Das Café Cosmo setzt auf Glasstrohhalme, doch wie kam es zu der Entscheidung? Foto: Café Cosmo
Das Café Cosmo setzt auf Glasstrohhalme, doch wie kam es zu der Entscheidung? Foto: Café Cosmo

Gastbeitrag: Café Cosmo – der erste Schritt zu umweltfreundlicherer Gastronomie

Gastbeitrag von Laura und Gregor, Café Cosmo.

Wie so viele Menschen unserer Generation haben auch wir uns Gedanken gemacht, wie wir unsere Umwelt schonen und die Berge von Plastik verringern können. In unserem letzten Urlaub in Mosambik waren wir so von den sauberen Stränden Afrikas erstaunt und mussten an die von Müll und Plastik übersäten Strände in den Vereinigten Staaten denken. Zu diesem Zeitpunkt fassten wir den Entschluss, dass wir – sollten wir mal einen gastronomischen Betrieb führen – auf Plastikstrohhalme verzichten werden. Als es nun tatsächlich dazu kam und wir Alternativen gesucht haben, war dies aber gar nicht so einfach, auf Plastik etc. verzichten zu wollen.

Welche Alternative wählen zum Plastikstrohhalm?

Selbstverständlich kommen einem schnell die bekannten Alternativen in den Sinn, aber auch hier muss man genau recherchieren und die gesamte Wertschöpfungskette im Blick haben. Manch eine Alternative fällt auch schon aufgrund von rechtlichen Bestimmungen und Regelungen in der Gastronomie weg. Papierstrohhalme, welche bereits vor zwei, drei Jahren stark im Trend lagen und in grellen Farben aus den Cocktailgläsern strahlten, sind in genauerer Betrachtung doch nicht mehr so attraktiv, wie auf den ersten Blick. Zum einen handelt es sich um Einwegstrohhalme und sie sind in der Regel gebleicht und / oder mit nicht ganz so umweltfreundlichen Farben bedruckt, sowie chemisch behandelt, damit die Strohhalme nicht gleicht „lapprig“ werden, sobald sie mit Feuchtigkeit in Berührung kommen. Auch Nudeln werden gerne als Alternative genannt, eignen sich aber nicht für Heißgetränke.

Die Gastronomische Faustregel

Betrachtet man also die komplette Ökobilanz sowie das Einsatzfeld, kann die Wahl eigentlich nur auf Mehrwegstrohhalme fallen. Manche Kritiker als auch Verfechter von Plastikstrohhalmen kommen gerne mit dem Argument, dass das Recyclen von Plastikstrohhalmen – eine fachgerechte Entsorgung vorausgesetzt – umweltfreundlicher und eine bessere Ökobilanz aufweist als das Recyclen von Metall- und Glasstrohhalmen, da diese sehr stark erhitzt werden müssen, um wieder eingeschmolzen werden zu können, um schließlich zurück in den Kreislauf gelangen zu können.

Glasstrohhalme in der Gastronomie

Aufgrund der Mehrfachbenutzung relativiert sich dieser augenscheinliche Vorteil aber sehr schnell. Als Faustregel wird in Fachkreisen jedoch verlautet, dass sich alle Produkte, welche mehr als 20mal benutzt werden können, in der Regel umwelttechnisch immer lohnen und eine bessere Ökobilanz aufweisen werden. Da die Hersteller von Glasstrohalmen in der Regel eine 1.000fache Nutzung versprechen, kann man sich leicht vorstellen, wie viele Säcke mit Plastikmüll in einem Jahr pro Betrieb eingespart werden können.

Kleinvieh macht auch Mist

Selbstverständlich bedeutet der Einsatz von Glasstrohhalmen erstmal einen Mehraufwand aufgrund der Reinigung etc. Jedoch entfällt auch der Einkaufsprozess der Plastikstrohhalme (Hinfahrt, Rückfahrt, auspacken, Verpackung entsorgen usw.). Die wichtigere Frage ist jedoch, wie viel Aufwand darf es sein, um unseren Planeten zu erhalten?! Selbstverständlich ist uns bewusst, dass das Café Cosmo durch den Einsatz von Glasstrohhalmen den Klimawandel nicht aufhalten wird und es mit Sicherheit auch bei uns noch tausend Dinge gibt, welche man anders machen könnte oder durch umweltfreundlichere Substitute ersetzen könnte. Aber jeder muss für sich einen Anfang finden und wie sagt man so schön, auch Kleinvieh macht Mist. Wir haben jetzt mal mit den Strohhalmen angefangen und wer weiss schon, wo es enden wird.

Was halten die Glasstrohhalme aus?

Das ist eine gute Frage und nicht so leicht zu beantworten, da wir keine physikalischen Messwerte liefern können, anhand derer man vergleichen könnte, wie zerbrechlich die Glasstrohhalme sind. So viel können wir jedoch sagen: Ca. 10% der Strohhalme, welche auf den Boden fallen, zerbrechen sofort. In etwa verhält es sich so wie mit leeren Glasflaschen. Es kommt immer darauf an, wie der Untergrund beschaffen ist, in welchem Winkel die Halme aufkommen und mit welcher Geschwindigkeit (kinetische Energie usw.) besagte Glasstrohhalme den Boden treffen. Im alltäglichen Gebrauch und bei fachgerechter Nutzung kam es bisher noch nie zu einem Versagen der Glasstrohhalme.

Die Panik vor Glassplittern

Erst letzte Woche haben wir den Selbstversuch gemacht, da im Gespräch mit einer besorgten Mutti die Angst zu Tage kam, dass die Kinder die Glasstrohhalme zerbeißen könnten und wir der festen Überzeugung waren, dass die Kinder schon vorher von den Röhrchen ablassen würden, da die Zähne bereits vorher schmerzen würden. Lange Rede, kurzer Sinn: Wir haben uns einen Strohhalm geschnappt und herzhaft zugebissen. Aber auch wir haben nach kurzer Zeit davon abgelassen, da es zu viel Kraft bedarf, die Glasstrohhalme durchzubeißen. Wie bereits oben erwähnt, wird von Seiten der Hersteller die Angabe 1.000fache Nutzung angegeben.

Jedoch wird das die Zeit zeigen und wird schwer nachzuweisen bzw. zu widerlegen sein, da der einzelne Strohhalm leider keinen internen Zähler besitzt. Wie so oft wird es auf die Pflege und einen fachgerechten Gebrauch ankommen, wie lange die tatsächliche Lebensdauer der Strohhalme sein wird. Zu unhygienisch kann es unserer Meinung nach nicht werden oder schmeißt ihr eure Unterhosen oder Socken irgendwann weg, weil sie nach der zwanzigsten Wäsche auf einmal zu unhygienisch sind…? Klar, kommt irgendwas Ungeplantes außerhalb der Norm dazwischen, empfiehlt es sich manchmal den Strohhalm oder die Unterhose lieber wegzuwerfen, aber das ist uns bisher in beiden Fällen die letzte Zeit zum Glück erspart geblieben.

Positives Feedback

Wir sind sehr zuversichtlich, was das Thema Glasstrohhalm angeht und denken einen ERSTEN Schritt in die richtige Richtung gegangen zu sein. Aber ein Schritt macht noch keine Wanderung, das ist uns bewusst, der Weg ist lang und beschwerlich. Aber jede Reise beginnt mit dem ersten Schritt. Bis auf gaaaaanz wenige Ausnahmen sind unsere Gäste durch die Bank von den Glasstrohhalmen begeistert und geben positives Feedback. Die Ausnahmen können wir bisher an einer Hand abzählen und die wird es auch immer geben – das ist ja auch das schöne in unserer Welt, dass eben nicht alle Menschen gleich ticken und jeder einen anderen Geschmack hat.

Anmerkung der Redaktion

Gastbeiträge geben nicht automatisch die Meinung der Redaktion wieder. Sie sollen zur Debatte anregen  – so wie auch jeder gute Kommentar auf Facebook. Wir geben deshalb allen unseren Lesern die Chance, ihre Meinung bei uns zu veröffentlichen und diese diskutieren zu lassen. Wir freuen uns über Gastbeiträge zu allen Themen an: redaktion@wuerzburgerleben.de

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