Gerd Eibach und Bernhard Sterner vor ihrem Laden Hermkes Romanboutique. Foto: Dominik Ziegler
Gerd Eibach und Bernhard Sterner vor ihrem Laden Hermkes Romanboutique. Foto: Dominik Ziegler

Hermkes Romanboutique: Der freundliche Comicdealer von nebenan

Sie stehen barfuß vor dem Laden und unterhalten sich bei einer Zigarette angeregt mit einem Kunden. Neben ihren beiden Bikes steht eine überlebensgroße Spiderman Figur. Gerd und Bernhard führen den traditionsreichen Laden „Hermkes Romanboutique“ in der Sanderau. Bernhard hat schon als Kind für ein paar Mark „Perry Rhodan“-Hefte hier sortiert, keiner von beiden hat alle Bücher gelesen, aber Gerd weiß „eben in der Breite sauviel“.

Über Hermke, Nerds und eine Reise mit Bill

Würzburg erleben (WE): Seit wann gibt es den Laden und wer oder was ist Hermke?

Gerd Eibach: Hermke ist der Vorname von meinem Daddy, er hat 1981 damit angefangen. Wir haben den Laden 1996 übernommen, sind also schon länger aktiv als er. Aber auch heute kommen noch Kunden und fragen „Ist der Chef da?“. Tatsächlich kommt er noch hier vorbei, sein Herz hängt daran, wenn man so einen Laden hat, muss man diese Kultur einfach lieben.

WE: Was kann man in eurem Laden kaufen?

Gerd Eibach: Wir bieten Comics und Manga, eigentlich der japanische Begriff für Comics, vieles aus dem Bereich Marvel und DC, aber auch Inhalte aus dem Bereich „High Fantasy“ sowie Brett- und Rollenspiele. Daneben spielt auch Import eine große Rolle. Hier haben viele Kunden, die regelmäßig ganze Miniserien kaufen, nicht jeder Artikel wird im offenen Verkauf im Laden angeboten.

Gerd zeigt Superman vs. Muhammad Ali. Foto: Dominik Ziegler

Gerd zeigt Superman vs. Muhammad Ali. Foto: Dominik Ziegler

WE: Wie kämpft ihr gegen die Macht des Internets an?

Gerd Eibach: Du musst es leben und lieben, um die Materie authentisch zu vermitteln, in so einer Nische wirst du sonst von Kunden und Nerds nicht akzeptiert. Wir bemühen uns durch Kompetenz und Veranstaltungen unseren Kunden einen echten Mehrwert zu geben.

WE: Wer kauft bei euch im Laden ein?

Gerd Eibach: Alle Klischees sind wahr! Auch wenn nicht jeder Kunde ein Nerd ist, gehen viele doch zumindest ein bisschen in diese Richtung. Früher war es eine Männerdomäne, was sich durch Manga, die Marvel-Filme und Herr der Ringe aber geändert hat. Die Kunden kommen aus allen Altersgruppen, von Kids bis zu Leuten, bei denen ich manchmal Angst habe, dass sie uns wegsterben…

WE: Habt ihr eine besonders wertvolle Rarität hier?

Gerd Eibach: Ich persönlich sehe den ideellen Wert an den Sachen, extrem teures ist meist schon in Sammlerhand. Dieser extreme Sammlermarkt wird in der Öffentlichkeit aufgeputscht, es kommt aber sehr genau auf den Zustand an. Oft sind diese Artikel dann eine reine Geldanlage, die kaufen dann nicht Nerds oder Freaks, sondern Leute, die das nötige Geld haben.

Eine Zeichnung von Donald Duck in Hermkes Romanboutique. Foto: Dominik Ziegler

Eine Zeichnung von Dagobert Duck in Hermkes Romanboutique. Foto: Dominik Ziegler

WE: Gibt es besondere Events, die ihr veranstaltet?

Gerd Eibach: Wir haben regelmäßig Lesungen mit Fantasy- und Science-Fiction-Autoren, veranstalten Spiele-Erklärabende und haben Zeichner im Laden. Einem Zeichner live über die Schulter zu schauen, ist einfach etwas besonderes.

WE: Erinnert ihr euch an besondere Anekdoten?

Gerd Eibach: Wir hatten mal den berühmtesten, noch lebenden Zeichner von Donald Duck hier, der hat uns ein großes Bild gemalt. Gutes Essen und einige Frankenweine haben gereicht, um ihn zu überzeugen.

Gerds Empfehlung "Die Reise mit Bill". Foto: Dominik Ziegler

Gerds Empfehlung „Die Reise mit Bill“. Foto: Dominik Ziegler

WE: Welche Empfehlung würdest du einem Comic-Neuling mitgeben?

Gerd Eibach: Man muss in die Leute reinhören und sich an ihre Wünsche herantasten. Hat jemand generelles Interesse am Thema Comic oder kommt er vielleicht über das Thema Marvel? Ich empfehle gerne einen Abenteuercomic oder etwas über „Inner Space“, also Selbstfindung. Ein wunderschöner Comic-Roman für jemanden ohne Berührung mit dem Thema ist „Die Reise mit Bill“ von Matthias Schultheiss.

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