"Jetzt wirds ernst": #FridaysForFuture stellt Forderungen an die Stadt Würzburg. Foto: Jessica Hänse
"Jetzt wirds ernst": #FridaysForFuture stellt Forderungen an die Stadt Würzburg. Foto: Jessica Hänse

#FridaysForFuture-Bewegung stellt Forderungen an die Stadt

Oft werden sie belächelt und als Schulschwänzer bezeichnet, doch „Jetzt wird’s ernst“: unter diesem Motto fand die letzten fünf Tage eine Mahnwache im Rahmen von #FridaysForFuture in Würzburg statt. Ihren Höhepunkt bildete die Pressekonferenz, bei der die Umweltbewegung ihre Forderungen an die Stadt Würzburg vorstellten und diese im Anschluss dem Oberbürgermeister zukommen ließen. Denn nach Meinung der #FridaysForFuture-Aktivisten reagiere die Politik auf die alarmierenden Signale der Klimakrise nicht genug.

Forderungspapier von #FridaysForFuture

Forderungen für Umweltschutz

Um die Proteste auch inhaltlich zu untermauern, stellten die Mitglieder in einem Arbeitskreis einen ausführlichen Forderungskatalog mit Visionen und Vorschläge für Maßnahmen zusammen, die sie gerne umgesetzt haben wollen. Dabei werden die Bereiche öffentliche Verwaltung, Mobilität, Gebäude, Bildung und gesellschaftliches Engagement sowie Konsum berücksichtig. Im Anhang werden außerdem noch Vorschläge für den Mobilitätsbereich ausgeführt.

Dieser Katalog wurde schließlich nach einer Pressekonferenz am Vierröhrenbrunnen in den Briefkasten am Rathaus eingeworfen, denn Oberbürgermeister Christian Schuchardt war bei der Pressekonferenz nicht anwesend. Laut Berichten des BR zeige sich der OB aber erfreut über das politische und gesellschaftliche Engagement der jungen Menschen. Er wünsche sich dennoch statt eines reinen Forderungskatalogs eher einen Dialog um gemeinsam Lösungen für die Stadt zu erarbeiten.

Direkt im Anschluss an die Pressekonferenz wurde der Forderungskatalog bei der Stadt eingeworfen. Foto: Jessica Hänse

Direkt im Anschluss an die Pressekonferenz wurde der Forderungskatalog bei der Stadt eingeworfen. Foto: Jessica Hänse

Klimanotstand soll ausgerufen werden

Zu den allgemeinen Forderungen zählen nicht nur die Ausrufung des Klimanotstandes in Würzburg, sondern auch der Ausbau des Klimaschutzmanagements und die Erarbeitung eines Klimaschutzplans bis Ende 2019. Ziel sei eine CO2-Neutralität bis zum Jahr 2030. Auch mit Partnerstädten soll ein Wissensaustausch stattfinden und gemeinsame Klimaprojekte entwickelt werden. Zudem soll Würzburg bis 2030 seine Energie zu 100% aus erneuerbaren Energiequellen beziehen. Wichtig ist dabei, dass die Forderungen nicht auf Kosten von sozial und gesundheitlich benachteiligten Menschen verwirklicht werden sollen.

Radfahren attraktiver machen

Aufmerksam machen sie auch auf die Missstände der Radwege. Als Beispiel wird die Rottendorfer Straße genannt: „Da wird man auch keinen Radstreifen rein zeichnen können, da ist es schon zu eng“, heißt es bei der Pressekonferenz. „Jeder, der Radfahren will und kann, soll sich auch trauen können“, so die Aussage von FridaysForFuture, denn Fahrradfahren ist auch „die schnellste, flexibelste und günstigste technische Fortbewegungsart“. Radwege sollen sicherer und bequemer werden, so müssen Radfahrer in Würzburg häufig die Spur wechseln, da die Wege plötzlich aufhören oder anders weiterführen. Es wird unter anderem gefordert, dass bis 2022 Fahrradstraßen in alle Stadtteile führen.

Auch soll der ÖPNV attraktiver werden, zum Beispiel könne man in Würzburg nicht per App bezahlen und auch der Austausch von Streckentickets durch Zeittickets sind Vorschläge der FridaysForFuture-Gruppe.

Gebäude und Bildung miteinbeziehen

Auch die Gebäude sollen klimafreundlicher werden: eine Begrünungspflicht verringert Strahlung, erzeugt Schatten und fördert die Biodiversität, so die FFF-Aktivisten. Dies könne beispielsweise durch Blumenkästen und begrünte Fassaden erreicht werden. In der Schule soll zukünftig fächerübergreifend Klimakrise und Klimaschutz behandelt werden. Das reiche aber laut FridaysForFuture nicht, das Gelernte soll auch in die Praxis umgesetzt werden. Mensen mit bezahlbarem regionalen Essen und klimaneutrale Wege würden genauso dazu beitragen, wie die konsequente Mülltrennung in den Klassenzimmern. Entsprechend mehr Einfluss hat die Stadt auf die KiTas, die ebenfalls berücksichtigt werden sollen.

Bei einer Pressekonferenz präsentiert #FridaysForFuture ihren Forderungskatalog. Foto: Jessica Hänse

Bei einer Pressekonferenz präsentiert #FridaysForFuture ihren Forderungskatalog. Foto: Jessica Hänse

Ansätze mit verschiedenen Projekten

„Die Stadt Würzburg ist […] relativ spät in die Klimaschutzpolitik eingestiegen“, heißt es in der Präambel des Forderungskatalogs. Seitdem gäbe es aber bereits Projekte und Initiativen und auch der Einsatzwille der Stadt zum Klimaschutz ist gestiegen. Verschiedene Visionen wie die des Green City Plans und des integrierten kommunalen Klimaschutzkonzeptes bieten genauso wie die Initiative „Stadtgrün Würzburg“ gute Ansätze, jedoch werden die fehlende Verpflichtung und Zwischenziele bemängelt, so FridaysForFuture. „So wie die Teilnehmer*innen unserer Bewegung im Privaten, muss auch die Stadt ihre Klima-Hausaufgaben machen, um ein Umdenken in der Gesellschaft einzuleiten“, heißt es weiter.

Regelmäßig werden in letzter Zeit Themen zum Klimaschutz von der Stadt in Erwägung gezogen und diskutiert. Beispielsweise ist ein Punkt in der heutigen Stadtratssitzung die Anerkennung des Klimanotstands in Würzburg und die Erhöhung des Tempos zur klimaneutralen Stadt. Dieser interfraktionelle Antrag kommt von den Stadtratsmitgliedern S. Roth, Baumann, Dürr und Koerber-Becker, auch im Namen der Grünen und SPD-Stadtratsfraktion.

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