Symbolbild Impfpass. Foto: Pascal Höfig
Symbolbild Impfpass. Foto: Pascal Höfig

Schulunterricht nur mit Impfung – auch in Würzburg?

Wie der BR berichtet, durften an einem Gymnasium in Königsbrunn kürzlich nur geimpfte und immunisierte Schüler am Unterricht teilnehmen – der Grund: Windpocken-Erkrankungen. Dies sei eine Entscheidung des Landratsamtes gewesen, insgesamt 32 Schüler mussten Zuhause bleiben. Dem weiteren Bericht zufolge seien Eltern geimpfter Kinder, die einen entsprechenden Zettel nicht rechtzeitig abgegeben haben, sehr verärgert darüber, dass ihre Kinder nun auch 16 Tage vom Unterricht ausgeschlossen würden, obwohl keine Ansteckungsgefahr bestehe.

Auch in Würzburg denkbar?

Auf unsere Anfrage an das Gesundheitsamt Würzburg, ob eine solche Maßnahme auch an Würzburger Schulen denkbar wäre, erhielten wir folgende Antwort:

„Zutrittsverbote zu Gemeinschaftseinrichtungen sind auch im Zuständigkeitsbereich des Gesundheitsamtes Würzburg denkbar. Ob erforderlich, wird immer konkret geprüft. Bei Auftreten von meldepflichtigen Infektionskrankheiten hat das Gesundheitsamt zu Ermitteln und Maßnahmen zu ergreifen / anzuordnen, die eine Weiterverbreitung der Infektionskrankheit verhindern.

Gemäß §34 Infektionsschutzgesetz (IfSG) dürfen Personen die an den in §34 genannten Erkrankungen erkrankt oder dessen verdächtig oder die verlaust sind, die in §33 genannten Gemeinschaftseinrichtungen nicht betreten, bis nach ärztlichem Urteil eine Weiterverbreitung der Krankheit nicht mehr zu befürchten ist. Windpocken und Masern sind in §34 aufgeführt. Bei Windpocken ist ein Ansteckungsverdacht für ungeschützte häusliche Kontaktpersonen von Windpockenerkrankten anzunehmen. In Gemeinschaftseinrichtungen ist zu prüfen, inwiefern ein Ansteckungsverdacht vorliegt.“

Weiterverbreitung der Krankheit verhindern

Beim Auftreten von Windpocken in Gemeinschaftseinrichtungen ermittelt das Gesundheitsamt den Impfstatus der Mitschüler. Schüler ohne Impfschutz und ohne ärztlichen Nachweis einer durchgemachten Erkrankung können innerhalb der ersten fünf Tage nach Kontakt mit einem infektiösen Mitschüler noch eine sogenannte Postexpositionsimpfung erhalten. Ohne diese Impfung und wenn der Kontaktzeitraum länger als fünf Tage zurückliegt müssen diese Schüler für 16 Tage (entspricht der durchschnittlichen Inkubationszeit) vom Unterricht ausgeschlossen werden, um eine Weiterverbreitung der Krankheit zu verhindern. Schülern, die nur eine Impfung hatten, wird eine 2. Impfung zum sicheren Schutz vor der Krankheit empfohlen.

Im Bereich von Windpocken sei ein Verbesserungspotential bezüglich des Impfschutzes möglich. Allerdings seien Windpocken – im Gegensatz zu Masern – meist eine harmlose Erkrankung, die nur für Säuglinge ohne Nestschutz von der Mutter, Schwangere ohne Windpockenschutz und immungeschwächte Personen gefährlich sein kann.

Windpocken- und Masernfälle in Würzburg

Das Gesundheitsamt Würzburg meldet für die ersten drei Monate der Jahre 2018 und 2019 (1. Januar bis 4. April) 27 Fälle von Windpocken für das Jahr 2018 (im ganzen Jahr 92 Fälle) und 15 Fälle von Windpocken für das bisherige Jahr 2019. Masern traten im Jahr 2018 überhaupt nicht im Zuständigkeitsbereich des Würzburger Gesundheitsamtes auf, 2019 wurden bisher zwei Fälle gemeldet.

„Beide an Masern erkrankte Kinder waren nicht geimpft. Bei den Eltern handelte sich nicht um Impfgegner und die Gründe für die noch nicht erfolgte Masen-Impfung waren nachvollziehbar“, erklärte das Gesundheitsamt. Die dem Amt vorliegenden Impfstatistiken zeigen keinen Rückgang der Impfungen, heißt es. Für einige durch Impfung zu verhindernde Infektionskrankheiten seien aber höhere Durchimpfungsraten anzustreben und erforderlich.

Warum impfen?

Impfungen sind nicht nur für den Schutz des Einzelnen, sondern auch für den Herdenschutz wichtig. Da es auch Personen gibt, die z.B. an einer Immunerkrankung leiden und deswegen nicht geimpft werden können, sind diese auf den Impfschutz der Menschen um sie herum angewiesen, um sich selbst nicht mit Krankheiten anzustecken. Gleiches gilt für sehr kleine Kinder, die noch zu jung sind um gegen gewisse Krankheiten geimpft zu werden. Eltern können frei entscheiden, ob sie ihr Kind impfen lassen. Bei Windpocken ist für nach 2004 geborene Kinder zum Beispiel für einen sicheren Schutz vor der Krankheit eine zweimalige Impfung gegen Varizellen erforderlich. Umfangreiche Infos zum Thema gibt das Robert-Koch-Institut auf seiner Webseite, darunter auch die Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO).

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