Johannes Brahms mit Verlobungsring und seine Jugendliebe Agathe von Siebold. Archiv: Willi Dürrnagel
Johannes Brahms mit Verlobungsring und seine Jugendliebe Agathe von Siebold. Archiv: Willi Dürrnagel

Ein kurzer Traum vom Glück: Brahms, die Familie Siebold und Würzburg

Einen kurzen Traum vom Glück gab es für Johannes Brahms und Agathe von Siebold. Für Würzburg und besonders die vielen Siebold-Freunde in unserer Stadt ist ein Zusammenhang zwischen Brahms, der von 1833 bis 1897 lebte, und einem Mitglied der großen Siebold-Familie interessant. In unserer Stadt ist kaum bekannt, dass die Tochter Agathe des in Würzburg am 18. März 1801 geborenen Professors der Medizin und Geburtshilfe, Doktor der Philosophie, Medizin und Chirurgie Eduard von Siebold, der hier auch seine Kindheit verbrachte, mit Johannes Brahms 1858 verlobt war. Diese Verlobung dauerte aber nicht lange, sie wurde „jedoch bald wieder fluchtartig gelöst“. Brahms schreibt Agathe: „Fesseln tragen kann ich nicht“. 1930 erschien auch eine Biographie über Agathe von Siebold. Sie wurde von Emil Michelmann geschrieben und trägt den Titel „Agathe von Siebold – Johannes Brahms Jugendliebe“.

Johannes Brahms

Johannes Brahms starb am 3. April 1897, im Alter von 63 Jahren an Leberkrebs. Er wurde auf dem Wiener Zentralfriedhof neben Beethoven und Schubert beigesetzt. Brahms vier Symphonien sind aus den Konzertsälen nicht wegzudenken und das Wiegenlied „Guten Abend, gut´ Nacht“ kennt fast jedes Kind. Schon zu Lebzeiten hatte er Erfolg, was bei größeren Komponisten selten vorkommt. Mehrmals ist auch schon im Fernsehen ein „unartiger“ Brahms-Film gesendet worden, in dem auch sein Verhältnis zu Agathe von Siebold dargestellt wird.

Familie Siebold

Agathe von Siebold wurde am 5. Juli 1835 in Göttingen als Tochter Eduard von Siebolds geboren. Eduard von Siebold wurde am 11. April 1833 nach Göttingen „als neue Zierde seiner Fakultät“ berufen. Eduard entstammte der alten Gelehrtenfamilie Siebold. Sein Großvater war der berühmte Chirurg Carl Caspar, Professor der Geburtshilfe, Anatomie und Chirurgie, Oberwundarzt am Juliushospital zu Würzburg, als Fürstlich Würzburgischer Hofrat am 1. Oktober 1801 durch den Reichsadel ausgezeichnet. Eduards Vater Adam Elias, ein Bruder von Philipp Franz von Siebold, des bekannten „Japan-Siebold“, vermählte sich mit der ältesten Tochter des Fürstlich Thurn und Taxisschen Leibarztes und Geheimen Rates Dr. von Schäffer, eines namhaften Schriftstellers in Regensburg.

Eduard von Siebold und seine Tochter Agathe von Siebold, verheiratetet Schütte. Archiv: Willi Dürrnagel

Eduard von Siebold und seine Tochter Agathe von Siebold, verheiratetet Schütte.
Archiv: Willi Dürrnagel

Eduard von Siebold

Der sehr beliebte und verdienstvolle Kgl. Hannov. Hofrat Professor Eduard von Siebold verschied am frühen Morgen des 27. Oktober 1861 in Göttingen. Sein Haus wurde zu seinen Lebzeiten auch gern von berühmten Musikern aufgesucht, die der Musiklehrer Julius Otto Grimm nach Göttingen brachte: von Clara Schumann und Jenny Lind, der schwedischen Nachtigall, von Hans von Bülow bis Joseph Joachim, dem „König der Geiger“ und natürlich von Johannes Brahms.

Lieder über die Familie Siebold

Grimm hat Frau Antonie von Siebold und der Nichte Agathe von Siebold je einen Zyklus von sechs Liedern gewidmet. Brahms fasste zu Siebolds Tochter Agathe eine tiefe Zuneigung. Viele Lieder, darunter das „Ständchen“, „Gute Nacht, mein lieber Schatz“ und der „Brautgesang“ (nie gedruckt) wurden von diesem „Liebesssommer“ 1858 beeinflusst. Zu einer endgültigen festen Bindung kam es nicht, da Brahms keine „Fesseln“ tragen wollte. Im Agathen-Sextett (Sextett Nr. 2 G-dur op. 36) von 1864/1865 hat er sich dann von seiner „letzten Liebe“ gelöst.

Agathe von Siebold

Agathe von Siebold war auch eine gute Sängerin und wurde von Julius Otto Grimm unterrichtet. „Meiner liebenswürdigen Freundin, Fräulein Agathe von Siebold, auch Nachtigall genannt“, schrieb der berühmte Chemiker Freiherr Justus von Liebig auf seine Photographie, die er im März 1865 an Agathe schickte. Agathe von Siebold heiratete am 28. April 1868 den Kgl. Preußischen Sanitätsrat und praktischen Arzt Carl Schütte. Sie starb vor 110 Jahren, am 1. März 1909, und wurde am 4. März 1909 auf dem Göttinger Friedhof beigesetzt.

Königlicher Heiratswunsch an Agathes Großvater

Adam Elias von Siebold hatte ebenfalls in Würzburg eine Professur erhalten, ging aber dann an die Universität Berlin. In Bayern wurde der Verlust des einflussreichen Mannes sehr beklagt, und die Verdienste, die er sich um seine Heimatstadt und nicht zuletzt auch um Kissingen erworben hatte, blieben unvergessen. König Ludwig I. schrieb es ihm mit eigener Hand. Der Brief ist besonders interessant, weil er das hohe Ansehen des Gelehrten offenbart. Ludwig der Erste forderte nichts weniger von ihm, als eine Heirat seiner Tochter zu vermitteln und zwar mit einem Prinzen aus dem Hohenzollernhaus, demselben Wilhelm, dem der zweite Ludwig später in Versailles die Kaiserkrone angetragen hat. Wörtlich: „…Ihren großen Einfluss kennend und ihre wohlbewährte Anhänglichkeit an Ihr altes Vaterland, äußere ich Ihnen meinen lebhaften Wunsch, dass, stehen sich beyde einander an, Prinz Wilhelm, Sohn des Königs, meine Tochter Mathilde eheliche…Geheimrat von Siebold vermag viel, das hat derselbe bereits bewiesen“.

Dieser Beitrag beruht auf Informationen von Willi Dürrnagel.

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