Stiller Protest auf der Treppe in Grombühl. Foto: Anonym
Stiller Protest auf der Treppe in Grombühl. Foto: Anonym

Gastbeitrag: Stiller Protest gegen Metallspitzen in Grombühl

Ein anonymer Gastbeitrag.

Seit Kurzem sind auf einer Treppe im Würzburger Stadtteil Grombühl Metallstachelstreifen angebracht, die die Gemüter sehr erhitzen. Die einen finden die Lösung, so ungebetene Gäste fernzuhalten, gut und richtig, andere wiederum sehen in der Montage eine große Gefahr für die Umwelt, insbesondere für Kinder. Nach Veröffentlichung unseres Artikels erreichte uns zum Thema folgender Gastbeitrag:

Sehr schockierend

Als ich die Metallspitzen eines morgens entdeckt habe, konnte ich meinen Augen fast nicht trauen. Metallspitzen, die normalerweise unliebsame Tauben fern halten, werden hier ziemlich offensichtlich gegen Menschen verwendet und das finde ich sehr schockierend. Ich weiß natürlich nicht, wie viel Kommunikation im Vorfeld zwischen dem Hauseigentümer und den dort sitzenden Menschen bestand, ich wünschte es wäre viel gesprochen worden, das wage ich jedoch zu bezweifeln.

Treppe am Wagnerplatz. Foto:Darja Schano

Treppe am Wagnerplatz. Foto:Darja Schano

Es gibt einige Menschen, die auf das Aufstellen positiv reagiert habe: „Wer nicht hören will, muss fühlen“ habe ich gelesen und viele mehr. Ich habe Verständnis dafür, dass das „Herumlungern“ als unangenehm empfunden werden kann. Haben die Menschen, die sich jetzt lauthals beschweren, jemals ein Gespräch gesucht und gefragt, wieso sie dort sitzen und trinken? Ich frage mich auch, ob ihnen bewusst ist, dass sie das Problem mit Metallspitzen nicht beheben, sondern lediglich verschieben? Alkoholsüchtige Menschen sind krank, die ihre Krankheit an einem anderen Ort ausleben; Menschen, die Rabazamba machen wollen, machen weiterhin Rambazamba und Menschen ohne festen Wohnsitz bleiben ohne festen Wohnsitz.

Schon im frühen Kindesalter begreift man in der Regel die Objektpermanenz, das Wissen, das ein Gegenstand noch immer da ist, auch wenn er gerade nicht wahrgenommen werden kann. Vielleicht haben ein paar Menschen das ja vergessen und müssen daran erinnert werden.

Stiller Protest

Vor etwa zwei Wochen lagen Schranktüren mit einem Pappschild auf den Gittern. Mit Freunden schlossen wir uns dem stillen Protest an brachten ein wenig Farbe dazu. Leider habe ich seither niemanden mehr dort sitzen sehen, einige Menschen sind aber stehengeblieben und haben sich die Szene betrachtet. Es ist viel wert, Aufmerksamkeit zu erregen und den Menschen so in ihrem geschäftigen Alltag einen Denkanstoß zu geben. Dadurch erinnern sie sich vielleicht an die Objektpermanenz, daran, dass es kein würdiges Verhalten ist, mit Metallspitzen Menschen zu vertreiben. Vielleicht mag der ein oder andere sogar versuchen, die Ursache des Problems zu beheben. Der stille Protest wurde vor zwei Tagen leider entfernt, stand aber lange genug, um ein Zeichen zu setzten.

Anmerkung der Redaktion

Gastbeiträge geben nicht automatisch die Meinung der Redaktion wieder. Sie sollen zur Debatte anregen  – so wie auch jeder gute Kommentar auf Facebook. Wir geben deshalb allen unseren Lesern die Chance, ihre Meinung bei uns zu veröffentlichen und diese diskutieren zu lassen. Wir freuen uns über Gastbeiträge zu allen Themen an: redaktion@wuerzburgerleben.de

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