Der "Brückenheilige" St. Kilian. Foto: Pascal Höfig
Der "Brückenheilige" St. Kilian. Foto: Pascal Höfig

Würzburger Original: Kilian

Wir laufen täglich an ihnen vorbei, begegnen ihnen im Alltag oder verbringen rauschende Partynächte in ihnen: Die Würzburger Originale! Doch wer steckt eigentlich hinter den Kneipen, was hat Kilian aus Irland nach Würzburg gebracht oder wo findet man als eingefleischter Schalke 04-Fan einen Zufluchtsort? Diese und viele weitere Fragen haben wir uns auch gestellt und ein paar echte Originale besucht. In unregelmäßigen Abständen werden wir immer wieder einige der Originale vorstellen. Dieses Mal: Kilian!

Von Irland nach Würzburg

Er ist in Würzburg quasi allgegenwärtig, doch nur die wenigsten wissen, wer er wirklich war: Kilian! Als er vor mehr als 1300 Jahren in unsere schöne Stadt am Main kam, war er voller Tatendrang und motiviert, den Bürgern den christlichen Glauben näher zu bringen. Das ging auch eine Zeit lang gut, doch dann kam ihm eine Frau in die Quere, die alles ändern sollte. Wir haben ihm die wichtigsten Fragen gestellt, um oft gestellte Fragen ein für alle Mal beantwortet zu bekommen.

Würzburg erleben (WE): Eigentlich sind Sie ja aus Irland. Wann sind Sie denn nach Würzburg gekommen und was genau hat sie hierher getrieben?
Kilian: Geboren wurde ich in Mullagh, Irland. Ich war ein iro-schottischer Missionsmönch und habe mich mit meinen beiden Weggefährten Kolonat und Totnan auf den Weg ins heutige Deutschland begeben – natürlich zu Fuß! Autos oder Kutschen lagen zu diesem Zeitpunkt nämlich noch weit in der Zukunft. Als ich im Jahr 686 in Würzburg ankam war ich etwa Mitte vierzig. Hier habe ich dann für einige Jahre missioniert und gepredigt.

WE: Irland war ja sowohl landschaftsmäßig, als auch kulturell etwas komplett anderes als unser Frankenland. Was mochten Sie denn besonders an der Region?
Kilian: Besonders gut fand ich hier in Würzburg neben dem schönen Main natürlich auch die delikaten Weine, die es hier zu Hauf gibt. Das war für mich etwas ganz Neues – bei uns in Irland gab es schließlich nur Schwarzbier. Hätte es zu meiner Zeit schon so herrliche Delikatessen wie Schäufele oder Meefischli gegeben, hätten die mir sicherlich auch sehr gut geschmeckt. Mein Lieblingsplatz wäre dann sicher die Alte Mainbrücke gewesen – natürlich stilecht mit einem Brückenschoppen in der Hand. Aber nicht nur die kulinarischen und landschaftlichen Gegebenheiten haben mich überzeugt. Vor allem mit dem Grafen Gozbert habe ich mich besonders gut verstanden. Er war ein großer Fan des von mir gepredigten christlichen Glaubens. Seine Frau Gailana hat das leider alles etwas anders gesehen…

WE: Apropos Gailana: Wie kam es eigentlich dazu, dass Sie hier unfreiwillig Ihre letzte Ruhestätte gefunden haben? In welcher Form spielten der Graf Gozbert, bzw. seine Frau Gailana dabei eine Rolle?
Kilian: Nun ja, das war alles eine unglückliche Gegebenheit. Zu Beginn war Gozbert, der damals wie alle Einwohner der Stadt noch im Heidentum lebte, begeistert als er von meiner Missionierung in anderen Orten erfuhr. Er lud mich zu sich nach Würzburg ein und war schnell ein großer Fan des christlichen Glaubens, sodass er und sein untergebenes Volk von mir taufen ließen.
Jedoch war er damals mit der Frau seines verstorbenen Bruders namens Gailana verheiratet. Nach dem Evangelium war dies jedoch eine Blutschande und im Christentum untersagt. Ich legte Gozbert deshalb nahe sich von ihr zu trennen. Schweren Herzens zog er die Trennung tatsächlich in Betracht. Gailana fand das jedoch nicht so berauschend, als sie davon erfuhr – schließlich hätte sie damit ihren Status als Frau des Grafen verloren. Als Gozbert dann kurz darauf auf einem Kriegszug war, nutzte sie die Gelegenheit und ließ mich und meine Gefährten kurzerhand umbringen. Anschließend ließ sie uns in dem ehemaligen Pferdestall verscharren – an dieser Stelle steht heute nebenbei bemerkt das Neumünster, in dem sich auch immer noch die Gebeine von meinen Gefährten und mir befinden. Nicht sehr nett, ich weiß. Aber so erlangte ich dann meinen Märtyrer-Status.

WE: Ein echtes „Würzburger Original“ wird man nicht einfach so. Was macht Sie so besonders?
Kilian: Meiner Meinung nach bin ich ein echtes Würzburger Original, weil ich definitiv einer der ältesten Bekanntheiten in der Stadt bin. Oder fällt Ihnen noch jemand anderes ein, der urkundlich erwähnt schon vor mir in der Stadt so viel bewirkt hat? Außerdem tauche ich hier ja auch quasi überall auf. Ob im Namen des Volksfestes Kiliani, an meinem Gedenktag am 8. Juli, Der Kilians-Wallfahrt, einer eigenen Statue auf der alten Mainbrücke, in Form meiner Reliquien in Dom und in der nach mir benannten Kiliansgruft im Neumünster oder aber in den zahlreichen Darstellungen in Statuen- und Bildform. In Würzburg führt also quasi kein Weg an mir vorbei. Und wenn mich das nicht zu einem echten „Würzburger Original“ macht, dann weiß ich auch nicht…

Dein „Würzburger Original“?

Wenn ihr noch weitere Ideen habt, wem wir mal einen Besuch abstatten sollten und wer den Titel „Würzburger Original“ redlich verdient hat, der kann seine Vorschläge gerne unter redaktion@wuerzburgerleben.de einreichen.

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