Fahrrad fahren. Symbolfoto: Pascal Höfig
Fahrrad fahren. Symbolfoto: Pascal Höfig

„Verkehrswende jetzt“: Stadtrat stimmt Forderungen zu

Seit dem 14. September werden Unterschriften für das Bürgerbegehren Radentscheid gesammelt. Damit erreichte die „Verkehrswende jetzt“ einen Rekord an Unterschriften – ein Drittel der insgesamt Benötigten in nur zehn Tagen. Diese sind nun  überflüssig, denn der Stadtrat stimmte bei der Sitzung am Donnerstag mit einer Mehrheit für die Forderungen des Bündnisses, so die Pressemitteilung des Bündnisses.

Sicherer Radverkehr

„Die Weichen sind gestellt, von jetzt an muss der Radentscheid als Grundsatzbeschluss für jede straßenbauliche Maßnahme verbindlich gelten“, so Marie Büchner, Sprecherin des Radentscheids laut einer Presseinformation. „Unser Maßstab sind geschützte Radstreifen, auf denen auch ein zehnjähriges Kind sicher fahren kann. Um das zu erreichen, müssen die Straßen in Würzburg innerhalb der nächsten sechs Jahren umgebaut werden“, heißt es weiter.

Aktuell erarbeitet das Bündnis einen Forderungskatalog mit Maßnahmen zur zügigen Umsetzung und wird diesen in Kürze veröffentlichen, so das Bündnis. „Wir wissen, dass 2025 ein ambitioniertes Ziel ist. Für eine Umsetzung des Radentscheids müssen deshalb schon jetzt die finanziellen und personellen Kapazitäten eingeplant werden“, meint Bas Bergervoet, Sprecher des Radentscheids in einer Mitteilung.

Kein Umbau auf zweispurige Straßen

Auch Oberbürgermeister Christian Schuchardt freut sich über die Entscheidung des Stadtrates und die damit verbundene Beschleunigung der Verkehrswende, wie die Stadt mitteilt. „Ausdrücklich ist damit nicht die ‚harakiri‘-mäßige Umwandlung aller vierspurigen Straßen in zweispurige Straßen verbunden“, so Schuchardt. Dieses Gerücht macht in Würzburg die Runde und sorgt vor allem bei den Autofahrern für große Aufregung, jedoch findet dieser Punkt im Beschluss keine Berücksichtigung, so Schuchardt weiter: „Bei jeder Maßnahme muss nämlich im Einzelfall betrachtet werden, wie der Grundsatzbeschluss umgesetzt werden kann und das Radverkehrskonzept auf dieser neuen Grundlage fortgeschrieben werden soll. Die Verwaltung hat den Auftrag, dies alles bis 2025 umzusetzen oder zu beplanen.“

Radfahren hat hohe Priorität

„Korrekt ist, dass den Radfahrern und ihren Bedürfnissen eine hohe Priorität eingeräumt werden wird und der eingeschlagene Weg, Würzburg fahrradfreundlicher zu machen, konsequent weitergegangen wird.“, so der Oberbürgermeister. Das soll aber nicht von heute auf morgen geschehen, sondern durch sorgfältige Überlegungen auf Machbarkeit, Sicherheit und Finanzierbarkeit geprüft werden, heißt es weiter. „Es ist keine Entweder-Oder-Entscheidung, sondern ein Grundsatzbeschluss, der Maßstäbe für Lösungen im Einzelfall setzt. Es ist weder eine ‚Kriegserklärung an Autofahrer‘ wie Jürgen Weber sagt, noch ‚die uneingeschränkte Vorfahrt für Radfahrer‘ wie es Patrick Friedl sinngemäß ausgedrückt hat“, erklärt Schuchardt.

Besserer Verkehrsmix

Hierbei soll als übergeordnetes Ziel vor allem die Luftreinhaltung gelten, wie er in einer Pressemitteilung erklärt. „Kein Radfahrer hätte etwas von einem Dauerstau in der Innenstadt, was ja auch zu einer drastischen Verschlechterung der Luftwerte führen würde.“ Hierbei soll aber auch Rücksicht auf Pendler, die aufs Auto angewiesen sind, genommen werden, so soll nicht eine komplette Verbannung des Autos erfolgen, sondern ein „besserer Verkehrsmix“ erreicht werden.

Geplant sei außerdem ein Ausbau des ÖPNV mit engerer Taktung, Ausweitung der Großwabe, elektrischen Minibussen und günstigeren Tarifen, heißt es in der Mitteilung. Der öffentliche Nahverkehr soll so attraktiver sein, als das Autofahren. „Ich stehe für eine gute Luftqualität und eine nachhaltige Mobilität für alle! Es gilt vor allem zu verinnerlichen: Die Verkehrswende geht uns alle an und ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe“, so Schuchardt abschließend.

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