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Individuelle Wohnberatung durch das Kommunalunternehmen Würzburg. Foto: JackF/stock.adobe.com
Individuelle Wohnberatung durch das Kommunalunternehmen Würzburg. Foto: JackF/stock.adobe.com

Wohnberatung: Barrierefrei umbauen mit Rat vom Profi

Eine Verletzung kann den Alltag ganz schön aus dem Gleichgewicht bringen. Vor allem, wenn man danach mit dauerhaften Schäden zu kämpfen hat, können die eigenen vier Wände zur Herausforderung werden. Auch im Alter wird man durch einfache Dinge wie das Treppensteigen vor neue Probleme gestellt. Doch bevor man sich für einen Umzug in ein Pflegeheim entscheidet, sollte man sich beraten lassen. Das Kommunalunternehmen des Landkreises Würzburg hat ein breit gefächertes Beratungsangebot zu den Themen Behinderung, Unfall und Alter. Das bietet sich auch an für Kinder, die sich um die Vorsorge für ihre Eltern kümmern möchten. Die Vor-Ort-Beratung ist kostenlos.

Trautes Heim statt Pflegeheim

Im Wohnzimmer von Familie Müller flattert eine Blaustirnamazone durch den ausladenden Käfig, immer wieder kreischt der Ziervogel aufgeregt. Der Raum ist gemütlich eingerichtet und in nur wenigen Schritten erreicht man das Badezimmer. Dort glänzen silberne Haltegriffe an der Wand. Eine geräumige, rundum verglaste Dusche, bodengleich und mit einem weißen Hocker. Die Außenseite des unterfahrbaren Waschbeckens wölbt sich halbrund nach innen.  Vor  einem Jahr ließ die Familie ihr Badezimmer behindertengerecht umbauen. Dafür holten Sie sich Unterstützung vom Kommunalunternehmen. Tobias Konrad und Elisabeth Kahr sind zertifizierte Wohnberater vom Kommunalunternehmen des Landkreises Würzburg und beide sind für die Wohnberatung im Landkreis Würzburg zuständig. Sie helfen Pflegebedürftigen und Menschen mit Behinderung dabei, bauliche Veränderungen zu planen. Kosten für die Beratung entstehen keine. Das Angebot der Wohnberatung gibt es bereits seit 2014.

Unterwegs im ganzen Landkreis

Konrad und Kahr legen oft weite Wege zurück, um sich die Privatwohnungen anzuschauen. Die wichtigsten Werkzeuge sind ein Zollstock und vor allem Unterlagen zur DIN 18040-2. An diese Standards müssen Umbaumaßnahmen nämlich zumindest angelehnt sein, wenn man Zuschüsse beantragen möchte. Zwei Termine pro Woche schaffen die beiden Wohnberater im Durchschnitt. „Seit der Einführung der Wohnberatung ist der Andrang ungebrochen. Die Leute müssen sich auf etwa ein- bis eineinhalb Monate Wartezeit einstellen“, berichtet Konrad. Meistens werden die Wohnberater  wegen eines Badumbaus angefragt; da haben die Leute die meisten Schwierigkeiten. Danach folgt die Überwindung von Ebenen in oder vor der Wohnung. Umbauten in Schlafzimmern und Küchen sind eher selten“, so Kahr. Viele Barrieren nähmen die Bewohner vorher gar nicht wahr. „Ich deute manchmal auf eine Stufe, und erstaunt stellen die Leute dann erst fest, dass die wirklich stört.“ Gemeinsam mit den Ratsuchenden suchen die Wohnberater alltagstaugliche Lösungen. Herr Müller war einer der ersten Fälle von Herrn Konrad: Im Herbst 2014 las der Rentner einen Zeitungsartikel über das neue Angebot der Wohnberatung und vereinbarte einen Termin. Herr Müller hatte sich vor dem Termin mit Herrn Konrad genau Gedanken gemacht. In einem Badstudio probierte er zum Beispiel, welche bodengleiche Duschvorrichtung für ihn passt. Er entschied sich für eine barrierefreie Lösung im gesamten Badezimmer. Mit Wohnberater Konrad wurden beim vor Ort Termin die letzten Barrieren analysiert und beseitigt. Der Wohnberater half auch bei Rückfragen vom Landratsamt welche die Umbaumaßnahme mit finanziert haben.

Finanzielle Unterstützung erhalten

Solche Anpassungen des Wohnraums schlagen ordentlich auf das Portemonnaie. Um die 15.000 Euro solle man laut Konrad für eine Badsanierung mindestens einplanen. Finanzielle Hilfe gibt es zum einen von der Pflegekasse: Die zahlt bis zu 4.000 Euro. Um subventioniert zu werden, müssen die Umbaumaßnahmen pflegeerleichternd sein. Das kann beispielsweise eine hohe Duschtasse sein, die im Zuge der baulichen Veränderungen bodengleich abgesenkt wird, oder ein Waschbecken, das so konstruiert ist, dass es mit einem Rollstuhl unterfahren werden kann. Außerdem gibt es noch Fördergelder vom Freistaat Bayern. Das sogenannte leistungsfreie Darlehen (zins- und tilgungsfrei) beträgt bis zu 10.000 Euro und muss in der Regel nicht zurückgezahlt werden. Hier ist eine fünfjährige Belegungsbindung zu beachten. Um die Finanzspritze zu bekommen, müssen einige Voraussetzungen stimmen, zum Beispiel muss eine körperliche Einschränkung vorliegen, und bestimmte Einkommensgrenzen dürfen nicht überschritten werden. „Das hängt auch immer von der individuellen Situation ab“, weiß Konrad. Er konstatiert: „Man muss sich mit den baulichen Gegebenheiten arrangieren und daraus das Beste machen.“

Jeden Tag eine Erleichterung

Herr Müller ist sehr glücklich über sein neues Badezimmer: „Vorher waren zwei Waschbecken nebeneinander und es gab noch eine Badewanne. Den Rollstuhl konnte ich kaum manövrieren. Ich konnte mich nicht drehen, es war viel zu eng“, resümiert er. „Das umgebaute Badezimmer ist jeden Tag eine Erleichterung.“ Den bürokratischen Aufwand findet er allerdings nicht unerheblich: Anträge ausfüllen, Unterlagen besorgen, Informationen bekommen. Und in Zukunft? Laut den beiden Wohnberatern werden sogenannte AAL-Systeme (AAL: Ambient Assisted Living) eine immer wichtigere Rolle spielen. Dieses „umgebungsunterstützte Leben“ basiert auf neuen Techniken, vor allem Robotik oder Automatisierung. Diese reichen von Fernsteuerungsfunktionen, zum Beispiel um Elektrogeräte oder Beleuchtungen zentral auszuschalten, über Gefahrenmeldungssysteme bis Selbstreinigungsmechanismen.

Bei weiteren Fragen zu Umbaumaßnahmen oder Wohnungsanpassungen kann man sich bei den beiden zertifizierten Wohnberatern des Kommunalunternehmens des Landkreises Würzburg melden:

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