Kathi, der Kopf hinter dem Instagramaccount vegan ist einfach. Foto: vegan.ist.einfach
Kathi, der Kopf hinter dem Instagramaccount vegan ist einfach. Foto: vegan.ist.einfach

Interview: Vegan einkaufen leicht gemacht

Sie hat gerade ihr Staatsexamen in Physik und Geographie gemacht und beginnt im September mit ihrem Referendariat. Die 25- jährige (noch) Studentin Kathi ernährt sich selbst seit letztem Sommer vegan. Sie erzählt uns im Interview von ihrem Instagramaccount @vegan.ist.einfach mit bereits über 15-tausend Followern und warum sie diesen überhaupt ins Leben gerufen hat.

Neue Vielfalt an Lebensmitteln

Würzburg erleben (WE): „Was hat Dich auf die Idee gebracht, ein veganes Instagramkonto zu starten?“

Kathi: „Ich interessiere mich schon sehr lange für Ernährung, aber als ich angefangen habe, mich vegan zu ernähren, eröffnete sich mir plötzlich eine ganz neue Vielfalt an Lebensmitteln. Immer wenn ich etwas Neues oder besonders Leckeres im Supermarkt gefunden hatte, erzählte ich meinen Freunden davon, die daran aber teilweise weniger interessiert waren, da sich keiner von ihnen strikt vegan ernährt. Deswegen hab ich dann einfach angefangen, es zu posten.“

WE: „Seit wann gibt es ‚vegan ist einfach‘? Wie viel Arbeit steckt dahinter?“

Kathi: „Der erste Post ging am 24.10.2018 online. Der Zeitaufwand liegt mit Recherche, Fotos machen und bearbeiten, Text formulieren und Kommentare oder Nachrichten beantworten bei etwa 1-2 Stunden am Tag. Manchmal kommt dann noch das Erstellen von Storys hinzu. Zurzeit verbringe ich zum Beispiel auch mal eine halbe Stunde im Supermarkt, um vegane Ostersüßigkeiten zu suchen und abzufotografieren. Da mir das alles aber viel Spaß macht, fühlt es sich nicht wirklich wie Arbeit an.“

WE: „Welche Reaktionen bekommst Du? Gibt’s besonders positive/negative?“

Kathi: „Die Reaktionen sind auf jeden Fall überwiegend positiv. Besonders schön ist es, wenn mir Menschen schreiben, dass sie erst seit kurzem vegan leben und ich ihnen den Umstieg erleichtere. Manchmal kommen auch kritische Kommentare zum Beispiel zum Thema Palmöl oder Plastikverpackungen. Solange diese konstruktiv formuliert sind, finde ich das aber gut. Die Leute sollen mir ja auch nicht alles blind nachkaufen und den Kopf ausschalten, ich zeig ja einfach nur ein paar vegane Möglichkeiten. Etwas seltener gibt es auch vegan-feindliche Kommentare, die sind aber in der Regel nicht ernst zu nehmen.“

Vegan einkaufen in der Drogerie

WE: „Wo ist es am einfachsten, vielseitig vegan einzukaufen?“

Kathi: „Das kommt ganz darauf an, wie man eine vielseitige Ernährung definiert. Die Grundlebensmittel Obst, Gemüse, Getreide (Brot, Nudeln, …), Hülsenfrüchte (auch Tofu), Nüsse, Pflanzendrinks etc. bekommt man mittlerweile wirklich überall. Bioläden haben oft eine sehr große Auswahl an Fleischersatzprodukten und veganen Süßigkeiten. Dort sind die Produkte oft auch deutlich vegan gekennzeichnet, was die Suche etwas erleichtert. Größere Supermärkte wie Rewe und Tegut können da aber auch ganz gut mithalten, mittlerweile gibt es ja meistens sogar ein oder mehrere vegane Regale.

Discounter bieten ein etwas kleineres veganes Sortiment an, dafür aber sehr günstig. Der Trend geht aber auch hier zu immer mehr Auswahl: gerade kommen zum Beispiel tolle vegane Grillprodukte in die Discounterregale oder auch vegane Eissorten. Zuletzt müssen noch die Drogeriemärkte genannt werden. Die haben zwar kein Kühlregal, aber gerade bei Fertigprodukten, Getreidesorten und auch veganen Süßigkeiten bieten sie total viel an. Schön ist dort auch, dass immer mehr Kosmetikprodukte vegan gekennzeichnet werden.“

WE: „Wie erfährst Du von neuen veganen Produkten auf dem Markt?“

Kathi: „Ich durchstöbere online Prospekte, treibe mich auf den Webseiten der Supermärkte rum. Bei den Drogerien zum Beispiel kann man bei der Suche nach Produkten die Filter „vegan“ und „neu“ einstellen, sodass man Neuheiten direkt angezeigt bekommt. Ansonsten verbringe ich auch einfach etwas mehr Zeit beim Einkaufen und schau mir die Zutatenlisten genau an. Manchmal stelle ich auch Produktanfragen an den Hersteller, da nicht bei allen Zutaten (z. B. Aroma) klar ist, ob sie tierischen oder pflanzlichen Ursprungs sind. Ab und zu werde ich natürlich auch von Instagram inspiriert, einerseits von den Herstellerseiten und ihren Werbeposts und andererseits von anderen Bloggern.“

Auf vegan.ist.einfach postet Kathi regelmäßig ihre Neuentdeckungen an veganen Produkten auf dem Markt. Foto: Katharina

Auf vegan.ist.einfach postet Kathi regelmäßig ihre Neuentdeckungen an veganen Produkten auf dem Markt. Foto: vegan.ist.einfach

Satt essen ist das A und O

WE: „Was ist Dein Tipp für Einsteiger?“

Kathi: „Folgt mir auf Instagram. Nein Spaß! Mein Tipp ist, sich wirklich satt zu essen! Ich glaube einige brechen den Versuch, vegan zu leben, ab, weil sie einfach nicht satt werden. Wenn man auf einmal viel Obst und Gemüse isst, muss man eben auch größere Mengen essen. Hülsenfrüchte wie Kichererbsen und Kidneybohnen sichern die Proteinversorgung und halten etwas länger satt. Gute Fette wie aus Nüssen oder Samen darf man auch nicht vergessen. Wenn ihr Lust auf Fleischersatz habt: Probiert euch durch! Die Sachen schmecken alle total unterschiedlich.

Auch bei Tofu nicht aufgeben, da gibt es so viele Zubereitungsmethoden, ich glaube am Anfang findet den fast jeder schrecklich. Und verbietet euch keine Süßigkeiten, wenn ihr Lust darauf habt, sucht einfach nach veganen Varianten. Es gibt zu allem eine Alternative! Mir hat einfach dieses Durchprobieren geholfen, den Umstieg zu schaffen. Ich hatte gar keine Zeit, an tierische Produkte zu denken, weil ich so viel Neues ausprobieren wollte.“

WE: „Wie veganfreundlich findest Du Würzburg?“

Kathi: „Also verglichen mit meiner ländlichen Heimatstadt finde ich Würzburg sehr veganfreundlich. Sowohl die Supermärkte als auch die Gaststätten bieten eine größere Auswahl an. Es gibt ja sogar Restaurants und Cafés, die sich auf vegetarisch/vegan spezialisiert haben. Nur die Lieferdienste lassen etwas zu wünschen übrig muss ich sagen. Veganer Käse auf der Pizza ist da die totale Ausnahme und eine vegane Sparte in der Speisekarte gibt es auch äußerst selten. In meinen Story-Highlights habe ich auch ein paar vegane Würzburg-Impressionen gespeichert.“

WE: „Wie stehst Du zu Marken, die Produkte mit Fleisch und gezielt Produkte für Veganer anbieten – wie zum Beispiel Rügenwalder Mühle?“

Kathi: „Ich verstehe auf jeden Fall die kritischen Stimmen dazu, aber ich sehe auch die positive Seite. Klar verdient ein Fleischproduzent Geld, wenn man diese Sachen kauft, jedoch fördert man trotzdem den veganen Teil der Produktion und unterstützt nicht direkt die Fleischherstellung. Ist die Nachfrage nach veganen Produkten dieser Firma groß, werden sie auch mehr Veganes produzieren. Rügenwalder Mühle hat viel Kritik abbekommen, da sie natürlich mit ihrer Marke traditionell für Fleisch stehen.

Andere Fleischersatzproduzenten gehören aber ebenfalls sehr oft zu Großkonzernen, die auch tierische Produkte herstellen. Wenn man diese alle boykottieren würde, könnte man fast gar nichts mehr kaufen. Ich versuche einfach mal hier und mal dort einzukaufen, probiere mal was von Rügenwalder Mühle, unterstütze aber auch sehr gerne Bioproduzenten. Nur Nestlé versuche ich zu meiden.“

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