Der Würzburger Ratstisch von Riemenschneider hat einen neuen Platz erhalten. Foto: Willi Dürrnagel
Der Würzburger Ratstisch von Riemenschneider hat einen neuen Platz erhalten. Foto: Willi Dürrnagel

Neuer Platz für den Riemenschneider Ratstisch

Im Rathaus tut sich was – jedenfalls in der Gestaltung. Der Riemenschneider Tisch hat einen neuen Standort und auch der Wappensaal wurde neu möbliert. Tilman Riemenschneider ist ein bedeutender Bildschnitzer und Bildhauer des 16. Jahrhunderts in Würzburg, war hier aber auch als Ratsherr tätig. Der von ihm gestaltete Ratstisch stand ehemals frei im Foyer und hat nun einen Nischenplatz bekommen.

Tisch von Riemenschneider

Bereits 1506 erhielt Tilman Riemenschneider, der zu diesem Zeitpunkt selbst im Stadtrat saß, den Auftrag einen Tisch zu gestalten. Die Platte aus Solnhofener Kalkstein wurde vom Eichstätter Bischof Gabriel von Eyb gestiftet, das Gestell dazu hat Riemenschneider selbst entworfen, so heißt es auf der Seite des Museum für Franken. Nach Gründung der städtischen Kunstsammlungen 1849 wurde der Tisch dorthin überwiesen und kam 1913 in das Museum in der Maxstraße, wo er seit 1931 im Vorsaal der neuen Riemenschneiderhalle stand.

Rekonstruierte Platte mit Original

Im Krieg wurde die Platte im massiven Treppenhaus des Museum aufbewahrt, jedoch wurde sie in Folge des Stadtbrandes beim Einsturz zerquetscht. Das Gestell wurde zu diesem Zeitpunkt separat in einem Nebengebäude eines Landschlosses aufbewahrt und wurde deshalb nicht zerstört. Mittlerweile wurde die alte Platte rekonstruiert, wobei man das Mittelstück mit dem originalen Wappen eingebaut hat. Die Bruchstücke sind nämlich teilweise erhalten, jedoch hatte man sich dagegen entschieden den Tisch komplett wiederherzustellen, da die vielen verlorenen Bruchstücke ersetzt werden müssten.

Behalten wollte man allerdings auf jeden Fall das wertvolle Mittelstück, das man in die neue Steinplatte, nach den Maßen der alten Platte bearbeitet, eingemeißelt hatte. Die drei Wappen sind, mit dem Kopf gegeneinander gestellt und von Maßwerk umrankt, von einem kreisrunden Wulst umschlossen, mitten auf die Platte gesetzt.

Spätgotisches Prunkmöbel

Der Würzburger Tisch von Riemenschneider hat seinen Nischenplatz im Wenzelsaal. Foto: Willi Dürrnagel

Der Würzburger Tisch von Riemenschneider hat seinen Nischenplatz im Wenzelsaal. Foto: Willi Dürrnagel

Nach dem Aufbau des alten Rathauses wollte man den Tisch als repräsentatives Möbelstück aufstellen und damit auch eine Beziehung zur Geschichte der Stadt schaffen. Gleichzeitig entstand als Raumakzent auch eine wohnlichere Atmosphäre, wie es Dr. Max von Freeden beschrieb. Nun steht der Tisch in einer Nische im Wenzelsaal, wo er doch vorher frei im 1. Stock im Foyer des Rathauses untergebracht worden war. Fraglich ist hier, ob dieser neue Standort der historischen Bedeutung des Tisches genug gewürdigt ist.

Wappensaal verändert

Der Wappensaal heute und früher. Fotos: Willi Dürrnagel

Vor einiger Zeit war auch der Wappensaal umgestaltet worden, wie auf den Bildern zusehen ist. Die Fenster und Kronleuchter erinnern noch an den historischen Wappensaal, mit modernen Tischen und Stühlen ist der Raum an die heutige Zeit angepasst und mit Flaggen dekoriert worden. Ursprünglich war der Saal noch prunkvoller und deutlich aufwendiger gestaltet worden, und auch die Sitzordnung hat sich leicht verändert. Welche Version des Wappensaals nun besser ist, ist wohl eher Geschmackssache.

Der Wappensaal im prunkvollen Glanz. Foto: Willi Dürrnagel

Der Wappensaal im prunkvollen Glanz. Foto: Willi Dürrnagel

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