Die Residenz in Würzburg. Foto: Pascal Höfig
Die Residenz in Würzburg. Foto: Pascal Höfig

Spektakuläres Gemälde für Würzburg erworben

Mit dem Kauf eines bedeutenden Porträts der italienischen Renaissance ist dem Martin von Wagner Museum der Universität Würzburg eine kapitale Neuerwerbung gelungen: Das teuerste Bild, das jemals für die Gemäldegalerie erworben wurde, zeigt den Renaissancearchitekten Sebastiano Serlio.

Bild von Bartolomeo Passerotti

Gemalt wurde es von Bartolomeo Passerotti aus Bologna, einem herausragenden Porträtisten aus der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts. Die beiden Künstler kannten sich nicht, denn Serlio war schon seit rund 20 Jahren verstorben, als das Bildnis um 1570 entstand. Passerotti muss sich also einer Vorlage bedient haben. Dass diese sich bereits im Würzburger Universitätsmuseum befindet, ist ein weiterer Clou rund um den spektakulären Neuzugang.

Hintergrund der Neuerwerbung

Wie so oft hat der Zufall Regie geführt: Am Rande eines Kolloquiums zur italienischen Kunst, das vor einem Jahr in der Gemäldegalerie stattfand, erfuhr Damian Dombrowski, Direktor der Gemäldegalerie und Professor für Kunstgeschichte an der Universität Würzburg, erstmals von der Existenz des Serlio-Porträts. Sabine Frommel, Professorin an der Sorbonne, zeigte ihm eine Abbildung des Gemäldes, das sie kurz zuvor in einer Pariser Galerie gesehen hatte. „Bis es mir dämmerte, dauerte es eine Weile“, erinnert sich Dombrowski: „Aber plötzlich war mir schlagartig klar, dass unser Doppelporträt zweier Künstlerfreunde vor dem Spiegel Passerottis Vorbild gewesen sein dürfte.“

Serlio war einer der wirkungsmächtigsten Architekten aller Zeiten, was weniger an seinen Bauten als an seinem reich illustrierten Traktat zur Baukunst liegt. Auch Balthasar Neumann besaß mehrere Ausgaben der „Sette Libri dell’Architettura“. Vielleicht wusste er noch, wer der Architekt in dem Doppelporträt ist, und hat es deshalb für seine eigene Kunstsammlung gekauft. Aus dem Besitz seiner Erben gelangte es 1834 an die Universität Würzburg.

Gemälde für 130.000 Euro

Mit diesen Zusammenhängen ergab sich der Wunsch, das in Paris angebotene Gemälde – es stammte aus einer römischen Privatsammlung – für das Martin von Wagner Museum zu erwerben. Die Preisgestaltung war allerdings ein Schock: 240.000 Euro sollte das Bild anfangs kosten. „Als Museum ohne Ankaufsetat verfügen wir inzwischen zwar über einige Erfahrung im Einwerben von Geldern, aber das waren völlig neue Dimensionen“, berichtet Dombrowski.

In Verhandlungen konnte der Preis schließlich auf 130.000 Euro gesenkt werden, und auch die Bemühungen, die Kulturstiftung der Länder und die Ernst von Siemens Kunststiftung als Hauptsponsoren zu gewinnen, waren erfolgreich. Damit waren zwei Drittel der Summe finanziert, der Rest kam von der Unterfränkischen Kulturstiftung und mehreren Kulturvereinen, darunter den Freunden der Würzburger Residenz.

Öffentliche Präsentation

Bevor die Neuerwerbung in der Galerie hängen wird, soll sie in einer Feierstunde der Öffentlichkeit präsentiert werden. Am Samstag, 20. Juli 2019, wird Damian Dombrowski im Museum über die Erwerbung berichten und das Gemälde in seinen Besonderheiten vorstellen. Es folgt ein Vortrag von Professorin Sabine Frommel über Architektenporträts der Renaissance. Beginn der Veranstaltung ist um 19 Uhr (Einlass ab 18:30 Uhr), der Eintritt ist frei.

Artikel beruht auf einer Pressemitteilung der Julius-Maximilian-Universität Würzburg.

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