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Die ehemalige Unterführung am Barbarossaplatz 1969. Foto: Willi Dürrnagel
Die ehemalige Unterführung am Barbarossaplatz 1969. Foto: Willi Dürrnagel

Ehemalige Unterführung am Barbarossaplatz: Eure Erinnerungen

Vor einiger Zeit hatten wir auf unseren Facebook-Seiten „Würzburg erleben“ und „Würzburg Vintage“ ein historisches Foto vom Bau der Unterführung am Barbarossaplatz gepostet. Einige von euch kennen diese noch aus der Vergangenheit und haben ihre Erinnerungen mit uns geteilt. So war der Fußgängertunnel von 1966 bis 1998 eine sichere Möglichkeit, die Straße am Woolworth (Würzburgerisch „Wollwert“) zu überqueren. Doch was hat es damit auf sich und wie sind eure Erfahrungen mit der ehemaligen Unterführung am Barbarossaplatz?

Bau des Fußgängertunnels 1965. Foto: Willi Dürrnagel

Bau des Fußgängertunnels 1965. Foto: Willi Dürrnagel

Eine Unterführung für mehr Sicherheit

Warum überhaupt eine Unterführung? Vor dem Bau 1965-66 musste die Straße über einen Zebrastreifen überquert werden, was nicht nur den regen Verkehr aufhielt, sondern auch eine erhöhte Gefahr für Fußgänger darstellte. Denn damals gab es hier, anders als heute, noch keine Fußgängerzone. Eine erhöhte Sicherheitsgefährdung herrschte nicht nur wegen der Autos, sondern auch wegen der Straba, denn die Gleise mussten ebenfalls überquert werden. „War sicherer, als oben über die Straße zu gehen“, meint auch Elke dazu.

Anfang der 60er führte noch ein Zebrastreifen über die Straße. Foto: Willi Dürrnagel

Anfang der 60er führte noch ein Zebrastreifen über die Straße. Foto: Willi Dürrnagel

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Tunnel mit kleinen Läden

Doch es wurde nicht einfach nur eine Unterführung gebaut: im Tunnel wurden kleine Läden wie eine Boutique und ein Kiosk integriert, die die Unterführung belebten. Auch einen kleinen Blumenladen gab es, daran kann sich Michael noch erinnern. Ein Highlight war auch der münzbetriebene Fotoautomat, an den Manfred noch gerne denkt: „Kann mich auch noch sehr gut daran erinnern, unten stand ein Fotoautomat, da haben wir uns immer mit der Klasse/Freunden hinein gequetscht um Gruppenfotos zu machen“.

Außerdem waren verschiedene Werbeschaukästen angebracht und auch Künstler fanden hier Platz. „Ich durfte damals neben der Mona Lisa einen Schmetterling malen. Bekam sogar eine Mark dafür von einer älteren Dame. Das vergesse ich niemals.“, kommentiert Denice stolz.

Gerne durchgegangen

Auch Helga kennt die Unterführung noch:“Bin dort jeden Tag durchgelaufen auf meinem Weg von der Bushaltestelle zur Schule. Schöne Erinnerungen“. Auch Joachim schaut gerne zurück:“ Bin immer gerne durchgegangen“, meint er. „Die Unterführung war doch früher klasse, da hab ich nach der Schule die Patches von AC/DC gekauft und Tücher und allen möglichen Krimskrams“, sagt Paul. Von Kindern wurde die Unterführung offenbar sehr gerne besucht!

Werbeschaukästen in der Unterführung. Foto: Willi Dürrnagel

Werbeschaukästen in der Unterführung. Foto: Willi Dürrnagel

Ende der Unterführung

Mit der Erweiterung der Fußgängerzone war die Unterführung allerdings überflüssig und wurde deshalb ab 1998/99 geschlossen und darüber wieder ein Zebrastreifen aufgemalt. Erika hätte ja eine Idee für die weitere Nutzung: „Man könnte aber wunderbar einen Fahrradkeller draus machen“. Damit liegt sie gar nicht so falsch, denn zwischenzeitlich plante man eine Fahrrad-Service-Station mit Gepäckaufbewahrung und Sanitäranlagen in die ungenutzte Unterführung zu integrieren, jedoch scheiterte diese Idee aufgrund zu hoher Kosten. Über das Ende der Unterführung ist aber nicht jeder traurig: „Gut, dass das Ding nicht mehr gebraucht wird, weil da jetzt kaum noch Autos fahren“, meint Michael dazu.

Unangenehme Erinnerungen

Doch nicht alle haben positive Erinnerungen. Susanne erinnert sich: „Mir war immer gruselig, da durch zu gehen“, und auch Anna-Maria bringt die Unterführung mit unschönen Zeiten in Verbindung und erinnert sich an die zahlreichen Obdachlosen, die dort Zuflucht suchten. Darüber hinaus wurde die Unterführung als Toilette zweckentfremdet und vermüllt, weshalb sie oft auch mit Gestank assoziiert wird.

Wird der Tunnel endgültig verfüllt?

Die Unterführung selbst existiert heute noch, so wurden nur die Eingänge verfüllt. Über eine Wartungsöffnung im Habaneros ist der Tunnel noch zu erreichen. Doch nicht jeder findet ihn überflüssig, Julian z.B. wäre dafür, ihn wieder zum Leben zu erwecken. „Es gäbe weniger Verletzte, weil Autofahrer und Strabafahrer nicht mehr auf Smombies achten müssten, oder generell unachtsame Fußgänger. Davon gibt es ja zu Genüge“, fügt er hinzu.

Mit Bau der Straba-Linie 6 stehen allerdings Änderungen an: die Überdeckung des Hohlraums würde einer Straßenbahntrasse nicht standhalten, weshalb geplant ist, die Decke abzunehmen und den Tunnel komplett zu verfüllen. Damit wäre mehr Sicherheit gewährleistet und der Hohlraum der ehemaligen Unterführung würde endgültig verschwinden.

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