Die Helfer der Kindertafel bei der Arbeit. Foto: Ute Kremen
Die Helfer der Kindertafel bei der Arbeit. Foto: Ute Kremen

Die Kindertafel: Würzburgs ganz besonderes Pausenbrot-Catering

Wer an das Beste seiner Schulzeit denkt, dem fällt neben den Klassenfahrten und den Ferien, wahrscheinlich auch sofort das Pausenbrot von Mama ein. Das war und ist wohl immer noch das Großartigste an einem langweiligen Schultag zwischen Mathe, Deutsch und Co. Leider kommt nicht jedes Kind in den Genuss einer selbst gemachten Stulle und hat so neben Hunger oft mit erheblichen Konzentrationsproblemen zu kämpfen.

Pausenbrote für die Kinder

Das möchte die Würzburger Kindertafel ändern. Die Kindertafel beliefert Schulen in unserer Stadt mit gesunden Pausenbroten, um genau diesen Problemen entgegenzuwirken. Seit Februar 2012 schmieren Freiwillige der Kindertafel fleißig Stullen, um Kinder lächeln zu sehen. Wir durften mit der Vorstandsvorsitzenden Ute Kremen ein wenig über die Tafel für Kinder sprechen und über ihren Antrieb, täglich den Hunger der Kinder zu stillen.

Zahlreiche Schulen werden durch die Kindertafel versorgt. Foto: Ute Kremen

Zahlreiche Schulen werden durch die Kindertafel versorgt. Foto: Ute Kremen

Würzburg erleben (WE): Was ist die Kindertafel überhaupt? 

Ute Kremen (UK): Die Kindertafel beliefert Würzburgs Grund- Mittel und Förderschulen mit gesunden Pausenbroten für bedürftige Kinder. Der Bedarf wird von den Lehrern ermittelt, die uns mitteilen, wie viele Kinder täglich ohne gesundes Pausenbrot in die Schule kommen. Die Kinder haben Hunger und können sich deshalb nicht gut konzentrieren und lernen. Deshalb erhalten sie von uns ein dunkles Brot mit gesundem Brotaufstrich, ein Obst und ein Getränk. Durch die gesunde Ernährung können die Kinder wieder besser lernen und sind durch weniger Zucker auch weniger aggressiv. Wir beliefern derzeit 22 Anfahrtsstellen, darunter zwei Kindergärten mit durchschnittlich 360 Pausenbroten.

WE: Wie sind Sie auf die Idee gekommen, eine Kindertafel aufzubauen?

UK: 2010 war ich Sponsor der Schweinfurter Kindertafel. Mein Sohn war damals vier Jahre alt und bereits im Kindergarten konnte man sehen, dass einige Kinder ohne Frühstück, Obst, einfach hungrig in die Kita kamen. Ich fand die Schweinfurter Kindertafel so toll, dass ich gesagt habe, ich wäre gerne bereit, auch in Würzburg bei einer solchen Einrichtung zu helfen. Diese Aussage nahm der Vorstand aus Schweinfurt zum Anlass, den Aufbau der Kindertafel in Würzburg mit Erfolg voranzutreiben.

Die Kindertafel macht Kinderherzen glücklicher. Foto: Ute Kremen

Die Kindertafel macht Kinderherzen glücklicher. Foto: Ute Kremen

WE: Warum ist eine Kindertafel überhaupt nötig?

UK: Leider gibt es mannigfaltige Schicksale, die es Eltern nicht immer leicht machen, die Kinder ordentlich zu versorgen. Wir, die Kindertafel, fragen nicht, ob der Grund der ungenügenden Versorgung der Kinder an ungenügenden finanziellen Mitteln, Krankheit oder auch an fehlender Zeit liegt. Oft bekommen Kinder nur Geld mit in die Schule, um sich etwas zu kaufen. Ob ein Kind sich dann gesunde Lebensmittel für die Pause kauft, wage ich zu bezweifeln. Die Kinder stehen bei uns im Fokus und egal aus welchem Grund ein Kind kein gesundes Pausenbrot hat, die Lehrer dürfen diesen Bedarf bei uns melden und wir liefern als „Pausenbrot-Catering“ das Essen.

WE: Wie kann man Ihnen und Ihrem Team bei der Arbeit helfen?

UK: Schultäglich benötigen wir fünf Personen, die die Pausenbrote frisch zubereiten. Start ist um 6.45 Uhr bis ca. 8.00 Uhr. Ab ca. 7.30 Uhr müssen die Brote dann ausgefahren werden. Die Fahrer sind gegen 10.00 Uhr allerspätestens zurück. Dafür suchen wir ab September händeringend Helfer. Besonders Fahrer werden dringend benötigt. Jeder übernimmt, wenn es die Anzahl der Helfer zulässt, einen Tag. Es wäre vielleicht auch eine Idee für ein Unternehmen, das Ausfahren zu übernehmen.

Wir hatten bislang eine hervorragende Kooperation mit Gebrüder Götz. Die Auszubildenden von Gebrüder Götz haben einen Tag – vom Schmieren bis zur Auslieferung – im Rahmen von sozialem Engagement übernommen. Außerdem finanzieren wir uns ausschließlich durch Spenden und bei schultäglich durchschnittlich 360 Pausenbroten benötigen wir im Jahr etwa 80.000 Euro. Alle Helfer sind ehrenamtlich tätig und erhalten keine Vergütung.

Die Brote werden, nach dem Belegen, an die Schulen gebracht. Foto: Ute Kremen

Die Brote werden nach dem Belegen in die Schulen gebracht. Foto: Ute Kremen

WE: Was ist das Schönste an Ihrer Arbeit?

UK: Die dankbaren Anrufe der Schulen, die Dankesbriefe und Bilder der Kinder, und die Rückmeldungen, dass die Brote alle gerne gegessen werden. Wir haben auch schon Meldungen erhalten, dass sich die Kinder, die sich durch ein gesundes Pausenbrot besser konzentrieren können, teilweise um eine halbe Schulnote verbessert haben.

WE: Was sind die Ziele für die Zukunft?

UK: Unser liebstes Ziel wäre es, dass man uns gar nicht benötigt und alle Kinder von Haus aus genügend zu Essen haben. Nachdem dies wohl eher unwahrscheinlich ist, ist das Ziel, die Kinder, die es in Würzburg nötig haben, versorgen zu können. Dazu wird viel Manpower und finanzielle Unterstützung benötigt.

Wie kann ich helfen?

Wer die Kindertafel unterstützen möchte, kann einfach mal auf der Website vorbei schauen. Hier finden sich alle wichtigen Infos, ganz egal ob man spenden oder ehrenamtlich tätig werden möchte. Außerdem findet am 14. Juli ein Benefizkonzert in der Marina Hafenbar in Würzburg zu Gunsten der Kindertafel statt. Acts wie Steffi List und Andreas Kümmert sorgen für die musikalische Untermalung, während man ganz nebenbei etwas Gutes tun kann. Hier findet ihr alle Infos zur Veranstaltung. 

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