Bahnhofsmission Würzburg
Bahnhofsmission Würzburg Foto: Darja Schano

Bahnhofsmission: 120 Jahre Hilfe in allen Lebenslagen

Vor 120 Jahren nahm die Bahnhofsmission am Würzburger Bahnhof ihre Arbeit auf. Damals wurden vordergründig junge Frauen auf der Suche nach einer Anstellung begleitet – bis sie auf eigenen Beinen ihr Leben meistern konnten. Ohne die Hilfe der Bahnhofsmission liefen nämlich viele Frauen Gefahr ausgenutzt und ausgebeutet zu werden. Im schlimmsten Fall landeten sie in der Prostitution. Seither sind für die Bahnhofsmission zahlreiche weitere Aufgaben und Herausforderungen dazugekommen. Denn am Bahnhof ist man immer inmitten des Geschehens, man könnte sogar sagen manchmal auch des Weltgeschehens. Arbeitssuchende, Menschen, bei denen es zum Leben nicht reicht oder Vereinsamte suchen am Bahnhof Anschluss und haben nicht selten das Gefühl, dass ihr Zug bereits abgefahren ist.

Bahnhofsmission ohne Wenn und Aber

Ankommen – ohne Termin und Anmeldung. Angenommen werden – ohne Wenn und Aber. Hilfe bekommen – ohne Bedingungen und Erfolgsdruck. Das ist die Bahnhofsmission. 
In Würzburg 24 Stunden jeden Tag. Manche benötigen nur ein Pflaster oder ein warmes Getränk, andere Nahrung für Leib und Seele, das Gespräch in der Krise, eine Unterkunft für die Nacht und einige brauchen Begleitung beim Umsteigen. In der Einrichtung der ökumenischen Christophorus-Gesellschaft am Hauptbahnhof sind alle Menschen willkommen, unabhängig von Alter, Religion oder Herkunft und ganz egal in welcher Notlage. Für viele Hilfe suchende Menschen ist die Bahnhofsmission die nächste Anlaufstelle. Für manche ist sie auch der letzte Rettungsanker. Das gilt besonders für jene, die mit ihrer Not alleine sind.

Besondere Herausforderungen

Über 125 Mal täglich suchten Menschen im vergangen Jahr Unterstützung in der Würzburger Bahnhofsmission, insgesamt mehr als 46.000 Mal. Ca. 70 Prozent der Besucher waren mit mehr als einem Problem konfrontiert. Brüchige Erwerbsbiographien, fehlende finanzielle Mittel, körperliche und psychische Handicaps, die die Teilnahme am gesellschaftlichen Leben erschweren. Wenn sich die Erfahrung von Überlastung und Überforderung verstetigt, sinkt die Motivation, etwas zu ändern – auch mangels Perspektive, dass sich im Leben noch etwas verbessern kann.

Zugang und Vertrauen zu Mitmenschen

In der Bahnhofsmission erhalten sie Raum, wo sie ankommen können und einen gesellschaftlichen Zugang, um vielleicht Vertrauen – sei es auch nur vorübergehend – zu sich selbst und Mitmenschen aufzubauen. Den größten Zuwachs der letzten Jahre verzeichnet die Bahnhofsmission bei Besuchern mit Migrationshintergrund. Seit 2009 haben sich die Hilfekontakte in diesem Bereich verdreifacht. Geflüchtete aus den unterschiedlichsten Krisengebieten nutzen den Bahnhof als Durchgangsstation und immer häufiger auch als Kontakt- oder Lebensraum. Die Bahnhofsmission, als eine der wenigen Anlaufstellen für diese Menschen, kommt hier immer häufiger auch an Grenzen.

Eingang Bahnhofsmission Foto: Darja Schano

Die Jubiläumsbotschaft heißt „Zuversicht geben“

„Wir Menschen brauchen Zuversicht, dass etwas gut wird. Wir alle und nicht nur die Besucher der Bahnhofsmission!“ – heißt es seitens der Organisation. Das Schöne dabei ist, dass viel mehr Menschen als nur die Mitarbeiter der Bahnhofsmission ihre Zuversicht mit anderen teilen. Das Jubiläum steht dabei ganz im Zeichen der Zuversicht: Menschen füreinander zu sensibilisieren, sich gegenseitig in ihrer Verschiedenheit, ihrer Bedürftigkeit und in ihren Talenten wahrzunehmen und zu bejahen. Die Bahnhofsmission möchte weniger an 120 sicherlich wertvolle, segensreiche Arbeitsjahre erinnern, als vielmehr mit möglichst vielen Mitbürgerinnen und -bürgern einen Blick auf die jetzigen und kommenden Herausforderungen werfen. Mit ihrem Jubiläumsprogramm will sie dafür Menschen zusammenbringen.

Jubiläumsprogramm

Zum Jubiläum finden diverse Veranstaltungen statt:

  • 12. Juli Hussein Mahmoud und Nils Hübenbecker/Saz und Piano
  • 19. Juli Eva Tilly und Christoph Lewandowski /Piano, Flügelhorn und Trompete
  • Würzburg picknickt: Begegnungspicknick am Brunnen vor dem Bahnhof am Sonntag, den 21. Juli, von 14.00 bis 17.00 Uhr
  • Festakt im Würzburger Rathaus  am Freitag, den 20. September um 15.00 Uhr im Ratssaal
  • Öffentliches Symphoniekonzert am Würzburger Rathaus mit dem Symphonischen Blasorchester Unterpleichfeld am Freitag, den 20. September um 18.30 Uhr im Rathaushof
  • Ökumenischer Festgottesdienst in St. Stephan mit dem Gospelchor „Voices“ am Samstag, den 21.September um 18.00 Uhr

Mehr Information sich hier.

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