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Das Congress Centrum Würzburg erstrahlt in neuem Glanz. – Foto: Pascal Höfig
Das Congress Centrum Würzburg erstrahlt in neuem Glanz. – Foto: Pascal Höfig

Psychotherapie & Seelsorge-Kongress: Linke wirft OB vor, homofeindlicher Hetze den Hof zu machen

Ab morgen, 5. Juni 2019, findet im Würzburger Congress Centrum für vier Tage der 10. internationale Kongress der Akademie für Psychotherapie und Seelsorge (APS) statt. Beim Kongress, der den Titel „Vernetzt! Verbunden! Verstrickt? Psychotherapie und Seelsorge in einer digitalisierten Welt“ trägt, wird es Vorträge von Psychologen und Pädagogen aber auch zum Beispiel von Medienwissenschaftlern und Wirtschaftsethikern geben. Hinter der Akademie steht ein gemeinnütziger Verein, der das Ziel hat, konfessionsübergreifend christliche Psychotherapeuten und Seelsorger in ein konstruktives Fachgespräch miteinander zu bringen – so heißt es auf der offiziellen Homepage.

Linke wirft homofeindliche Hetze vor

Dieser Kongress wirft nun in Würzburg seine Schatten voraus, da sich die Linken-Bundestagsabgeordnete Simone Barrientos sehr kritisch gegenüber den Inhalten geäußert hat und Würzburgs Oberbürgermeister Christian Schuchardt in einer Pressemitteilung mit dem Titel „Kein Platz für homofeindliche Hetze in Würzburg“ sogar die Unterstützung antifeministischer und homofeindlicher Hetze vorwirft. Die Antifa Würzburg äußerte sich bereits im Mai zur Durchführung des Kongresses in einem offenen Brief und ruft während der Veranstaltungstage zu einer Demo auf.

Barrientos: „Dort treffen sich christliche Fundamentalisten“

„Ich finde es unsäglich, dass unser Würzburger Oberbürgermeister, Christian Schuchardt, den Kongress der Akademie für Psychotherapie und Seelsorge (APS) begeistert in unserer Stadt begrüßt. Dort treffen sich christliche FundamentalistInnen, die ein sexistisches und homofeindliches Weltbild vertreten. Ich erwarte von einem Oberbürgermeister, dass dieser sich für den Schutz von Frauen, Transpersonen, Lesben, Schwulen und Queers in Würzburg einsetzt. Mit seinem Grußwort macht er antifeministischer und homofeindlicher Hetze den Hof. Ich erlebe Würzburg als herzlich und offen. Viele Menschen in der Stadt, darunter selbstverständlich auch zahlreiche Christen und Christinnen, treten für Vielfalt und Solidarität ein. Diese gilt es zu stärken“, so Simone Barrientos in ihrer Pressemitteilung.

Antifeministische und homofeindliche Ideologien

Laut Barrientos sei die APS personell und strukturell bestens innerhalb christlich-fundamentalistischer Zusammenhänge vernetzt. Die beteiligten Akteure und Organisationen würden antifeministische und homofeindliche Ideologien vertreten. Weiter heißt es von der Linken-Politikerin, dass noch vor zehn Jahren bei dem Kongress Referenten aufgetreten seien, die u.a. öffentlich davon gesprochen hätten, Schwule und Lesben von ihrer Homosexualität heilen zu wollen und für „Konversionstherapien“ geworben hätten. Mittlerweile werde bei der APS auf ein besseres Image geachtet, die Sprache sei freundlicher, homo- und frauenfeindliche Positionen würden versteckt.

Die beteiligten Akteure und Strukturen seien laut Barrientos dieselben geblieben. Die Liste der Referenten mache deutlich, hier seien christlich-fundamentalistische Akteure geladen, die ihre Handlungen und Wertevorstellung an einer wörtlichen Auslegung der Bibel orientieren. Dadurch werde die heterosexuelle Ehe als einzige gute Form des Zusammenlebens bewertet, die Geschlechtervorstellungen seien zutiefst reaktionär, Homosexualität werde abgelehnt und Abtreibung als Mord eingeordnet, schreibt Simone Barrientos in ihrer Pressemitteilung.

OB spricht sich gegen homophobe Hetze aus

Als Antwort auf die Anschuldigungen gegenüber Oberbürgermeister Christian Schuchardt, gab der OB ein aktuelles Statement ab: „Ich bin Schirmherr des Christopher Street Days und setze mich aktiv gegen Homophobie ein. Allein dies dürfte schon ausreichen, um die Vorwürfe von Frau Simone Barrientos ad absurdum zu führen. Wer mich kennt, weiß, dass ich jederzeit und überall für eine offene, tolerante und bunte Stadt Würzburg eintrete – in allen Bereichen. Ich verbiete mir daher jede derartige Unterstellung und Diffamierung. Ich spreche mich ausdrücklich auch gegen homophobe Hetze aus.“

Stadt Würzburg: Anfrage schien unkritisch

Außerdem äußerte sich die Stadt zum Zeitpunkt des kritisierten Grußwortes wie folgt: Das Grußwort wurde im Juni 2018 über den Deutschen Gemeinschafts-Diakonieverband einer Klinik angefragt, die den Kongress der Akademie für Psychotherapie und Seelsorge angekündigt habe. Inhalte seien jedoch im Vorfeld nicht thematisiert worden. Laut Stadt Würzburg ist das Grußwort das Standard-touristische Grußwort, das in Variationen bei allen Veranstaltungen zur Verfügung gestellt wird. „Die Anfrage kam über den Diakonieverband und erschien bei einer oberflächlichen Internetrecherche unkritisch. Eine inhaltliche Wertung ist damit nicht verbunden, der Oberbürgermeister ist auch nicht Schirmherr der Veranstaltung“, so die Stadt Würzburg.

Kritik an APS-Kongressen

Auch im Mai 2009 kam es beispielsweise in Marburg, Veranstaltungsstätte des 6. internationale Kongress der Akademie für Psychotherapie und Seelsorge, zu kritischen Auseinandersetzungen im Vorfeld der Veranstaltung. Politisch linksgerichtete und homosexuelle Verbände richteten scharfe Kritik gegen einzelne Vorträge und die komplette Veranstaltung.

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