrsteilnehmer und vor allem mehr Rücksichtnahme gegenüber dem jeweils Schwächeren, heißt es.

Zu Fehlverhalten gezwungen

„Auch wenn der Stadtrat umfassend die Forderungen des geplanten Radentscheides als Grundsatzbeschluss übernommen hat, ist Würzburg noch lange nicht fahrradfreundlich“, sagt Hans-Jürgen Beck aus der Verkehrsgruppe des ADFC Würzburg. „Aufgrund der aktuell noch schlechten Radwegsituation mit unklarer und auch gefährlicher Wegführung, werden Radfahrer oft verleitet, sich eigene Wege zu suchen. Sie sind dann, wenn sie nicht absteigen wollen, gegebenenfalls sogar zu Fehlverhalten gezwungen, zum Beispiel, wenn vielerorts Radwege einfach aufhören. Das sollte man immer berücksichtigen, bevor man auf Radfahrer schimpft.“

An Fußverkehr anpassen

Allerdings sei es nicht akzeptabel, wenn Fußgänger durch Radfahrer belästigt, behindert oder gar gefährdet werden. Dies gelte insbesondere für das Befahren von freigegebenen Gehwegen oder der Fußgängerzone. „Die Freigabe der gesamten Würzburger Fußgängerzone für den Radverkehr ist ein nicht selbstverständlicher Glücksfall für Radfahrer und den Einzelhandel. Diesen sollte man nicht durch unangepasste Fahrweise gefährden“, meint Christoph Spenkuch, Vorstandsmitglied im Würzburger ADFC.

Verkehrsschild "Radfahrer absteigen". Foto: Pascal Höfig

Verkehrsschild „Radfahrer absteigen“. Foto: Pascal Höfig

Es gelte, hier defensiv und mit an den Fußverkehr angepasster Geschwindigkeit zu fahren. „Das Befahren von Gehwegen ist nur beim Zusatzschild ‚Radfahrer frei‘ erlaubt“, so Spenkuch. Aber auch hier muss man sich an die Geschwindigkeit der Fußgänger anpassen. „Wer zügig vorankommen will, sollte die Straße nutzen.“Erschreckend sei bei vielen Verkehrsteilnehmern, egal ob Autofahrer, Radfahrer oder Fußgänger, die mangelhafte Kenntnis von Verkehrsregeln.

Autoverkehr besonders gefährlich

ADFC-Vorstandsmitglied Thilo Wagenhöfer erinnert an den Grundsatz im § 1 der Straßenverkehrsordnung, der gegenseitige Rücksicht und ein Verhalten verlangt, bei dem kein anderer geschädigt oder gefährdet wird. „Das sollte doch allen Verkehrsteilnehmern bewusst sein, ist es aber anscheinend oft nicht“, beklagt er sich. „Das sollten alle, insbesondere aber Autofahrer beachten“, ergänzt Maria Geyer, aktiv in der ADFC-Verkehrsgruppe. „Denn vom Autoverkehr geht ein viel höheres Gefährdungspotenzial aus als vom Radverkehr! Verkehrstote verursacht fast nur der Autoverkehr.

Radfahren auf Straße normal

“Viele Autofahrer und auch Radfahrer wissen nach wie vor nicht, dass Radwege nur dann benutzt werden müssen, wenn dies durch ein blaues Schild mit weißem Fahrradsymbol angeordnet ist. Besondere Vorsicht gegenüber Fußgängern gilt bei gemeinsamen Geh- und Radwegen. Fehlt die Beschilderung, kann auch auf der Straße gefahren werden. Die meisten Radwege in Würzburg sind aufgrund ihres unzureichenden Zustands nicht als benutzungspflichtig beschildert. Radfahren auf der Straße sollte daher von den Autofahrern als normal angesehen werden und nicht als Ausnahme!

Verkehrszeichen für Radweg (oben), getrennter Geh- und Radweg (links) und gemeinsamer Geh- und Radweg (rechts). Grafik: ADFC Würzburg.

Autofahrer müssen insbesondere auf den Sicherheitsabstand von mindestens 1,50 m beim Überholen von Radfahrern achten. Da Radfahrer zum rechten Fahrbahnrand und zu parkenden Autos genügend Abstand halten sollten, ist in den Würzburger Straßen ein Überholen von Fahrrädern oft nicht möglich. Hans-Jürgen Beck: „Die Geduld, in der Stadt hinter einem Fahrrad her zu fahren, sollten Autofahrer schon aufbringen – und dies bitte auch mit passendem Abstand, damit sich Radfahrer durch zu dicht auffahrende Autos nicht bedrängt fühlen.“

Durch Regeln ein gutes Miteinander

Schutz- oder Angebotsstreifen, also Radstreifen mit unterbrochener weißer Leitlinie, dürfen vom Autoverkehr nur in Ausnahmefällen überfahren werden, z.B. wenn sie kurzfristig ausweichen müssen. Radfahrer dürfen dabei nicht gefährdet werden! Parken ist hier grundsätzlich verboten. Radfahrstreifen, erkennbar durch eine durchgezogene weiße Linie, sind für Autofahrer hingegen durchweg tabu. Weder das Ausweichen, noch das Parken oder Halten ist dort erlaubt.

Unterschied Schutz- und Radfahrstreifen

„Halten sich alle an die Regeln und bringen auch etwas Verständnis für die anderen Verkehrsteilnehmer auf, ist ein gutes Miteinander möglich“, sagt Beck und ergänzt abschließend: „Manchmal hilft auch schon ein freundliches Lächeln, ein Dankeschön oder eine entschuldigende Handbewegung, um Konflikte gar nicht entstehen zu lassen.“

Dieser Artikel beruht auf eine Pressemitteilung des ADFC Würzburg. 

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