Die Zentralstelle Cybercrime Bayern (ZCB) mit Sitz in Bamberg. Foto: Zentralstelle Cybercrime Bayern (ZCB)
Die Zentralstelle Cybercrime Bayern (ZCB) mit Sitz in Bamberg. Foto: Zentralstelle Cybercrime Bayern (ZCB)

Kinderporno-Verdacht in Würzburg: Was ist die „Zentralstelle Cybercrime Bayern (ZCB)“?

Nach dem Fund unzähliger Kinderpornos bei einem Sprachtherapeuten aus Würzburg, laufen die Ermittlungen weiter auf Hochtouren. Der Fall war am Donnerstag bekannt geworden und hatte bundesweit Aufsehen erregt. Der tatverdächtige Logopäde sitzt aktuell in Untersuchungshaft, sein Partner war nach ersten Ermittlungen wieder freigelassen worden. Sichergestellt wurden davor eine dreistellige Anzahl von Bild- und Videodateien, die der dringend Tatverdächtige selbst angefertigt und im sogenannten Darknet verbreitet haben soll.

Die Ermittler der Zentralstelle Cybercrime Bayern (ZCB) waren im Rahmen eines umfangreichen Ermittlungsverfahrens zur Verbreitung von Kinderpornographie im „Darknet“ auf das Material gestoßen, das über den gemeinsamen Internetanschluss der Beschuldigten verbreitet worden war.

Doch was genau ist die „ZCB“ , die ihren Sitz bei der Generalstaatsanwaltschaft in Bamberg hat eigentlich und für welche Art der Kriminalitätsbekämpfung ist diese zuständig?

Waffen, Drogen, Kinderpornographie

Seit dem 1. Januar 2015 besteht bei der Generalstaatsanwaltschaft Bamberg die Zentralstelle Cybercrime Bayern (ZCB). Im Bereich der Cyberkriminalität ist sie bayernweit zuständig für die Bearbeitung herausgehobener Ermittlungsverfahren. Auch als Reaktion auf die islamistischen Terroranschläge in Ansbach und Würzburg sowie den Amoklauf in München verstärkt der Freistaat Bayern seine Zentralstelle für Cybercrime (ZCB) in Bamberg ständig.

Mit ihren wachsenden Aufgaben derzeit arbeiten dort 14 Staatsanwältinnen und Staatsanwälte sowie drei IT-Referenten, die mit IT-Spezialisten der bayerischen Polizei, des Bundeskriminalamts und mit internationalen Partnern zusammenarbeiten.

Die Fahnder ermitteln z.B. bei Angriffen auf bedeutende Wirtschaftszweige oder bei Verfahren aus dem Bereich der organisierten Cyberkriminalität. Auch dann, wenn bei Verfahren der Allgemeinkriminalität ein hoher Ermittlungsaufwand im Bereich der Computer- und Informationstechnik abzuarbeiten ist, werden die Staatsanwälte der Zentralstelle tätig.

Die Zentralstelle Cybercrime Bayern (ZCB) mit Sitz in Bamberg. Foto: Zentralstelle Cybercrime Bayern (ZCB)

Die Zentralstelle Cybercrime Bayern (ZCB) mit Sitz in Bamberg. Foto: Zentralstelle Cybercrime Bayern (ZCB)

Die bearbeiteten Fälle sind vielfältig: Sie reichen von Hackerangriffen über Fälle des Vorkasse-Betrugs im Internet, z. B. durch professionelle sog. Fake-Shops, und Fälle von Ransomware bis hin zum Handel mit Waffen, Drogen, Falschgeld und Kinderpornographie im „Darknet“.

Ermittlungen im Bereich der Kinderpornographie machen etwa ein Drittel der Bamberger Fälle aus. Das Aufspüren von Bildern und Videos im Darknet ist dabei sehr aufwendig und auch extrem belastend für die Ermittler.

Hinweise auf solche Fälle erhalten die Fahnder dabei zusätzlich von Internetprovidern oder ausländischen Strafverfolgungsbehörden wie z.b. Interpol oder dem FBI. Dabei hat immer eines Priorität: Die Opfer aus Missbrauchssituationen herauszuholen – also Fälle zu übernehmen, in denen Kinder möglicherweise noch immer leiden.

Viel Arbeit im Würzburger Fall

Im aktuellen Würzburger Fall haben die Fahnder jedenfalls noch sehr viel Arbeit vor sich. Es gibt eine Vielzahl von Ermittlungsansätzen, denen sie nachgehen müssen, um die möglichen Opfer zu identifizieren. Das Ausmaß des Missbrauchs ist noch unklar. Es geht um eine dreistellige Zahl von Foto- und Videoaufnahmen.

Noch wissen die Ermittler nicht genau wie viele Kinder tatsächlich betroffen sind. Fest steht bislang aber, dass es sich ausschließlich Jungen im Kindergartenalter handelt. Die Videos und Bilder zeigen tatsächlich sexuelle Handlungen.

Unter anderem wurde eine Kindertagesstätte am Heuchelhof durchsucht. Foto: Pascal Höfig

Unter anderem wurde eine Kindertagesstätte am Heuchelhof durchsucht. Foto: Pascal Höfig

Am Mittwochabend hatten die Ermittler insgesamt zehn Objekte durchsucht. Spezialeinsatzkräfte und Beamte des Bundeskriminalamtes (BKA) unterstützten die Fahnder der Zentralstelle Cybercrime Bayern (ZCB) und der Polizei Unterfranken. Neben der Wohnung des Tatverdächtigen wurden Praxen und eine Kindertagesstätte am Heuchelhof durchsucht.

Wie Oberstaatsanwalt Christian Schorr von der Zentralstelle Cybercrime Bayern sagte, gilt es jetzt zu analysieren, was genau zu sehen ist. Hierbei konzentriert man sich auch auf dass, was im Hintergrund zu sehen ist, um die Örtlichkeit genauer zu bestimmen. Die Ermittler müssen also hunderte Videos und Bilder sichten – kein einfacher Job.

Wichtige Arbeit der ZCB

Es gibt fast kein Verbrechen mehr, das nicht auch im Internet stattfinden kann. Kinderpornographie, Betrügereien, Waffen- und Drogenhandel sorgen also für reichlich Arbeit für die Internet-Ermittler. Die hohe Zahl der Ermittlungsverfahren, die die ZCB gegen bekannte und unbekannte Beschuldigte führt, zeigt die große Bedeutung dieser Einrichtung.

Der Erfolg der Zentralstelle zeigt sich bereits an den Verfahrenszahlen: Gingen bei der ZCB im Jahr 2016 insgesamt 1.545 Ermittlungsverfahren ein, waren es 2017 bereits 2.081 Ermittlungsverfahren. Bis zum 31. Dezember 2018 wurden sogar 5.404 Ermittlungsverfahren erfasst – eine weitere Steigerung der Eingangszahlen um mehr als 100 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

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