Ein Ausschnitt aus einer Szene von "Was ihr wollt" mit Vincent im schwarzen Kostüm. Foto: Volker Beushausen
Ein Ausschnitt aus einer Szene von "Was ihr wollt" mit Vincent im schwarzen Kostüm. Foto: Volker Beushausen

Interview: Vincent – der zweite Würzburger bei TheaterTotal

Der 19-jährige Würzburger Vincent Schmitt bringt TheaterTotal nach Würzburg! Am 02.07.2019 findet um 19:30 Uhr im Veranstaltungszentrum Heiligenkreuz in Würzburg eine der 50 Vorstellungen von „WAS IHR WOLLT“ statt. Obwohl es das gemeinnützige Projekt TheaterTotal bereits seit 23 Jahren gibt, ist Vincent erst der zweite Würzburger und dieses Jahr sogar der einzige Bayer, der an dem Projekt teilnehmen darf. Im Interview erzählt er uns, wie er auf TheaterTotal aufmerksam geworden ist und wie die Vorbereitungen auf die Tournee bis jetzt abgelaufen sind.

Von der Schulbühne auf große Tournee

Würzburg erleben(WE): „Seit wann schauspielerst Du?“

„Ich war schon immer gerne auf der Bühne, zum Beispiel in kleineren Aufführung in der Schule, aber leider nie bei Theaterprojekten außerhalb. Die Begeisterung fürs Schauspiel ist dann Jahr für Jahr gestiegen, bis es mich in der 12. Klasse endgültig gepackt hat. Während der Proben für das Oberstufentheater hatte ich immer das Gefühl, meine Rolle nicht so gut zu spielen, wie ich gerne würde, obwohl ich so viel Zeit in eine Rolle investiert habe, wie noch nie zuvor. Da kam dann auch die Entscheidung, mich für TheaterTotal zu bewerben.“

WE: „Wie bist Du selbst auf TheaterTotal aufmerksam geworden?“

„Meine Theater-Lehrerin hat mich darauf aufmerksam gemacht. Nachdem vor zwei Jahren bereits ein anderer aus meiner Schule dort teilgenommen hat, konnte ich mich viel mit ihm darüber unterhalten, was mir sehr bei der Entscheidung geholfen hat.“

WE: „Wie sah die Bewerbung für diese Theater Gruppe aus?“

„Zuerst muss man eine Bewerbung abschicken und einen Fragebogen über seine Persönlichkeit ausfüllen und anschließend wird jeder Bewerber zu einem Workshop eingeladen. Dieser ist aber weniger ein „Vorsprechen“, wie man es von klassischen Schauspielschulen kennt als ein beidseitiges Kennenlernen. Danach hat man schon ein Recht gutes Bild, ob man sich bei diesem Projekt wohl fühlt oder nicht.“

WE: „Wie und wann hast Du davon erfahren, dass Du nun Teil des TheaterTotal bist?“

„Etwa eine Woche nach dem Workshop kam eine E-Mail, dass ich angenommen wurde.“

Was steckt hinter TheaterTotal?

WE: „Was genau ist das Theater Total? Was müssen wir uns darunter vorstellen?“

„TheaterTotal ist ein gemeinnütziges Projekt für junge Erwachsene, das seit 23 Jahren jedes Jahr etwa 30 jungen Erwachsenen die Möglichkeit gibt, Theater mit allem was dazu gehört zu erleben. Neben Schauspiel, lernt man auch Tanz, Fechten, Bühnenkampf, Tai Chi, Kochen, Bühnentechnik und vieles mehr. Das Highlight des Jahres ist die dreimonatige Tournee durch Deutschland und die Schweiz, wobei jeder Teilnehmer einen Tourneeort organisiert. In meinem Fall ist das meine Heimatstadt Würzburg.“

WE: „Worauf dürfen wir uns am 02.07.19 freuen?“

„Besonders interessant ist die Aufführung natürlich für theaterinteressierte Jugendliche, die sich vorstellen können, ihr Hobby zumindest für ein Jahr professionell auszuüben und an unserem Projekt teilzunehmen. Aber auch für alle anderen ist unser Stück natürlich unterhaltsam! WAS IHR WOLLT ist eine Komödie, die hoffentlich bei jedem Zuschauer die Lachmuskeln beanspruchen sollte. Trotzdem versuchen wir auch den ernsthaften Aspekten der Shakespeare Grundlage Raum in unserer Inszenierung zu geben. Unsere beiden drei Meter hohen Bühnenteile und die extra für dieses Stück genähten Kostüme, bieten selbstverständlich auch etwas für’s Auge.“

WE: „Welche Rolle spielst Du im Stück?“

„Ich spiele Antonio, einen Gesetzlosen, der von allen nur als „Seeräuber“ oder „Pirat“ beschimpft wird. In Wirklichkeit hat er aus ehrenhaften Gründen gegen den Herzog des Landes Illyrien gekämpft und wurde deswegen verbannt. Gerechtigkeit und Treue sind für ihn die höchsten Werte. Als er eines Tages den jungen Schiffbrüchigen Sebastian aus den Fluten des Mittelmeeres rettet führt ihn der Weg zurück in seine alte Heimat. Man erfährt recht wenig genaues über die Vergangenheit Antonios, nur Andeutungen, weshalb ich mir während der Proben selbst einige Gedanken zu seiner Vergangenheit gemacht habe.“

WE: „Hast Du schon ein bestimmtes Ritual bevor Du auf die Bühne gehst?“

„Nicht wirklich Ritual, sondern mehr Aufgaben, die ich vor der Aufführung erledige, die mir aber sehr helfen mich darauf vorzubereiten. Zum Beispiel stehe ich vor jeder Aufführung am Infostand und bin schon eine Stunde vor meinem ersten Auftritt für die Gäste da.“

Szenenfoto aus der Performance "Schwarz auf Weiß", die am 09.11.2018 Premiere feierte. Foto: Volker Beushausen

Szenenfoto aus der Performance „Schwarz auf Weiß“, die am 09.11.2018 Premiere feierte. Foto: Volker Beushausen

Vincents Erfahrungswerte

WE: „Wie genau ist das im Projekt TheaterTotal mitzuwirken?“

„Anstrengend. Aber man lernt unglaublich viel in so vielen unterschiedlichen Bereichen, dass sich das wirklich lohnt. Man liebt jeden und man hasst jeden. Natürlich geht man sich auf die Nerven, wenn man sich jeden Tag rund um die Uhr sieht, aber das gehört dazu. Und dadurch entsteht eine Gruppe, die man sonst nirgends so findet. Ich fühle mich sehr wohl bei den Anderen.“

WE: „Wie häufig probt Ihr?“

„Während der Intensivprobephasen probt man jeden Tag von früh bis spät, auch am Wochenende. Jetzt, während der Tournee, nur noch am Tag vor der Aufführung und wenn man mal eine freie Minute hat.“

WE: „Was macht Dir an dem Projekt am meisten Spaß?“

„Die Gruppe! Wenn man mal so überhaupt gar keine Lust auf Proben oder einen Aufbau an einem Tourneeort hat, ist immer jemand für einen da, mit dem alles gleich viel einfacher geht.“

WE: „Was möchtest Du unseren Lesern sonst noch mit auf den Weg geben?“

„Ganz besonders möchte ich der jungen theaterbegeisterten Leserschaft ans Herz legen, dass sie sich das Projekt auf jeden Fall Mal anschauen sollen! Wer Interesse an Theater hat, egal ob als Hobby oder als Beruf, soll sich einfach bewerben. Bei den Workshops lernt man sehr schnell, ob das Projekt für einen infrage kommt und wenn nicht hat man trotzdem nichts verloren.“

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