Ihre größte Leidenschaft: Mode. Foto: Christine Wild
Ihre größte Leidenschaft: Mode. Foto: Christine Eggert

Christine begeistert über 24k Follower und das ganz ohne Gehör

Christine ist 28 Jahre alt und kommt ursprünglich aus der Nähe von Bad Mergentheim. Seit ein paar Monaten wohnt sie hier im schönen Würzburg, ist stolze Mama und begeistert mit Fashion und Lifestyle Bildern über 24 Tausend Follower auf ihrem Instagramaccount.

Klingt eigentlich völlig normal, doch Christine ist seit ihrer Geburt gehörlos. Wie sie ihr Leben trotzdem mit viel Lebensfreude meistert, wie das Leben ganz ohne Gehör so ist und was ihre Lieblingsorte in Würzburg sind, hat sie uns bei einem Interview verraten.

Christines Outfits sind immer Up to Date. Foto: Christine Wild

Christines Outfits sind immer Up to Date. Foto: Christine Eggert

Würzburg erleben (WE): Wie und wann bist du auf Instagram gekommen? Was magst du an der Plattform Instagram am liebsten?

Christine (C): Ich habe mich circa 2014 bei Instagram angemeldet. Anfänglich thematisierte ich vegane Ernährung und Fitness. Ungefähr ein Jahr lang zeigte ich Beiträge zu den genannten Themen und dann entdeckte ich Fashion und Beauty Blogger. Die Accounts fand ich mega interessant. Fashion und Beauty sind meine große Leidenschaft seit ich klein bin. Ich liebe Fashion und Beauty und bei Instagram gibt es so viele tolle Inspirationen zu den Themen. So lag es nicht fern, dass ich mich in meinem Profil ebenfalls diesen Themen zuwandte und Beiträge in diesem Bereich verfasste.

WE: Magst du uns vielleicht ein wenig über dein Leben ohne Gehör erzählen? Wie meisterst du deinen Alltag? Was sind die größten Schwierigkeiten?

C: Ich bin seit meiner Geburt gehörlos. Mit 7 Jahren habe ich ein CI (Chochlea Implantat) eingesetzt bekommen. Nun bin ich hochgradig schwerhörig und kann sprechen und einiges hören. Jedoch ist mein Sprechen nicht zu vergleichen mit dem Sprechen von hörenden Menschen. Ich habe erst spät in meiner Entwicklung mit Sprechübungen angefangen und war nicht so eifrig dabei. Meine größten Schwierigkeiten sind z.B. besonders laute Geräusche, da habe ich dann Hörprobleme und bin auf die Gebärdensprache angewiesen.

Eine weitere Schwierigkeit sind die Unterschiede im Sprechen und der Kommunikation. Manche Menschen verstehe ich problemlos, andere überhaupt nicht. Oftmals ist man auf schriftliche Kommunikation angewiesen, das ist jedoch sehr zeitaufwendig und mühsam.

Christine begeistert über 24 Tausend Follower auf Instagram. Foto: Christine Wild

Christine mit ihrem CI. Foto: Christine Eggert

Jedoch gibt es nicht nur Hürden und Schwierigkeiten. Die Gebärdensprache ist eine wunderschöne Sprache, mit viel Mimik, starkem Ausdruck und toller Bildhaftigkeit. Die Sprache ist so positiv und freundlich. Die meisten von meinen Freunden sind gehörlos und zusammen haben wir eine wunderbare Zeit, besuchen Gehörlosentheater, Vorträge über Reisen, verschiedene Veranstaltungen und tauchen ein in die Gehörlosenkultur. In dieser Sprache und Gemeinschaft fühle ich mich wohl.

Ein wichtiger Punkt ist das Wort „taubstumm“. Viele Menschen benutzen es, da es an Aufklärung fehlt. Aber wir Hörgeschädigten sind nicht „taubstumm“. Es ist ein veralteter Begriff aus dem 18. Jahrhundert, als Hörgeschädigte unterdrückt und diskriminiert worden sind. Die Begriffe „taub“ oder „gehörlos“ passen besser und sind wertneutraler.

WE: Du postest ja auf Instagram auch immer wieder Videos in Gebärdensprache: Wie ist es für dich mit Hörenden zu kommunizieren? Kann man in Würzburg auch die Gebärdensprache lernen?

C: Ja, hin und wieder poste ich ein Video in Gebärdensprache. Dies ist jedoch sehr aufwendig, denn ich muss es bearbeiten und Untertitel hinzufügen. Das bedarf viel Zeit, aber nur so können es auch hörende Zuschauer verstehen. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, Gebärdensprache zu erlernen, z.B. werden Kurse an der Universität oder Volkshochschule angeboten. Es wäre toll und auch wichtig, wenn hörende Menschen die Gebärdensprache beherrschen würden.

Sie liebt es mit ihrer kleinen Tochter zu spielen. Foto: Christine

Sie liebt es mit ihrer kleinen Tochter zu spielen. Foto: Christine Eggert

WE:Reisen ist eine große Leidenschaft von dir: Was war bis jetzt deine schönste Reise?

C: Meine schönste Reise war in die Dominikanischen Republik und nach Kroatien. Doch ich möchte unbedingt mehr Länder besuchen und kennenlernen. Mein größter Wunsch ist es, die USA und Thailand zu bereisen. Doch auch in die Dominikanische Republik würde ich gern nochmal.

WE: Was ist dein absoluter Lieblingsort hier in Würzburg?

C: Würzburg, die Stadt, gefällt mir sehr gut. Ich liebe die Altstadt, die Mainbrücke, den Marienberg und die Residenz! Und auch die Umgebung mit den schönen Weinbergen finde ich traumhaft. Im Sommer liebe ich es, direkt am Fluss zu picknicken oder in einem charmanten Café gemütlich einen Kaffee zu trinken.

WE: Was sind deine Pläne für die Zukunft?

C: Das ist eine gute Frage! Ich mache bis jetzt Instagram nebenbei und es macht mir sehr viel Spaß. Ich könnte mir für meine Zukunft vorstellen, mich selbstständig im Bereich der Wimpernverlängerung zu machen oder in einem Nagelstudio zu arbeiten. Was in zehn Jahren ist, kann man nie wissen, was wird mit Instagram sein? Ich möchte jedoch versuchen, so bei Instagram weiterzumachen und meine Reichweite noch ein wenig zu vergrößern und zu erweitern.

WE: Was magst du unseren Lesern noch mitgeben?

C: Ich möchte den Lesern gern mitgeben, dass hörgeschädigte und hörende Menschen gleichberechtigt und zusammen in einer Gesellschaft leben sollen. Es wäre toll, wenn alle hörenden Menschen Gehörlosigkeit akzeptieren und Barrieren abgebaut werden. Klasse wäre es auch, wenn viele hörende Menschen Gebärdensprache erlernen, durch z.B. ein Wahlfach in der Regelschule. Oder einfach nur Bereitschaft zeigen, ein paar Gebärdenzeichen zu erlernen. Das ist nicht schwer und macht Spaß!

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