Frankenhalle in der Veitshöchheimer Straße. Foto: Pascal Höfig
Frankenhalle in der Veitshöchheimer Straße. Foto: Pascal Höfig

Frankenhalle: AK Denkmalschutz fordert Neuausschreibung

Nachdem die drei Konzepte für die Neugestaltung der Frankenhalle öffentlich gemacht wurden, meldet sich jetzt der Arbeitskreis Studierende und Arbeitende für Denkmalschutz Würzburg zu Wort. In einem offenen Brief, den auch unsere Redaktion erhalten hat, wenden sich die Mitglieder an den Würzburger Stadtrat und sprechen sich klar gegen das Konzept von W&S Immobilien GmbH aus, ebenso möchten sie keine Tiefgarage. Des weiteren wird der Stadt vorgeworfen, dass sie „auf eine reine Entwicklungsmaßnahme für das Quartier verzichtet und den Verkauf nicht an das Beste zu realisierende Konzept knüpft, sondern Einnahmen erzielen möchte“. Sollte das Konzept von W&S Immobilien umgesetzt werden, will der Arbeitskreis sogar ein Bürgerbegehren dagegen auf den Weg bringen.

Konzept von W&S Immobilien

Die W&S Immobilien GmbH möchte laut Mainpost eine Art Markthalle nach hanseatischem Vorbild in der Frankenhalle unterbringen. Es sollen regionale Produkte verkauft werden, u.a. von einem Bäcker und einem Metzger. Außerdem soll eine Brauerei integriert werden. Hinter der Halle möchte die W&S Immobilien GmbH Wohnungen bauen, so die Mainpost. Diese sollen zum Beispiel von Mitarbeitern der Mainfränkischen Werkstätten bewohnt werden können, heißt es bei der Mainpost.

Viele Varianten möglich

„Grundsätzlich dokumentieren die eingereichten Vorschläge, dass viele Varianten einer künftigen Nutzung möglich und finanzierbar wären. So zeigt sich der mögliche Erhalt der gesamten Halle, der Remise, des Kopfbaues und der Außenmauern der Stallungen, die ansonsten als Renditefläche herhalten soll. Dies ist umso interessanter, als dass die Stadt auf eine reine Entwicklungsmaßnahme für das Quartier verzichtet und den Verkauf nicht an das Beste zu realisierende Konzept knüpft, sondern Einnahmen erzielen möchte.

Mit dem Geld von 2 Mio. € ließe sich beispielsweise wohl lediglich ein Drittel der Kaiserstraße in einigen Jahren sanieren, nachdem der Straßenbelag in die Jahre gekommen sein wird. Gleichzeitig verzichtet die Stadt für einen vergleichsweise geringen Betrag auf eine zukunftsweisende Entwicklung des Quartiers am alten Hafen und der Kulturstadt Würzburg. Auch eine Verrechnung des Kaufpreises mit zusätzlicher kultureller Infrastruktur wäre denkbar“, so heißt es im offenen Brief.

Frankenhalle in Würzburg. Foto: Pascal Höfig

Frankenhalle in Würzburg. Foto: Pascal Höfig

Weiter wird darauf hingewiesen, dass Kämmerer Robert Scheller im Februar 2018 damit zitiert wurde, dass man sich die Vorschläge von Investoren ansehen könne und bei nicht gefallen, keines der Konzepte annehmen müsse. „Uns verwundert, dass diese Option heute keine mehr zu sein scheint.“

Der AK Denkmalschutz sieht außerdem einen Abriss des Kopfbaus kritisch: „Mit dem Abriss von Kopfbau und Remise würde die historisch bewusst so angelegte Situation der Hauptstraße verschwinden. Der Kopfbau verfolgt dabei dem im 19. Jahrhundert typischen Baukörper der Veitshöchheimer Straße, wie er noch beim „Zauberberg“ erhalten ist. Kunsthistorikerin Dr. Suse Schmuck macht wiederholt auf diesen städtebaulichen Aspekt aufmerksam. Darüber hinaus ist die Ausstattung des Kopfbaues noch weitgehend originalgetreu mit Treppenhaus, Fließen oder Oberlichtern aus den 20er Jahren.“

Posthalle vs. Frankenhalle

Ein weiterer Aspekt für die Mitglieder des Arbeitskreises ist der Verlust der Posthallen. Mit Verzicht auf den Gewinn von 2 Mio. € ließe sich ggf. ein weiterer Teil des Ensembles Frankenhalle für kulturelle Nutzungen widmen, so heißt es in ihrem offenen Brief. „Diese könnten im bereits heute kreativwirtschaftlich genutzten Kopfbau unterkommen oder den Ställen, die faszinierende Möglichkeiten eröffnen. Die Ställe sind durch imposante Holzdachstrukturen sowie Backsteinsäulen und weiteren Ausstattungsdetails ein spannender Rahmen für Kreativität. Die Gebäudestruktur ließe auch Raumteilungen zu oder schallschützende Einbauten.“

Keine Tiefgarage gewünscht

Auch ist der Bau einer Tiefgarage, der in jedem der drei Konzepte gesetzt ist, ein Kritikpunkt für die Denkmalschützer. Sie möchten generell einen Verzicht auf zu viele Parkplätze: „Das gesamte Viertel sollte als nachhaltiges Stadtviertel modelhaft weiterentwickelt werden, um den Anforderungen und Wünschen der Bürgerschaft nach einer nachhaltigen Stadt mit möglichst wenig PKW-Verkehr gerecht zu werden. Der Verzicht auf Tiefgaragen eröffnet die Möglichkeit zu Erhalt und damit recyceln statt wegwerfen von Bausubstanz und spart enorme Kosten, die kulturellen Nutzungen leichter finanzierbar machen.“

Bürgerbegehren gegen W&S – Konzept

Als letzte Punkte in ihrem offenen Brief äußern die Denkmalschützer explizit ihr Vorgehen, wenn das Konzept von W&S Immobilien den Zuschlag bekäme, sie möchten ein Bürgerbegehren ins Leben rufen: „Sollte es keine Mehrheit für einen Aufschub der Entscheidung geben, möchten wir ganz klar unsere vollkommene Ablehnung des Konzeptes von W&S äußern. Sollte dieser Vorschlag zum Zuge kommen, werden wir uns einem Bürgerbegehren dagegen anschließen. Das Konzept von W&S ist in seiner Zerstörungskraft und geradezu absurden Entstellung der Anlage ein massiver Rückschritt für unsere Stadt, das jegliches Gespür für Architektur, Historie und Fortschrittlichkeit vermissen lässt.

Frankenhalle in Würzburg. Foto: Pascal Höfig

Frankenhalle in Würzburg. Foto: Pascal Höfig

Wir fordern eine Neuausschreibung unter Aufnahme von einzelnen Ideen der Investoren. Mit Verzicht auf den Grundstücksverkauf, beispielsweise durch Erbpacht oder Verrechnung mit öffentlichen, unkommerziellen Nutzungen, ließen sich mehr Kultur und Erhalt von Originalsubstanz einfordern. Damit würde man dem Ziel des Kreativquartiers Alter Hafen und dem Erhalt des bedeutenden, gesamten Denkmalensembles gerecht und nachfolgenden Generationen ein attraktives Erbe schaffen, das ansonsten unwiederbringlich verloren wäre.“

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