Der Circus Knirps. Foto: Frieder Edelhäuser.
Der Circus Knirps. Foto: Frieder Edelhäuser.

25 Jahre Circus Knirps: der Jugendcircus feiert Jubiläum

Ab Samstag heißt es wieder „Manege frei!“ im Zirkuszelt am Oberen Neubergweg im Frauenland. Seit nun schon 25 Jahren entführen die Nachwuchsartisten vom Circus Knirps e.V. Jung und Alt  in die zauberhafte Welt der Akrobatik, Jonglage und Clownerie. In diesem Jahr lädt der Circus vom 27. April bis zum 12. Mai dazu ein, die mit Mühe vorbereiteten Auftritte der Jugendlichen zu bewundern und gemeinsam das 25-jährige Bestehen des Jugendcircus zu feiern.

130 Nachwuchsartisten aus Würzburg

Selber Circus machen, Artist sein, scheinbar fliegen können, über sich selbst hinauswachsen: das ermöglicht der Circus Knirps als großes ehrenamtliches Gemeinschaftsprojekt über 130 Kindern und Jugendlichen aus Stadt und Landkreis Würzburg. Betreut und trainiert werden die Nachwuchsartisten dabei von einem Team aus circuspädagogisch erfahrenen studentischen Trainern und Jugendlichen. Seit nunmehr 25 Jahren besteht das außergewöhnliche Jugendprojekt schon. Wie das Ganze überhaupt zustande kam und welchen Zweck der Jugendcircus seither verfolgt, erzählt Vorstandsmitglied Astrid Sommer in unserem Interview.

Der Circus Knirps im Interview

Würzburg erleben (WE): Wie ist die Idee für die Gründung des Kindercircus Knirps entstanden?

Sommer: Wie war das, damals? Vor ungefähr 26 Jahren – 1993, um genau zu sein – infizierten sich einige Würzburger Waldorfschuleltern bei einem Besuch des Kinder- und Jugendcircus Calibastra in Stuttgart mit einem, wie sich herausstellte, hochansteckenden Virus: dem Circusvirus! Das war die Geburtsstunde des Circus Knirps in Würzburg. Die Eltern waren so begeistert und beeindruckt, dass sie beschlossen, auch in Würzburg einen Kindercircus aufzubauen. Durch den Stuttgarter Circus erfuhren sie von einem Circuspädagogen in Würzburg, Peter Bethäuser, mit dem das Projekt seinen Anfang nahm. Die Waldorfschule stellte die Turnhalle für das Training zur Verfügung, und Ostern 1994 fanden dann das erste Mal Vorstellungen im Circuszelt am Oberen Neubergweg statt, und das tun sie nun seit 25 Jahren alljährlich!

Das Zirkuszelt des Circus Knirps im Frauenland. Foto: Büro 71a.

Das Zirkuszelt im Frauenland. Foto: Büro 71a.

WE: Welches Ziel verfolgt das seit 25 Jahren bestehende Jugendprojekt? 

Sommer: Begeisterung ist alles! Im Circus Knirps üben die Kinder und Jugendlichen im Laufe einer Saison vielfältigste Bewegungsqualitäten. Sie trainieren ihr Gleichgewicht auf Laufkugel, Stelzen oder Drahtseil, überwinden Ängste am Trapez, Tuch oder Luftring und balancieren beim Jonglieren nicht nur Gegenstände, sondern auch ihre beiden Gehirnhälften aus. Was die Kinder im Circus erwartet, ist mehr als sportliche Aktivität. Sie trainieren, aber sie gestalten auch auf unterschiedlichste Weise die Circusvorstellung mit. Und sie lernen, Verantwortung zu übernehmen als Teil eines größeren Ganzen.

Die Jugendlichen des Circus Knirps stehen den Profiakrobaten in nichts nach. Foto: Büro 71a.

Die Nachwuchsartisten des Circus Knirps stehen den Profiakrobaten in nichts nach. Foto: Büro 71a.

WE: Wer darf am Zirkusleben teilnehmen? 

Sommer: Der Circus Knirps ist offen für alle Kinder und Jugendlichen aus Stadt- und Landkreis Würzburg. Ein Einstieg ist (ab 7 Jahre) in jedem Alter möglich, Voraussetzungen gibt es keine, Vorkenntnisse oder besondere körperliche Fitness sind nicht nötig. Es gibt so viele verschiedene Disziplinen, dass für jeden etwas dabei ist.

WE: Wie genau läuft eine Zirkussaison für die mitwirkenden Kinder und Jugendlichen ab?

Sommer: Die Saison geht jeweils von Oktober bis Ende Juli, das Training findet in der Turnhalle der Freien Waldorfschule statt. […] In den Osterferien wird im Park am Oberen Neubergweg das Circuszelt aufgeschlagen und es gibt eine Woche mit ganztägigem Training, Basteln, Spiel und Spaß. Darauf folgen drei Aufführungswochenenden mit den Circusvorstellungen der verschiedenen Altersgruppen. Nach einer Pause geht dann das Training bis zum Schuljahresende in der Turnhalle weiter. Zwischen Pfingst- und Sommerferien gibt es die Möglichkeit für neue interessierte Kinder, an einem Schnuppertraining teilzunehmen.

Die Nachwuchsartisten beim Intensivtraining vor den großen Jubiläumsveranstaltungen. Foto: Susanne Hart.

Die Nachwuchsartisten beim Intensivtraining vor den großen Jubiläumsveranstaltungen. Foto: Susanne Hart.

WE: Was macht die circuspädagogische Arbeit in Ihren Augen so wertvoll?

Sommer: In der Circusfamilie kann jeder so sein, wie er ist. Eine Circusvorstellung entsteht in Gemeinschaftsarbeit, jeder ist mitverantwortlich für das Gelingen des Ganzen. Nicht Leistung steht im Vordergrund, sondern die Förderung des Einzelnen mit seinen jeweiligen Talenten und die Förderung der Gemeinschaft. Circus ist so vielfältig: es gibt die unterschiedlichsten Disziplinen, in denen man sich ausprobieren kann. Luft- und Bodenakrobatik, Jonglage, Balance, Clown…, die Kulisse wird gebastelt, die Geschichte für die Rahmenhandlung ausgedacht, geschrieben und gespielt. Außerdem ist das Ganze ein echtes Familienprojekt, in dem sich auch die Eltern engagieren: beim Zeltaufbau, beim Kostüme schneidern, im Koch- und Gastroteam und und und…

Jonglieren, Akrobatik oder Clownerie - das Angebot des Circus Kirps ist groß. Foto: Michael Braun.

Jonglieren, Akrobatik oder Clownerie – das Angebot des Circus Kirps ist groß. Foto: Michael Braun.

WE: Wenn Sie nach 25 Jahren nun ein Resümee ziehen: Wie hat sich das Projekt über die Jahre entwickelt? Und was hat der Circus Knirps in ihren Augen bisher bewirkt?

Sommer: Der Circus Knirps ist im Laufe der letzten Jahre sehr gewachsen. Mittlerweile haben wir über 130 aktive Kinder und Jugendliche, die ab einem Alter von 7 Jahren in fünf Trainingsgruppen trainieren. Jugendliche können die Ausbildung zum Circusjugendübungsleiter machen und selber Trainingsgruppen übernehmen.

Viele Generationen Circuskinder haben beim Knirps trainiert, dabei (hoffentlich) viel Spaß gehabt und in der Manege jedes Mal neu ihr Bestes gegeben. Viele sind über Jahre dabei, für viele ist es eine prägende Zeit, manche machen den Circus zu ihrem Beruf, alle machen in dieser ganz besonderen Atmosphäre der Circuswelt Erfahrungen für ihr Leben…

Die älteren Artisten präsentieren auch dieses Jahr ihre Varieté-Künste. Foto: Michael Braun.

Auch die Älteren wirken bei den Veranstaltungen fleißig mit. Foto: Michael Braun.

WE: Haben Sie schon konkrete Pläne für die Zukunft des Circus Knirps? 

Sommer: Wir freuen uns, das Erreichte erfolgreich weiterzuführen. Die Circuspädagogik erfreut sich zunehmender Anerkennung, was sich auch in Bundesförderprogrammen (z.B. „Circus macht stark“) äußert. Dadurch können wir vielleicht unser Angebot in Zukunft noch erweitern.

Termine und Infos zu den Vorführungen

Die Knirpse: In den Wäldern von Markaras | Dauer: ca. 120 min | Ticketpreis: 5 € / 11 €
Sa 27.04. 15:00 Uhr, So 28.04. 11:00 Uhr, Sa 11.05. 15:00 Uhr, So 12.05. 11:00 Uhr

Jugendliche, Trainer & Gäste: Circus Varieté–Gespie(ge)lt | Dauer ca. 120 min | Ticketpreis: 7 € / 12 €
Sa 04.05. 19:30 Uhr und So 05.05. 11:00 Uhr

Die jüngsten Circuskinder: Flohcircus | Dauer: ca. 45 min | Ticketpreis: 2,50€ / 4€
Di 07.05. und Fr 10.05. jeweils 17:30 Uhr

Tickets für die Vorstellungen gibt es im Info-Treff der Waldorfschule oder an der Tageskasse am Circuszelt 90 Minuten vor jeder Vorstellung. Reservierungen können online unter www.circus-knirps.de oder per Telefon unter 0176/18824300 vorgenommen werden.

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