Wetterleuchten hinter der Festung. Foto: Pascal Höfig
Wetterleuchten hinter der Festung. Foto: Pascal Höfig

Würzburg entdecken: Wie Würzburg durch einen Mord berühmt wurde

Hartknäckig halten sich bis heute Gerüchte, dass es einen unterirdischen Tunnel von der Festung in die Stadt geben soll, die Stuckfassade des Falkenhauses für Steuerfreiheit sorgte oder es einen geheimen Mätressenausgang in der Residenz gab. Es gibt viele Orte in der Stadt, bei denen sich selbst Einheimische manchmal fragen, was es damit auf sich hat. Unsere Reihe „Würzburg entdecken“ deckt Geheimnisse auf und geht Mythen auf den Grund.

Würzburgs erster Kriminalfall

Würzburg ist bekannt für sein Weltkulturerbe, die Residenz. Oder für die Festung, die hoch über dem Main thront und über die Stadt wacht. Neben diesen weltbekannten Plätzen, die Millionen von Touristen anziehen, hat Würzburg aber auch durch einen Mordfall Bekanntheit erlangt.

Im Jahr 686 kamen die drei Frankenapostel Kilian, Kolonat und Totnan – ursprünglich aus Irland stammend – nach Würzburg, um das Christentum nach Franken zu bringen und die Bevölkerung zu missionieren. Die Menschen in dieser Zeit glaubten an heidnische Götter. An der Stelle des heutigen Neumünsters wohnte damals der fränkische Herzog Gozbert mit seiner Frau Gailana. Das Besondere an diesem Paar: Gailana war die Witwe von Gozberts Bruder. Nach fränkischer Sitte war es aber durchaus üblich, die Familie des verstorbenen Bruders zu versorgen, deshalb kam auch diese Konstellation zustande. Als die drei Frankenapostel schließlich in Würzburg auf den Herzog trafen, waren sie allerdings schockiert über solch unchristliche Verhältnisse. Daher versuchten sie Herzog Gozbert dazu zu bringen, seine Frau zu verlassen. Gozbert stimmte dem zu und ließ sich missionieren.

Die heimtückische Ehefrau Gailana

Gozberts Frau Gailana zeigte sich damit nicht einverstanden und ließ die drei Frankenapostel kurzerhand durch einen Henker ermorden. Die Körper der drei Missionare wurden unter dem benachbarten Pferdestall verscharrt. Etwa 50 Jahre später fiel auf, dass die Pferde immer wieder an der gleichen Stelle scharrten. Kurze Zeit später fand man schließlich die Skelette der Drei, wie sie ihre Kelche und das Evangelium umklammerten. Der Mann, der sie fand, wurde durch die heiligen Reliquien auf wundersame Art und Weise von seiner Blindheit erlöst. Nachdem man die Skelette als die der Missionare erkannte, wurden die Märtyrer heilig gesprochen.

Wallfahrtsstätte durch Mord

Der Mord an Kilian, Kolonat und Totnan machte Würzburg zur Domstadt und Wallfahrtsstätte. Heutzutage werden einerseits die heiligen Frankenapostel verehrt und gefeiert, andererseits zählt Gailana zu den berühmtesten Frauen Würzburgs. Dies beeinflusste die Stadtentwicklung maßgeblich. Die Gebeine der Mönche findet man noch heute im Neumünster.

Kilian, Kolonat und Totnan unter dem Dachgibel des Neumünsters. Foto: Linda Amamra.

Kilian, Kolonat und Totnan unter dem Dachgiebel des Neumünsters. Foto: Linda Amamra.

Kiliani, Kiliansplatz und Co.

Überall begegnen einem heute Kilian, Kolonat und Totnan in Würzburg. Am meisten fallen die Drei in voller Pracht als Brückenheilige auf der Alten Mainbrücke auf.

Der "Brückenheilige" St. Kilian. Foto: Pascal Höfig

Der „Brückenheilige“ St. Kilian. Foto: Pascal Höfig

Der heilige Kilian ist auch Namensgeber der Kilianswoche und dem Kiliani Volksfest jedes Jahr im Sommer. Zudem wurden der St. Kilians-Dom und der dazugehörige Kiliansplatz nach ihm benannt. In einem „Interview“ hat uns außerdem das Würzburger Original, der Heilige Kilian, einen Einblick in sein Lebe gegeben. 

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