Marvin bei seiner Stammzellspende im Dezember. Foto: Lena Kaufmann
Marvin bei seiner Stammzellspende im Dezember. Foto: Lena Kaufmann

Von der Schulbank zum Lebensretter: Marvin über seine Stammzellspende

Marvin stammt aus der Nähe von Würzburg und ist Azubi zum technischen Produktdesigner. Klingt auf den ersten Blick recht normal für einen 20-Jährigen, doch im Dezember 2018 wurde er zum Lebensretter. Die DKMS hatte seinen genetischen Zwilling gefunden, der Blutkrebs hat und damit dringend auf gesunde Stammzellen wartet. Für Marvin war sofort klar, er möchte seinem Zwilling, einer Frau aus Russland, helfen. Allein in Deutschland bekommt alle 15 Minuten ein Mensch die Diagnose Blutkrebs, so Silke Müller von der DKMS.

Wir haben mit Marvin gesprochen, wie es überhaupt zu einer Spende kam, wie die Stammzellenspende so ablief und warum es wichtig ist, dass wir alle sagen „Stäbchen rein, Spender sein!“

Würzburg erleben (WE): Fangen wir vielleicht erstmal mit deiner Registrierung an.

Marvin (M): Ich habe mich im Frühjahr 2016 in meiner Berufsschule registrieren lassen. Natürlich war auch ein bisschen „Hauptsache kein Unterricht“ dabei, aber es war für einen guten Zweck, ich wollte es sowieso schon länger machen und da dachte ich mir, „Warum nicht“?.

Wann hat sich die DKMS gemeldet, dass dein genetischer Zwilling gefunden wurde? Wie war dein Gefühl dabei?

M: Sie haben sich irgendwann zwischen Oktober/November das erste Mal telefonisch bei mir gemeldet. Sie sagten mir gleich, dass sie vermutlich meinen genetischen Zwilling gefunden haben und haben gefragt, ob ich bereit wäre zu spenden.

Im ersten Moment war es natürlich erstmal ein kleiner Schock. Ich selbst hätte nie damit gerechnet, dass ich jemals wirklich spenden würde, ich meine, wie viele Leute lassen sich dort registrieren und werden nie als möglicher Spender ausgesucht. Aber für mich war sofort klar, ich werde definitiv spenden wenn es gebraucht wird. Ansonsten hätte ich mich ja gar nicht registrieren brauchen.

WE: Wie ging es dann weiter? Was ist alles geschehen, bis zur eigentlichen Stammzellenentnahme? 

M: Als Erstes wurde mir ein Blutentnahmeset gesendet. Mit diesem bin ich direkt zu meinem Hausarzt gegangen. Dort wurde mir dann Blut entnommen, was nochmal für weitere Tests in verschiedene Labore gesendet wurde. Nach einigen Wochen kam dann der Anruf, bei dem dann direkt ein Termin im Klinikum Nürnberg ausgemacht wurde.

Bei diesem wurde ein EKG, ein Ultraschall des Bauches sowie noch eine weitere Blutentnahme durchgeführt. Nachdem die Ergebnisse der verschiedenen Untersuchungen dann abgeschlossen waren, wurde ich als Spender freigegeben. Danach wurde es dann langsam ernst.

So sah es bei Marvin's Stammzellspende im Klinikum Nürnberg aus. Foto: Marvin Herrmann

So sah es bei Marvin’s Stammzellspende im Klinikum Nürnberg aus. Foto: Marvin Herrmann

WE: Wie lief die Stammzellenentnahme ab? War es schmerzhaft für dich und wie lange hat alles ungefähr gedauert?

M: Da meine Anreise nach Nürnberg ja etwas länger war, buchte die DKMS ein Hotel für mich und eine Begleitperson meiner Wahl. Im Klinikum angekommen gab es nochmal eine Aufklärung durch den behandelnden Arzt. Man fühlt sich dort super aufgehoben und wird total herzlich empfangen. Mir wurde nochmals Blut abgenommen und dieses wurde untersucht um kein Risiko für den Patienten einzugehen.

Danach ging es dann eigentlich schon los. Ich wurde angeschlossen und das Gerät lief an. Ich hatte es mir total gruselig vorgestellt, wenn man dort sitzt und das ganze beobachten kann, aber es war überhaupt nicht schlimm. Klar war das Stechen kurz etwas schmerzhaft aber dazwischen hatte man keine Beschwerden. Die ganze Prozedur war nach 3 h auch schon vorbei und wir durften direkt wieder nach Hause fahren.

WE: Wie fühlst du dich nach deiner Spende? Bist froh es gemacht zu haben? Wie groß war der Aufwand insgesamt für dich?

M: Ich fühle mich großartig. Es ist einfach ein tolles Gefühl wenn man weiß, man hat mit einer so kleinen Sache etwas Großes leisten können. Am Anfang war ich etwas skeptisch, da ich auch meine Abschlussprüfung in diesem Zeitraum hatte, aber andererseits wollte ich auch nicht ein Leben aufs Spiel setzen, um dann eine tolle Prüfung zu haben. Ich glaube, das hätte ich nicht mit meinem Gewissen vereinbaren können.

Das Schöne außerdem: Die DKMS kümmert sich um alles. Sie zahlen das Hotel, die Anfahrt, die Verpflegung, also alles was du in diesem Zeitraum brauchst. Von daher muss man sagen, man hat einen extrem geringen persönlichen Aufwand und kann damit eine so großartige Sache unterstützen.

WE: Was möchtest du unseren Lesern noch mitgeben?

M: Ich möchte einfach jedem raten: Registriert euch! Mir liegt die Sache extrem am Herzen und ich möchte einfach viel mehr Leute animieren, sich registrieren zu lassen. Man muss auch keine Angst haben, ich hab es gut überstanden und hatte als Kind schreckliche Angst vor Nadeln und Spritzen  Also: Stäbchen rein, Spender sein!

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