Nachtwächter Udo Siegler. Foto: Linda Amamra.
Nachtwächter Udo Siegler. Foto: Linda Amamra.

Würzburger Original: Der Nachtwächter

Wir laufen täglich an ihnen vorbei, begegnen ihnen im Alltag oder verbringen rauschende Partynächte in ihnen: Die Würzburger Originale! Doch wer steckt eigentlich hinter den Kneipen, was hat Kilian aus Irland nach Würzburg gebracht oder wo findet man als eingefleischter Schalke 04-Fan einen Zufluchtsort?

Würzburger Originale

Diese und viele weitere Fragen haben wir uns auch gestellt und ein paar echte Originale besucht. In unregelmäßigen Abständen werden wir immer wieder einige der Originale vorstellen. Dieses Mal: Der Nachtwächter!

Nachtwächter Udo Siegler im Nachtwächter-Stüble. Foto: Linda Amamra.

Nachtwächter Udo Siegler im Nachtwächter-Stüble. Foto: Linda Amamra.

Der Nachtwächter ist aus Würzburg gar nicht mehr wegzudenken. Mit Hellebarde (Spieß), Dreispitz, Horn und Laterne streift er abends durch die Gassen unserer Stadt und begeistert jährlich rund 50.000 Einheimische und Zugereiste mit fränkischer Mundart. Doch wer steckt eigentlich hinter dem Nachtwächter und was macht ihn zum Würzburger Original? Genau das wollten wir herausfinden und haben dem Nachtwächter Udo Siegler einige Fragen gestellt.

Würzburg erleben (WE): Wie bist du darauf gekommen, Nachtwächter zu werden?

Nachtwächter: Auf den Job als Nachtwächter bin ich durch eine Zeitungsannonce aufmerksam geworden. Da ich bereits seit vier Jahren als Gästeführer für Schifffahrtsgäste arbeite, hatte ich schon länger überlegt, Nachtwächter zu werden.

WE: Als Nachtwächter muss man ja ein „Alleskönner“ sein: fränkische Mundart beherrschen, sich in Würzburg auskennen und sogar fränkisch singen können.  Kann man nur als „waschechter Frangge“ Nachtwächter werden?

Nachtwächter: Unsere Nachtwächter sind alle Franken mit fränkischem Dialekt. Die Führungen sind mehr Kabarett als kunsthistorische Führungen. Ein fränkischer Humor (Achtung, trocken!) ist daher Voraussetzung für den Würzburger Nachtwächter.

WE: Wie ist aus einer historischen Figur der heutige Nachtwächter entstanden?

Nachtwächter: Der Nachtwächter hat im Mittelalter seine Runden durch die Stadt gedreht und dabei gesungen um die Bürger zu beruhigen. Ausgestattet mit einer Laterne zur Beleuchtung, einem Dreispitz, Hellebarde, Horn und einem Schlüsselbund streiften die Nachtwächter durch die Gassen, um Gesindel fernzuhalten und die Kirchen abzuschließen. Wenn Gefahr in Verzug war wurde das Horn geblasen, um den Turmwächter auf dem Grafeneckart zu informieren und Alarm zu schlagen.

WE: Wozu brauchst du das Horn? Ist es nur Deko oder benutzt du es auch?

Nachtwächter: Heute ist das Horn viel mehr Deko. Dennoch blase ich am Ende der Führung hinein. (Anmerkung der Redaktion: Es ist ziemlich laut!)

WE: Verstehen nur Franken den Nachtwächter?

Nachtwächter: Da unser Publikum gemischt ist, gibt es vorab eine kleine Sprachschule. Außerdem bemühen wir uns „hochfränkisch“ zu sprechen.

WE: Seit wann gibt es den Würzburger Nachtwächter?

Nachtwächter: Den heutigen Nachtwächter gibt es seit 1995, den historischen bereits seit dem Mittelalter.

WE: Welche Figuren verkörpern die Nachtwächter und welche Bedeutung haben sie?

Nachtwächter: Da gibt es den Schorsch. Der Schorsch ist ein typischer Spießbürger, der die Welt aus den Augen eines Würzburgers betrachtet. Zudem ist er ein Besserwisser und spricht natürlich nur fränkisch. Die Martkbärbel ist eine typische Marktfrau, auch besser bekannt als Klatschweib mit einer scharfen Zunge. Dann gibt es noch den Häcker Karl. Er ist ein typisches Wengertsbäuerle (Weinbauer).

WE: Warum ist der Nachtwächter für dich ein Würzburger Original?

Nachtwächter: Den Würzburger Nachtwächter gibt’s kein zweites Mal. Er ist einer, der die „Gschichtli“ und die Leute kennt, wenn er durch die „Gässli“ geht. Das macht ihn zum Würzburger Original.

Nachtwächter-Stüble. Foto: Linda Amamra.

Nachtwächter-Stüble. Foto: Linda Amamra.

Neben den Nachtwächterführungen kann man übrigens auch im Nachtwächter-Stüble in der Plattnerstraße auf Bestellung einen Frankenwein und eine Brotzeit einnehmen.

Dein „Würzburger Original“?

Wenn ihr noch weitere Ideen habt, wem wir mal einen Besuch abstatten sollten und wer den Titel „Würzburger Original“ redlich verdient hat, der kann seine Vorschläge gerne unter redaktion@wuerzburgerleben.de einreichen.

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