Hockey im Rollstuhl. Foto: Julian Wendel.
Beim NoLimits-Rollstuhlsporttag am 02. Februar kann man Rollstuhlsport ausprobieren und anschließend auch beim Rollstuhlbasketball und Powerchair Hockey zuschauen. Foto: Julian Wendel.

Inklusionswochen in Würzburg: Veranstaltungen für jedermann

Bei Beleidigungen wie „Du bist doch behindert!“ oder „Spasti!“ merkt man, dass diese stark verletzen. Verletzend ist aber auch die Art und Weise, wie man einen Menschen behandeln kann. Gesten oder Blicke reichen oftmals schon aus. Trifft man einen Menschen mit Behinderung, weiß man vielleicht zunächst nicht, wie man sich verhalten soll. Daher stehen Menschen mit Behinderung oft am Rande der Gesellschaft oder werden ausgeschlossen. In vielen Fällen leben sie in Sondereinrichtungen, arbeiten in der Werkstatt und treffen sich auch in der Freizeit mit anderen Menschen mit Behinderung.

Dass dies nicht immer so sein muss, und das Leben auch völlig inklusiv ablaufen kann, wird in den Veranstaltungen der 1. Würzburger Wochen der Inklusion gezeigt und erprobt. Was dahinter steckt, und welche der Veranstaltungen man sich auf keinen Fall entgehen lassen sollte, haben wir für euch im Interview mit Julian herausgefunden.

Die Stadt Würzburg lädt ein

Vom 21. Januar bis zum 03. Februar finden die ersten Würzburger Wochen der Inklusion statt. In Kooperation mit sieben Institutionen und Organisationen bietet die Stadt Würzburg für alle Menschen, mit und ohne Behinderung, knapp sechzig Veranstaltungen an. Hierbei sollen Menschen mit Interesse und Information an das Thema der Inklusion herangeführt werden.

Unser Interviewpartner Julian erhofft sich dadurch, dass das Umdenken in unserer Gesellschaft fortschreitet. Ein Umdenken hin zu mehr Gleichberechtigung und weniger Barrieren. „Dabei müssen aber unbedingt beide ‚Parteien‘ mitwirken. Sowohl die Menschen ohne als auch jene mit Behinderung müssen erkennen und verstehen, dass und wie ein inklusives Leben und eine vollumfängliche Teilhabe in der Gesellschaft möglich sind. So hoffe ich also, dass die Veranstaltungen zahlreich von beiden ‚Parteien‘ besucht werden.“, so Julian.

Ein bunt gemischtes Programm für jedermann

Die Inklusionswochen bieten ein spannendes und abwechslungsreiches Programm, ausgerichtet für Menschen mit und ohne Behinderung, wie immer wieder ausdrücklich betont wird. Neben Diskussionen, Workshops oder Ausstellungen gibt es auch die Möglichkeit völlig Neues kennenzulernen. Bei dem ‚Stillen Frühstück‘ soll man mit Gebärden kommunizieren. Der NoLimits-Rollstuhlsporttag lädt ein, Sport im Rollstuhl auszuprobieren. Und der Begriff ‚Blind Date‘ wird bei einem Treffen in einem stockdunklen Café wortwörtlich genommen.

Auch vor schwierigen „Tabu-Themen“ schrecken die Veranstalter nicht zurück. „Inwiefern darf man über das Thema Behinderung Witze machen? Darüber diskutiert ein Cartoonist mit den Gästen.“, erzählt uns Julian und führt weiter an: „Let’s talk about sex! Profamilia bringt das Thema Behinderung mit einem weiteren Tabu unserer Gesellschaft in Verbindung. Diese Gesprächsrunde ‚Liebe, Partnerschaft und Sexualität‘ empfinde ich als sehr spannend und empfehlenswert.“

Unser Interviewpartner Julian. Foto: Julian Wendel

Unser Interviewpartner Julian ist als Leiter mitverantwortlich für den NoLimits-Rollstuhlsporttag und lädt herzlich ein: „Komm vorbei, setze dich in einen Rollstuhl und probiere es aus!“. Foto: Julian Wendel.

Nicht nur Kritik an der Gesellschaft

Wer jetzt aber denkt die Inklusionswochen seien nur gedacht um auf die Missstände in der Gesellschaft aufmerksam zu machen, der irrt sich. „Durch den Austausch mit anderen Betroffenen, durch meine Aktivitäten in Vereinen und Arbeitskreisen sowie durch meine persönlichen Erlebnisse mache ich die Erfahrung, dass sich in den vergangenen drei Jahrzehnten hinsichtlich der Teilhabe von Menschen mit Behinderung an der Gesellschaft viel verändert hat – zum Positiven!“, berichtet Julian. „Die Inklusionswochen sollen in diesem Sinne nicht nur auf noch immer bestehende Missstände aufmerksam machen, sondern auch auf Erfolgsgeschichten. Sie sollen dazu motivieren, weitere Veränderungen anzugehen und ein buntes Gesellschaftsbild zu schaffen.“

Unser Interviewpartner Julian und die übrigen Veranstalter

Julian ist ehrenamtlich als Kontaktperson und Jugendgruppenleiter bei der Deutschen Gesellschaft für Muskelkranke e.V. aktiv und über diese Selbsthilfeorganisation in den Arbeitskreis Inklusion gelangt, der nun die Inklusionswochen ausrichtet. Diese sind eine Kooperation des Sozialreferats der Stadt Würzburg mit dem „Campus Community Dialogue“ der Hochschule Würzburg-Schweinfurt, den Mainfränkischen Werkstätten, INklusiv!, der Lebenshilfe Würzburg e.V., der Blindeninstitutsstiftung anders sehen, der Offenen Behindertenarbeit des Diakonischen Werkes Würzburg sowie der Deutschen Gesellschaft für Muskelkranke.Die Veranstaltungen allerdings werden in den meisten Fällen von externen Organisationen und Vereinen durchgeführt. So können sich viele verschiedene Vereine der breiten Öffentlichkeit vorstellen.

Wen nun das Interesse gepackt hat: Kommt vorbei und probiert es aus! Alle Veranstaltungen der Inklusionswochen richten sich ausdrücklich an Menschen mit und ohne Behinderung. Das gesamte Programm findet sich hier.

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