EInwegbecher. Symbolfoto: Dominik Ziegler
Einwegbecher. Symbolfoto: Dominik Ziegler

Kaffeebecher mit Pfand: eine Idee für Würzburg?

Wer kennt es nicht: vor der Arbeit oder in der Mittagspause schnell noch einen Coffee-to-go geholt, und das im einfachen Pappbecher, weil man seinen Mehrwegbecher Zuhause vergessen hat oder sich zu bequem ist, ihn mitzunehmen – wenn man denn überhaupt einen besitzt. So ein Pappbecher ist ja deutlich praktischer, er wird einfach im nächsten Mülleimer entsorgt. Dagegen gibt es in einigen Städten, wie zum Beispiel Nürnberg, schon eine Lösung: Kaffeebecher mit Pfand, die bei mehreren Anbietern einfach wieder zurück gegeben werden können. Wäre das auch eine Idee für Würzburg?

Aktion „RECUP“ gegen Pappbecher

Einwegbecher sind in der To-go-Variante die Regel, und das obwohl es häufig die Möglichkeit gibt, seinen eigenen Mehrwegbecher mitzubringen und befüllen zu lassen. In Deutschland werden rund 2,8 Milliarden Einwegbecher jährlich für den Coffee-to-go verwendet und anschließend entsorgt. Das macht 320.000 Becher pro Stunde, so heißt es auf der Website von RECUP. Dem wird durch das Pfand-System entgegengewirkt und der jährliche Ressourcenverbrauch von 40.000t Müll für die rund 43.000 Bäume sterben müssten, vermieden. Teilnehmen können an der Aktion alle Kaffeeanbieter, auch für Unternehmen mit Kantine gibt es Inhouse-Lösungen.

So funktioniert RECUP

RECUP ist eine Vernetzung von unterschiedlichen Kaffeeanbietern. Dort sind die Mehrwegbecher (inklusive Deckel, die für 1,30 Euro dazu gekauft werden können und dann behalten und wiederverwendet werden können) für ein Pfand von 1€ erhältlich. Die Becher sind in drei verschiedenen Größen und in unterschiedlichen, teilweise auch städtespezifischen, Designs erhältlich und bestehen aus Kunststoff. Ist der Kaffee leer, kann man den Becher ganz einfach an einer der RECUP-Partner deutschlandweit wieder abgeben und erhält sein Pfand zurück.

Gute Erfahrungen in anderen Städten

Teilnehmende Stellen kann man beispielsweise in der RECUP-App finden. In Würzburg gibt es bereits einen Anbieter, der mitmacht: bei Hülsemann’s am Marktplatz ist der Pfandbecher schon zu haben. Ein positives Beispiel für die Aktion ist die Stadt Nürnberg, wo es alleine am Hauptbahnhof schon neun Ausgabestellen gibt. Vor allem Reisende und Pendler greifen häufig zum Coffee-to-go. Gute Erfahrungen hat die Stadt bereits im Tiergarten gemacht, wo der Pfandbecher schon länger an den Kiosken erhältlich ist, so ein Bericht von nordbayern.de.

Angesichts dessen, dass der Würzburger Hauptbahnhof die Funktion eines Umsteigebahnhofs besitzt, an dem sich täglich Pendler aus ganz Deutschland bewegen, wäre die Aktion sicherlich auch eine sinnvolle Lösung für den großen Müllberg, der durch Pappbecher entsteht.

Plastik gegen Pappbecher?

Der Pfandbecher besteht aus Polypropylen, einem schadstofffreiem Kunststoff. Das mag im ersten Augenblick paradox klingen, aber das Unternehmen begründet die Wahl des Materials damit, dass es langlebiger und gut recyclebar ist und außerdem leicht transportierbar und stapelbar. So werden die Aspekte Langlebigkeit, Umweltbilanz und Komfort vereint. Dabei bleiben sie aber nicht auf der Stelle und sind weiterhin auf der Suche nach  umweltverträglicheren Materialien. Außerdem wird der Kaffeegeschmack nicht beeinflusst. 1.000 Pappbecher werden so durch einen Mehrwegbecher ersetzt.

Studentenwerk-Projekt gescheitert

Auch Studenten haben sich Gedanken darüber gemacht, wie der Papiermüll der To-Go-Becher vermieden werden kann. An der FHWS und der Uni Würzburg wurden zeitweise nur Tassen und Mehrwegbecher herausgegeben. Schnell ist das Projekt gescheitert, denn nun wurden Tassen als Einwegbecher umfunktioniert, weshalb rund 3.000 Tassen nachgekauft werden mussten. Nach kurzer Zeit wurden die Pappbecher wieder eingeführt, kurzzeitig gegen einen Aufpreis von 10 Cent, was aber schnell wieder abgeschafft wurde. Wer möchte, kann sich aber weiterhin überall einen Mehrwegbecher holen, der gegen Pfand auch wieder an allen Cafeterien des Studentenwerks abgegeben werden kann.

Traurige Realität: Überquellende Mülleimer und Einwegbecher so weit man schauen kann. Foto: Inka

Traurige Realität: Überquellende Mülleimer und Einwegbecher so weit man schauen kann. Foto: Inka

Übergreifendes Modell

Auch wenn es beim Unternehmen RECUP bisher nur einen Partner in Würzburg gibt, so gibt es in den Bäckereien „Webers“, „Rösner“ und „Köhlers Vollkornbäckerei“ Mehrwegbecher, die in allen Filialen wieder aufgefüllt oder zurückgegeben werden können. Generell ist es aber meistens nie ein Problem, seinen eigenen Thermobecher mitzubringen und auffüllen zu lassen.

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