Werner Jäger, der Inhaber des Schelmenkellers, ist auch über die Stadtgrenzen hinweg für seine unverwechselbare Art bekannt. Foto: Schelmenkeller
Werner Jäger, der Inhaber des Schelmenkellers, ist auch über die Stadtgrenzen hinweg für seine unverwechselbare Art bekannt. Foto: Schelmenkeller

Würzburger Original: Werner Jäger vom Schelmenkeller

Wir laufen täglich an ihnen vorbei, begegnen ihnen im Alltag oder verbringen rauschende Partynächte in ihnen: Die Würzburger Originale! Doch wer steckt eigentlich hinter den Kneipen, was hat Kilian aus Irland nach Würzburg gebracht oder wo findet man als eingefleischter Schalke 04-Fan einen Zufluchtsort?

Würzburger Originale

Diese und viele weitere Fragen haben wir uns auch gestellt und ein paar echte Originale besucht. In unregelmäßigen Abständen werden wir immer wieder einige der Originale vorstellen. Dieses Mal: Werner Jäger vom Schelmenkeller!

Mit westfälischem Dialekt und ganz viel Humor

Das Pleicher Viertel in Würzburg. Hier finden sich nicht nur die ältesten Gebäude der Stadt sondern auch eine Kneipe der ganz besonderen Art: Den „Schelmenkeller“. Aber nicht nur die urige Kneipe selbst ist ein Highlight. Vor allem der Wirt Werner Jäger macht mit seinem westfälischen Dialekt und seinem ansteckenden Lachen den Charme dieser Kneipe aus.

Mit seiner unverwechselbaren Art und seinen Anekdoten hat er es nicht nur in die Herzen der Würzburger, sondern sogar auch in eine Mundart-Ausgabe von „Asterix & Obelix“ geschafft. Doch wie kam es zu seiner Karriere als Kneipenwirt und wie sieht die Zukunft des Schelmenkellers aus? Genau das wollten wir von Werner wissen und haben ihn zum Interview getroffen.

Würzburg erleben (WE): Schon seit knapp 40 Jahren bist du jetzt schon in Würzburg. Was hat dich aus dem Ruhrgebiet ins Frankenland gezogen?

Werner Jäger: Ursprünglich habe ich in Münster Jura studiert. Das Studium musste ich eines Tages aufgrund eines Unfalls jedoch leider abbrechen. Irgendwann kam dann ein interessantes Job-Angebot von einem Anwalt aus Würzburg, der hier ein Lokal aufmachen wollte. Er hatte über die Verbindung in der ich damals war von mir gehört und gesagt bekommen, dass ich für so einen Job gut geeignet wäre. Und das obwohl ich zum damaligen Zeitpunkt noch keinerlei Gastronomie-Erfahrung hatte. Wir haben uns dann getroffen, uns zwei Tage beschnuppert und schließlich haben wir dann im Februar 1981 zusammen das „Till Eulenspiegel“ in der Sanderstraße eröffnet.

Der urige Gastraum des Schelmenkeller mit einigen der Stammgäste. Foto: Schelmenkeller

Der urige Gastraum des Schelmenkeller mit einigen der Stammgäste. Foto: Schelmenkeller

Da war ich dann zunächst fünf Jahre angestellt und habe in den sechs Jahren danach die Räumlichkeiten gepachtet. Dass ich in Würzburg bleiben werde stand aber eigentlich schon fest, als ich in den ersten drei Monaten, in denen ich hier war, meine zukünftige Frau kennengelernt habe – die ist nämlich gebürtige Würzburgerin.

WE: Und wie kam es dann zur Eröffnung des Schelmenkellers in der Pleicherschulgasse?

Werner Jäger: 1992 habe ich ein spannendes Angebot für einen leerstehenden Weinkeller in der Pleich bekommen. Das war natürlich reizvoll, weil es zum einen ein völlig neues Gebiet und zum anderen gastronomisch noch komplett unerschlossen war. Bis 1981 hatte das Weingut Knoll den Keller gepachtet. Bevor ich das Angebot bekam, stand der Keller allerdings knapp 13 Jahre leer. Ich habe das Angebot dann wahrgenommen und nach knapp anderthalb Jahren Umbauarbeiten hat der „Schelmenkeller“ im Jahr 1993 seine Türen geöffnet.

WE: Wie kam es eigentlich zu dem Namen „Schelmenkeller“? Bist du damit gemeint oder hat das eine andere Bedeutung?

Werner Jäger: Einerseits ist es eine Anlehnung an „Till Eulenspiegel“. Der war ja bekanntermaßen auch ein Schelm. Ein anderer Grund für den Namen war aber auch die Tatsache,  dass viele meiner Freunde damals zu mir meinten: „Schon wieder in einen Keller zu gehen, ist ja mehr als schelmisch!“ – da dachte ich mir „Jetzt erst recht!“ (lacht). Vielleicht bin ja aber auch ein bisschen ich selbst damit gemeint…

An der Theke findet sich immer noch ein Platz für einsame Gäste. Foto: Schelmenkeller

Werner Jäger ist in seiner Art unverwechselbar und ein echtes Original. Foto: Schelmenkeller

WE: Wie jeder weiß und man in deiner Kneipe ja überall erkennen kann, bist du ein waschechter Schalke 04-Fan. Was hältst du von den Kickers und sind auch FC Bayern- und Borussia-Dortmund Fans bei dir willkommen?

Werner Jäger: Was das betrifft bin ich relativ neutral. Bei mir ist jeder willkommen. Ich selbst war auch schon bei Spielen der Kickers oder des WFV. Von einem Borussia-Fan habe ich sogar schon mal einen Schokonikolaus geschenkt bekommen, als Schalke den UEFA-Pokal gewonnen hat. Im Notfall hält der Pott eben zusammen (lacht). Ich möchte auch nicht, dass der Schelmenkeller eine Sportkneipe ist, in der alle nur auf einen Fernseher starren. Ein Highlight war es aber trotzdem, als vor mehr als 20 Jahren Otto Rehhagel mal mit seiner Schwester den Schelmenkeller besucht hat. Zwar war er zu der Zeit schon Trainer bei Kaiserslautern, aber dennoch war Schalke natürlich ein Thema!

WE: Du lebst für deinen Job – das merkt man jedes Mal, wenn man wieder in den Schelmenkeller kommt. Wie sieht die Zukunft des Lokals aus?

Werner Jäger: Ich würde gerne mit 69 aufhören. Das wäre in etwa nächstes Jahr im Sommer. Entsprechend suche ich nach einem geeigneten Nachfolger. Natürlich würde ich auch noch ein paar Jahre so ein- bis zweimal die Woche mithelfen. Bis 75 traue ich mir das noch zu – und außerdem will meine Frau mich auch nicht jeden Abend zu Hause haben (lacht). Wer also ernsthaftes Interesse hat, kann sich gerne bei mir melden!

WE: Ein echtes „Würzburger Original“ wird man nicht einfach so. Was denkst du, was dich so besonders macht und von anderen unterscheidet?

Werner Jäger: Hmm, vielleicht meine blöden Sprüche? Ich habe zum Beispiel schon immer gesagt: Vor 1.200 Jahren kam der heilige Kilian aus dem Norden nach Würzburg. Jetzt ist der liebe Werner aus dem Norden gekommen. Der eine kam für das seelische Heil, der andere für das leibliche (lacht)! Ich bin eben wie ich bin und sage offen meine Meinung. Außerdem ist es mein Ziel, dass der Schelmenkeller eine Kommunikationskneipe ist.

Im Schelmenkeller steht die Kommunikation zwischen den Gästen im Vordergrund. Foto: Schelmenkeller

Im Schelmenkeller steht die Kommunikation zwischen den Gästen im Vordergrund. Foto: Schelmenkeller

Da der Wirt nicht immer so viel Zeit hat, ist es meiner Meinung nach seine Aufgabe, die Leute untereinander bekannt zu machen und Diskussionen zu starten. Zu mir kann man also auch alleine kommen und kann sicher sein, dass man jemanden kennenlernt und ins Gespräch mit neuen Leuten kommt. Ganz besonders ist aber auch mein traditioneller „Grünkohl mit Pinkel“, den es bei mir immer nach dem ersten Frost und nach original westfälischem Rezept gibt!

An der Theke findet sich immer noch ein Platz für einsame Gäste. Foto: Schelmenkeller

An der Theke findet sich immer noch ein Platz für einsame Gäste. Foto: Schelmenkeller

Dein „Würzburger Original“?

Wenn ihr noch weitere Ideen habt, wem wir mal einen Besuch abstatten sollten und wer den Titel „Würzburger Original“ redlich verdient hat, der kann seine Vorschläge gerne unter redaktion@wuerzburgerleben.de einreichen.

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