Am 27. und 28. April finden die Süddeutschen Debattiermeisterschaften in Würzburg statt. Foto: Colloquia Herbipolensia e.V.
Am 27. und 28. April finden die Süddeutschen Debattiermeisterschaften in Würzburg statt. Foto: Colloquia Herbipolensia e.V.

Debattiermeisterschaften: Sport, der das Reden trainiert

Der Debattierclub Würzburg trifft sich jeden Donnerstagabend und erörtert nach festen Regeln politische, gesellschaftliche und moralische Streitfragen. Am kommenden Wochenende können die Mitglieder ihre trainierten Fähigkeiten bei den Süddeutschen Meisterschaften in Würzburg unter Beweis stellen. Dabei müssen sie sich gegen 100 studentische Redner aus Süddeutschland, Österreich und der Schweiz durchsetzen, um ihren Titel als amtierender Vizemeister zu verteidigen, oder sogar die Krone zu holen. Wie das Ganze genau ablaufen wird und welche Eigenschaften einen guten Debattierer auszeichnen, hat uns der Club erzählt.

Als Team gemeinsam bis ins Finale

Würzburg Erleben (WE): Wie laufen die Debattiermeisterschaften ab?
Debattierclub Würzburg: Debattieren ist ein Teamsport. An den Regionalmeisterschaften nehmen 20 Teams mit jeweils drei Mitgliedern teil. Am Samstag finden vier Vorrunden statt, am Sonntag zwei Halbfinalrunden und ein öffentliches Finale. Für jede dieser Runden wurde im Vorfeld des Turniers von der sportlichen Leitung des Turniers, der Chefjury, ein Thema festgelegt. Diese sind allerdings noch geheim, 15 Minuten vor jeder Debatte beginnt die Vorbereitungszeit und da werden sie dann verkündet. Es gilt die Vorbereitungszeit effektiv zu nutzen um Argumente zu finden und Strategien abzusprechen. Es treten immer zwei Teams gegeneinander an – als Regierung und Opposition.

Innerhalb jeder Debatte gilt: Die argumentative Auseinandersetzung muss überzeugen statt überreden. Alle Redner haben eine fest begrenzte Zeit, um für ihre Position zu werben. Jede Debatte wird von einer Jury aus erfahrenen Debattierern nach sprachlichen und inhaltlichen Maßstäben beurteilt. In der Finaldebatte wird die Fachjury durch eine Ehrenjury ergänzt, die aus Vertretern aus der Gesellschaft besteht und die beste Rede der Finaldebatte kürt.

WE: Was erwartet den Sieger?
Debattierclub Würzburg: Es gibt zwei verschiedene Preise: Das beste Team, bestimmt von einer studentischen Jury, darf sich Süddeutscher Meister nennen. Zusätzlich wird, wie bereits erwähnt, die beste Rede des Finales von unserer Ehrenjury ausgezeichnet. Die besten Teams der regionalen Meisterschaften erhalten für ihren Debattierclub zusätzliche Startplätze auf der Deutschsprachigen Debattiermeisterschaft, die Ende Mai in Heidelberg stattfindet.

Der Würzburger Debattierclub

WE: Warum trefft ihr euch regelmäßig zum Debattieren?
Debattierclub Würzburg: Im Vordergrund steht der Spaß an der Auseinandersetzung mit vielfältigen, immer neuen Themen aus den unterschiedlichsten Bereichen – Politik, Gesellschaft, Wirtschaft, Ethik. Uns eint die Freude am Diskurs und jeder darf für die Fragestellung der wöchentlichen Debatte Vorschläge einbringen. Da die Positionen beim Debattieren zugelost werden, muss man sich auch in Standpunkte hineindenken, die nicht zwangsläufig die eigenen Ansichten widerspiegeln. Dabei lernt man, ein Thema von verschiedenen Seiten zu beleuchten, sich mit anderen Meinungen auseinanderzusetzen und auf das Gegenüber einzugehen. Im besten Fall wird die eigene Meinung kritisch hinterfragt, schärft und differenziert sich.

Viele kommen auch zu uns, weil sie ihre Angst, vor Publikum zu reden, ablegen wollen oder sich rhetorisch verbessern möchten. Das freie Reden kann bei uns in einem geschützten Rahmen ausprobiert und geübt werden. Nach jeder Debatte erhalten die Debattierenden Feedback, damit sie sich Schritt für Schritt verbessern können. Wer sich noch intensiver weiterbilden möchte, kann auch auf Turniere oder Workshops fahren und dort neue Erfahrungen machen.

WE: Wie viele Mitglieder hat euer Club denn eigentlich und aus welchen Fachrichtungen stammt ihr?

Debattierclub Würzburg: Der Club wurde 2006 gegründet und hat aktuell ca. 35 Mitglieder. Die meisten sind Studenten und kommen aus vielen verschiedenen Fachrichtungen, wie Jura, PSS, Medizin, Informatik, Geschichte oder Psychologie. Traditionell hat der Verein eine starke Verbindung zur juristischen Fakultät und wird auch von den Juristen Alumni bei der Durchführung des Turniers unterstützt.

WE: Also kann auch jeder zu den Treffen des Debattierclubs kommen?
Debattierclub Würzburg: Wir freuen uns über jede Person, die vorbeikommt! Man muss keinerlei Vorwissen mitbringen, wir führen Anfänger behutsam in die Regeln ein. Auch wenn unser Verein natürlich einen großen Anteil an Studenten hat, stehen die Türen allen Interessierten, insbesondere auch Nicht-Studenten, offen!

Gutes Reden reicht nicht aus

WE: Was muss ein guter Debattierer können? Welche Eigenschaften und Kenntnisse sind gefragt?
Debattierclub Würzburg: Eine der wichtigsten Eigenschaften ist es, auch mal zuhören zu können. Während einer Debatte verbringt man nur einen Bruchteil der Debatte damit, selbst zu reden. Um sich mit dem Sachverhalt auseinanderzusetzen, muss man eben auch auf die Gegenseite eingehen können. Und um besser zu werden, muss man das Feedback der Jury erhören und umsetzen. Nur dann wird man sich rhetorisch verbessern und auch lernen, seine Argumente logisch und verständlich aufzubauen.

WE: Was liegt Euch als Verein noch auf dem Herzen?
Debattierclub Würzburg: Wir würden uns sehr freuen, Euch am Sonntag, den 28. April 2019, beim Finale der Süddeutschen Debattiermeisterschaft um 14:00 Uhr im Toscanasaal der Residenz, begrüßen zu dürfen. Jetzt, wo das neue Semester begonnen hat, debattieren wir jeden Donnerstagabend ab 20:00 Uhr im HS124 der Neuen Universität am Sanderring. Kommt gerne vorbei!

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