Plakat vom RepairCafé
Plakat vom RepairCafé. Foto: Ursula Grosch

Reparieren und Tüfteln: Das RepairCafé in Würzburg

Du hast einen kaputten Gegenstand, den man noch reparieren kann, weißt nur nicht wie?  Bist dir aber sicher, dass es gehen muss? Du hast Lust, deine handwerklichen Künste unter Beweis zu stellen? Dann ist das 8. RepairCafé am kommenden Wochenende in Würzburg genau das Richtige für dich!

Obwohl das RepairCafé schon zum wiederholten Mal in Würzburg stattfindet, ist es noch relativ unbekannt. Daher haben wir ein Interview mit einer der Organisatorinnen der Stadt Würzburg, Ursula Grosch, geführt.

Würzburg erleben (WE): Liebe Ursula, was ist denn das Repair Café eigentlich?

Ursula Grosch: Ehrenamtliche Reparateure unterstützen bei uns im RepairCafé Gäste dabei, Defekte an mitgebrachten Gegenständen zu untersuchen und im besten Fall gemeinsam zu reparieren. Aber auch für das leibliche Wohl ist gesorgt. Die Wartezeit wird in entspannter und gemütlicher Atmosphäre mit Kaffee und Kuchen verkürzt.

WE: Wie läuft ein Besuch ab?

Ursula Grosch: Zunächst müssen sich die Gäste anmelden. Dabei wird ein Formular ausgefüllt auf dem Gegenstand und Defekt beschrieben werden. Auch eine Erklärung, dass wir keine Garantien übernehmen, muss unterschrieben werden. Dann erhält der Gast eine Nummer und wartet, bis er aufgerufen wird. Wenn es so weit ist, geht er zum Reparateur und versucht mit ihm den Defekt zu beheben.

WE: Gibt es Einschränkungen hinsichtlich der Dinge, die ich mitbringen kann?

Ursula Grosch: Um jedem Besucher eine Chance zur Reparatur zu geben, sollten möglichst nur 1 oder 2 Teile mitgebracht werden. Auch sollten die Gegenstände nicht zu groß, sondern zu händeln sein.

WE: Muss ich etwas anderes außer dem Gegenstand mitbringen? Oder wird das Werkzeug und Material zum Reparieren gestellt?

Ursula Grosch: Werkzeug ist auf jeden Fall vorhanden. Wenn der Gast aber von vornherein weiß, dass ein bestimmtes Ersatzteil nötig ist, wie z.B. wenn ein Bremszug vom Fahrrad gerissen ist, sollte er es mitbringen. Denn manchmal kann es sein, dass die Reparateure ein spezielles Teil nicht haben, und eine Sache dadurch leider nicht repariert werden kann.

WE: Ist es wahrscheinlicher, dass Sachen repariert werden oder bleibt das Meiste am Ende doch kaputt?

Ursula Grosch: Die meisten Sachen können tatsächlich repariert werden. Nur circa 20 % bleiben am Ende kaputt.

WE: Kann man einschätzen, wie lange eine Reparatur ungefähr dauert?

Ursula Grosch: Nein, das ist ganz unterschiedlich. Manchmal stellt sich erst während der Reparatur heraus, dass es länger dauert als geplant. Aber es gibt auch Fälle in denen es viel schneller geht und der Gegenstand sofort wieder fix ist.

WE: Kann man auch einfach so vorbeikommen, um sich Tipps geben zu lassen?

Ursula Grosch: Generell ist jeder herzlich willkommen, ob mit Gegenstand oder ohne. Aber sollte der Andrang zu groß sein, dann kann es schon mal vorkommen, dass es leider nicht möglich ist.

WE: Wie ist das RepairCafé eigentlich entstanden und welche Idee steckt dahinter?

Ursula Grosch: Die ersten RepairCafés entstanden in Amsterdam im Jahr 2009. Seit 2014 gibt es das RepairCafé auch in Würzburg. Hier ging die Initiative von Transition Town aus. Aber auch die Agenda 21 war von Anfang an beteiligt. Durch das gemeinsame Reparieren wollen wir ein Zeichen gegen eine sorglose Wegwerfgesellschaft setzen. Wir wollen wertvolle natürliche und menschliche Ressourcen schonen, indem Gebrauchsgüter länger nutzbar bleiben.

WE: Wie werden entstandene Kosten gestemmt?

Ursula Grosch: Bei uns funktioniert alles auf Spendenbasis, sowohl für die Reparaturen, wie auch für Kaffee und Kuchen.

WE: Wie wird das RepairCafé von Würzburgern angenommen? Bist Du damit zufrieden?

Ursula Grosch: Das ist ganz unterschiedlich. Beim letzten Mal kamen etwa 50 Leute, da hätten wir mehr stemmen können. Ein anderes Mal hatten wir weit über 100 Besucher und mussten leider welche wieder wegschicken. Im Großen und Ganzen wird das Angebot gut angenommen und wir sind zufrieden.

WE: Wer kommt zum RepairCafé? Lässt sich das genau eingrenzen oder ist das bunt gemischt?

Ursula Grosch: Überwiegend kommen Leute über 40 Jahren. Jüngere sind eher seltener. Aber wirklich jeder ist sehr herzlich willkommen.

WE: Was ist deine Aufgabe im RepairCafé?

Ursula Grosch: Ich organisiere das RepairCafé. Im Vorfeld sorge ich vor allem dafür, dass genug Ehrenamtler zur Verfügung stehen. Am Tag selbst bin ich dann dort, wo ich gebraucht werde, bei der Anmeldung, beim Stand für Kaffee und Kuchen, etc.

WE: Wie stellen sich denn die Gäste so an? Zeigen sie viel Geschick oder sind sie eher tollpatschig?

Ursula Grosch: Viele verhalten sich eher passiv. Sie schauen interessiert zu, halten vielleicht mal ein Teil, oder stellen Fragen. Begeistert sind die meisten Gäste auch immer wieder vom Innenleben ihres defekten Gegenstandes.

WE: Das RepairCafé gibt es nun ja schon zum achten Mal in Würzburg, was war das Außergewöhnlichste/Beeindruckendste/Verrückteste, was jemand zum Reparieren mitgebracht hat?

Ursula Grosch: Einmal hat jemand ein Großgerät mitgebracht. Ich weiß nicht mehr, ob es eine Spül- oder eine Waschmaschine war, aber es war definitiv auffällig. Auf den Tisch wurde es dann auch gemeinsam gehoben.

WE: Was macht das Repair Café gerade für Dich persönlich besonders?

Ursula Grosch: Ich finde es toll, wie viele Leute sich ehrenamtlich und in ihrer Freizeit für dieses Projekt engagieren.

Infos zum 8. RepairCafé

  • Wann: Sonntag, 04. November, 14.00 Uhr bis 18.00 Uhr
  • Wo: Veitshöchheimer Straße 14 (gegenüber vom Cinemaxx)
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