Würzburg zeigt Schleife am Welt-AIDS-Tag. Foto: Pascal Höfig
Würzburg zeigt Schleife am Welt-AIDS-Tag. Foto: Pascal Höfig

#WürzburgzeigtSchleife: Welt-Aids-Tag 2018

Das Aktionsbündnis „Würzburg zeigt Schleife“ installiert zum achten Mal auf dem Schlossberg unterhalb der Festung eine 100 Meter lange rote Stoffschleife zum jährlichen Welt-Aids-Tag. Am Abend des 1.12. wird die Schleife angeleuchtet und ist so ein weithin sichtbares Zeichen für einen toleranten und vorurteilsfreien Umgang mit HIV-positiven Menschen in unserer Stadt. Die Rote Schleife ist ein Aufruf gegen Diskriminierung und Stigmatisierung – ein Aufruf zur Solidarität!

Tägliche Vorurteile: „Ausgrenzung tut weh und macht krank!“

Viele Bürgerinnen und Bürger haben Vorurteile gegenüber Menschen mit HIV und verfügen nur über bruchstückhaftes oder gar falsches Wissen zu Infektionsrisiken. Es kommt immer wieder zu stigmatisierenden Situationen. „Ausgrenzung tut weh und macht krank!“ So berichten immer wieder Klienten, so das Aktionsbündniss in einer Pressemitteilung, dass sie nicht zum Arzt gehen, obwohl es nötig wäre. Die Vorurteile beziehen sich auf bestimmte Themen und Settings, wie Umgang mit Lebensmitteln, Besuch beim Zahnarzt, Berufsausübung (Kindergarten, Metzger, Arzt, etc.). Umfragen zeigen, Bürgerinnen und Bürger sind der Auffassung, dass in bestimmten Berufen Menschen mit einer HIV-Infektion ein Risiko für eine Übertragung darstellten.

Aktion 2018

In einem Video – gedreht auf der Alten Mainbrücke – wird die Botschaft „Keine Sorge, ein Mensch mit einer HIV-Infektion kann jeden Beruf ausüben – Streich die Vorurteile“ anschaulich umgesetzt. Mit der Botschaft: „HIV-Streich die Vorurteile“ möchte die diesjährige Aktion zum Nachdenken über mögliche Vorurteile gegenüber Menschen mit HIV in verschiedenen Tätigkeitsfeldern anregen, so das Aktionsbündnis. Die Vision für die Zukunft lautet: „Menschen mit und ohne HIV leben entspannt zusammen, beruflich und privat.“ Dazu soll diese Aktion beitragen.

Darüber hinaus gibt es einen Gottesdienst und Empfang zum WAT am 1. Dezember. Der ökumenische Gottesdienst beginnt um 18:00 Uhr in St. Adalbero in der Sanderau. Im Anschluss an den Gottesdienst laden die Pfarreiengemeinschaft Sanderau, das schwul-lesbische Zentrum und die Aidsberatungsstelle der Caritas herzlich zur Begegnung im Haus der Kirche (neben St. Adalbero) ein. Oberbürgermeister Christian Schuchardt wird ein Grußwort sprechen.

920 HIV-Infizierte in Unterfranken

Das Robert Koch-Institut (rki) meldet für Deutschland erstmals eine Verringerung der Neuinfektionen für das Jahr 2017. Gegenüber 2016 mit deutschlandweit geschätzten 2.900 Neuinfektionen werden 2.700 neue HIV-Infektionen für 2017 geschätzt. Diesen zahlenmäßigen Trend auf den Regierungsbezirk Unterfranken zu übertragen, bedeutet, dass man nicht mehr von 30 bis 33 Neuinfektionen wie in den Jahren zuvor ausgeht, sondern von jährlich 28 bis 30 neuen HIV-Infektionen.

Die vom rki genannten Gründe für diesen Rückgang treffen sicherlich auch für Unterfranken zu. Der Anteil der Beratungsstellen bekannten Personen, die unmittelbar nach der HIV-Diagnose eine Behandlung erhalten, ist in den letzten Jahren deutlich angestiegen. Eine erfolgreiche Behandlung senkt die Viruslast und verhindert damit weitere Übertragungen. In Unterfranken leben zum aktuellen Zeitpunkt geschätzt 920 HIV-Infizierte. Schätzungsweise 130 Menschen von den 920 wissen noch nichts von ihrer Infektion.

Caritas Beratungsstelle

Die Aids-Beratungsstelle der Caritas ist seit vielen Jahren mit einem intensiven Präventionsangebot präsent. Dies wird von zahlreichen allgemeinbildenden und beruflichen Schulen in Unterfranken abgerufen und trägt dazu bei, dass der Wissenstand in Bezug auf die Übertragungswege von HIV und die Schutzmöglichkeiten vor einer Infektion auf einem hohen Niveau ist. Das Leben mit der Infektion ist, so das Aktionsbündnis, mehr als 30 Jahre nach Beginn der Epidemie vielschichtig. In der Beratung geht es darum, diese Komplexität für den Einzelnen zu verringern und den Ratsuchenden auf seinem Weg zu einem lebenswerten Leben zu begleiten. Im Laufe des Jahres 2018 wandten sich 26 (Stand: 27.11.18) Personen mit einer HIV-Diagnose erstmals an die Aids-Beratungsstelle der Caritas. Einige dieser neuen Klienten leben schon viele Jahre mit dem Virus, wurden aber erst in diesem Jahr diagnostiziert, so heißt es in einer Pressemitteilung.

Neben der unmittelbaren Krankheitsbewältigung nach dem Schock der Diagnose spielt die Frage „Wem erzähle ich von meiner Infektion?“ bei fast allen Ratsuchenden eine zentrale Rolle. Auch die Angst vor unangemessenen Reaktionen aus dem beruflichen und privaten Umfeld ist bei den meisten Klienten immer wieder Thema in den Beratungsgesprächen.

Fortschritte in der HIV-Forschung

Neue Möglichkeit der Prävention lassen hoffen, dass die Zahl der Neuinfektionen in den kommenden Jahren noch leicht zurückgehen wird. Ab September diesen Jahres ist es möglich, in Drogerien und Apotheken einen HIV- Selbsttest zu kaufen. Dies erleichtert den Zugang zu HIV-Tests enorm und das Aktionsbündnis erwartet sich davon, dass einige Infektionen zu einem früheren Zeitpunkt entdeckt und damit auch behandelt werden. Je früher eine Infektion behandelt wird, desto geringer ist die Wahrscheinlichkeit einer Übertragung.

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