Johanna mit ihren Alpakas. Foto: Johanna Fischer
Johanna mit ihren Alpakas. Foto: Johanna Fischer

Von der Chemie zu den Alpakas: Johanna und ihre Alpakafarm

Die gebürtige Nürnbergerin Johanna hat den Schritt gewagt, von Unzufriedenheit im Job hin zu ihrem ganz persönlichen Glück: Eine eigene Alpakafarm in Iphofen. Die Entscheidung für die sanften und gemütlichen Tiere war ihre Entscheidung zu einem glücklichen Leben. Wir durften mit der ehemaligen Diplom-Chemikerin ein wenig plaudern, über ihren Lebensweg ins Glück, die Frage, ob Alpakas spucken und wie man Alpakas mit fränkischem Wein kombinieren kann.

Würzburg erleben: Wie bist du auf die Idee gekommen, eine Alpakafarm zu gründen?

Johanna: Vor ca. zwei Jahren war ich in meiner Karriere an einem Punkt angekommen, an dem ich nicht mehr zufrieden war. Eines Tages erwischte ich mich dabei, wie ich mit einer kleinen Gruppe von Arbeitskollegen zusammenstand und mit ihnen darüber geschimpft habe, wie fürchterlich anstrengend hier doch alles sei. Das war für mich ein Schlüsselerlebnis. Ab dem Moment nahm ich mein Leben selbst in die Hand und folgte meinem Motto: Change it, love it or leave it (otherwise be unhappy). Ich hatte lange versucht, die äußeren Umstände zu verändern (change it). Danach habe ich versucht, meine innere Einstellung zu ändern (love it).

Monki, eines von den vier süßen Alpakas. Foto: Johanna Fischer

Monki, eines von den vier süßen Alpakas. Foto: Johanna Fischer

Letztlich blieb mir nichts anderes übrig als die Situation zu verlassen (leave it). Ich habe meinen Job gekündigt und ich habe ein Freiwilliges Soziales Jahr im Tierpark Sommerhausen gemacht. Nach diesem Jahr war für mich klar, dass es kein Zurück mehr gibt in einen 50 Stunden Job vor dem Computer. Zufälligerweise hielt an meinem ersten Schnupperwochenende der Züchter, von dem der Tierpark seine Alpakas hat, einen Kurs. Zwei Tage später hatte ich viel über die flauschigen Tiere gelernt und mich, glaube ich, auch ein bisschen verliebt. Das war der Grundstein von allem.

Als mein FSJ dann so langsam seinem Ende entgegen ging, stand ich vor der Frage, wie es nun weiter geht. Ich rief schließlich den Alpaka-Züchter an, war ein paar Wochen später in Südtirol auf seinem Hof, habe mir vier wunderschöne Tiere ausgesucht, zuhause dann eine Koppel gebaut, noch ein paar Weiterbildungen gemacht, meinen Businessplan geschrieben und ein paar Monate später standen die hübschen Jungs dann bei mir in Hellmitzheim. Seitdem bereichern sie mein Leben jeden Tag.

WE: Was macht dir an der Arbeit mit Alpakas ganz besonders Spaß?

J: Am meisten Spaß macht mir die Tatsache, dass die Alpakas uns Menschen so sehr spiegeln. Vor ihnen können wir uns nicht verstellen, sie spüren jede Spannung in uns und ob wir im Reinen mit uns sind, oder nicht. Wenn ich auf die Koppel komme und nur mal schnell was mit ihnen abarbeiten möchte, funktioniert das nicht. Sie machen schlichtweg nicht mit. Ich entspanne mich im Vorfeld bewusst, mache meinen Kopf frei und genieße dann das Zusammenspiel zwischen Tier und Mensch.

WE: Spucken Alpakas denn nicht?

J: Alpakas können genauso Spucken wie Lamas! Allerdings würden meine Tiere niemals auf Menschen spucken. Sie tun das höchstens mal untereinander und dann auch meistens nur, wenn es um Futterneid geht.

Reiki, Monki und Alvin. Foto: Johanna Fischer

Reiki, Monki und Alvin. Foto: Johanna Fischer

WE: Was kann man auf deiner Farm alles erleben?

J: Ich habe einen kleinen Ort der Ruhe und Erholung geschaffen. Mein kleines Glücks-Paradies.  Entweder lade ich die Menschen zu mir auf die Koppel ein, damit sie den Tieren begegnen und ihre wundervolle Ausstrahlung spüren können, oder wir machen gemeinsam einen Spaziergang. Dann halftern wir die Glücks-Alpakas an und gehen mit ihnen raus in die Natur, über Wiesen und Felder und manchmal auch in den Wald. Mein Lieblingsspaziergang ist der „Kneippweg mit Einkehr“. Wir spazieren im gemütlichen Alpaka-Tempo zwischen den Feldern hindurch zu einer Brotzeitstube.

Ein weiteres ganz spezielles Event sind unsere Alpakas und Wein-Touren! Bei der vierstündigen geführten Tour erzählen uns die Winzer vom Weingut MEIER SCHMIDT alles über ihre Weinberge und Rebsorten und die Alpakas tragen nicht nur die Ruhe mit hinein, sondern in ihren Satteltaschen auch unseren Wein.

WE: Was sind deine Pläne für die Zukunft?

J: In erster Linie mal glücklich sein und das Leben genießen. Natürlich habe ich auch Visionen, die mehr Alpakas und eine richtige Farm mit Übernachtungsmöglichkeiten beinhalten. Nächstes Jahr plane ich, eventuell ein Tipi auf die Koppel zu stellen, damit interessierte Menschen auch mal bei den Tieren übernachten können. Ich hab das schonmal gemacht, allerdings im Heu und es war eine wunderschöne Erfahrung. In den nächsten fünf Jahren könnte ich mir zum Beispiel auch vorstellen, mit den Tieren mehr in Richtung tiergestützte Therapie zu gehen, aber das werde ich dann sehen.

WE: Was ist der schönste Ort in Würzburg und Umgebung für dich und deine Alpakas?

J: Gemeinsam mit meinen Jungs bin ich am liebsten überall dort, wo es saftiges Grün und ein ruhiges Fleckchen zum Entspannen gibt. Wir haben vor kurzem eine Tour in den Weinbergen gemacht und in einer kleinen Winzerhütte mit leckerem Wein und einer richtig guten Brotzeit die Seele baumeln lassen. Zwei von den Alpakas habe ich frei laufen lassen. Sie sind immer in unserer Nähe geblieben aber haben ihre Freiheit sichtlich genossen. So saßen wir bestimmt drei Stunden in der Frühlingssonne und haben einfach das Hier und Jetzt genossen. Solche Momente sind einfach unbezahlbar.

Wer Genaueres zu Johannas Alpakafarm erfahren möchte oder selbst einmal die Alpakas live erleben möchte, hier geht’s zu ihrer Website.

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