Großeinsatz für die Polizei. Foto: NEWS5
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Hass-Demo gegen YouTuber „Drachenlord“ sorgt für Großeinsatz in Franken

Die Hass-Demo gegen einen 29-Jährigen YouTuber, der im Internet vor allem unter seinem Künstlernamen „Drachenlord“ bekannt ist, sorgte am Montagabend in Emskirchen bei Neustadt an der Aisch für einen Großeinsatz der Polizei. Um den Hass-Bekundungen der etwa 600 Demonstranten entgegenzutreten, die im Internet zum „Sturm auf die Schanze“, seinem Wohnhaus, aufriefen.

Die Polizei riegelte den kleinen Ort Altschauerberg, ein Ortsteil von Emskirchen, komplett ab.

Einer der Demonstranten wird abgeführt. Foto: NEWS5

Großeinsatz für die Polizei. Foto: NEWS5

Großeinsatz für die Polizei. Foto: NEWS5

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Großeinsatz für die Polizei. Foto: NEWS5

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Großeinsatz für die Polizei. Foto: NEWS5

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Hier wohnt der "Drachenlord". Foto: NEWS5

Großeinsatz für die Polizei. Foto: NEWS5

Großeinsatz für die Polizei. Foto: NEWS5

YouTuber mit 77.000 Abonnenten

Der Youtuber, der derzeit etwa 77.000 Abonnenten hat, erntet für seine Videos ziemlich viele Hater-Kommentare, da er selbst häufig unüberlegte Aussagen trifft. Diese sind oft extrem provokativ. Dieser Hass scheint wohl immer weiter zu wachsen und überträgt sich Stück für Stück auch auf sein reales Leben.

Einer der Demonstranten wird abgeführt. Foto: NEWS5

Einer der Demonstranten wird abgeführt. Foto: NEWS5

Doch neben den zahlreichen Personen, die sich lustig machen, gibt es auch einige die zur Besonnenheit aufrufen: „Es gibt so viel Gefährliches auf YouTube, von Verschwörungsdeppen über Scharlatane, die Schwerkranke abzocken, bis hin zu Nazis – warum ausgerechnet ein Sonderschüler, der niemandem was tut, terrorisiert werden muss, ich versteh es einfach nicht“, postete eine Userin unlängst auf Facebook.

Motto: „Dem Drachen das Fürchten lehren“

Nachdem er öffentlich im Internet eine Adresse preis gab, nahmen die Vorfälle gegen ihn immer weiter zu, aber nie in einem vergleichbaren Ausmaß wie gestern Abend geschehen. „Das geht schon seit Jahren so, dass da einzelne Personen oder kleine Grüppchen auftauchen“, sagt ein Sprecher des Polizeipräsidiums Mittelfranken gegenüber der Main-Post. „Aber in der Dimension hat es das bisher noch nicht gegeben.“ Das Ausmaß der Demonstration mit dem Titel „Dem Drachen das Fürchten lehren“ überraschte die Polizei wohl selbst.

Foto: NEWS5

Die Demo wurde im Vorfeld durch eine Allgemeinverfügung verboten. Foto: NEWS5

Demo trotz Verbot

Über 9.500 Menschen hatten sich im Internet zur Hassdemo angekündigt. Um dies zu verhindern hatte das Landratsamt daraufhin ein Versammlungsverbot ausgesprochen.

Vollzug des Bayerischen Versammlungsgesetzes (BayVersG); Verbot von Versammlungen im Gemeindegebiet Emskirchen vom 19.08.2018 00:00 Uhr bis 21.08.2018 12:00 Uhr – Allgemeinverfügung der Gemeinde Emskirchen.

Eine Klage gegen das Verbot hatte das Verwaltungsgericht Ansbach am Montag abgewiesen. Dennoch ließen sich nicht alle Hater des Drachenlords davon abhalten, das kleine Örtchen aufzusuchen.

Großeinsatz für die Polizei. Foto: NEWS5

Großeinsatz für die Polizei. Foto: NEWS5

Mehr als 300 Platzverweise

Schon am gesamten Montag kamen mehrere hundert junge Menschen in dem 40-Seelen Ort zusammen. Ein Unterstützungskommando (USK) der bayerischen Bereitschaftspolizei wurde extra vom DFB-Pokalspiel SpVgg Greuther Fürth gegen Borussia Dortmund abgezogen, um den Drachenlord und die Anwohner zu schützen, die ebenfalls unter der Situation leiden. Mehr als 300 Platzverweise wurden von der Polizei ausgesprochen und die Durchfahrtstraße von Altschauerberg gesperrt.

YouTuber will mit Videos nicht aufhören

Um 20:30 Uhr war der Höhepunkt der Lage erreicht. Böller wurden gezündet und die Feuerwehr musste einen Brand löschen. Ein Feuerwehrsprecher sagt, es großes Glück gewesen, dass es zu keinem größeren Waldbrand gekommen sei.  „Gegen 23 Uhr sind die letzten nach Hause gegangen“, so ein Polizeisprecher. Ein Ende wäre aber wohl weiterhin nicht in Sicht, das der Youtuber mit seinen Videos nicht aufhören möchte.

Hier wohnt der "Drachenlord". Foto: NEWS5

Hier wohnt der „Drachenlord“. Foto: NEWS5

Wie die Main-Post berichtet, war der Emskirchener Bürgermeister zu keiner Stellungnahme bereit und schien ein wenig genervt, dass seine Gemeinde so in die Schlagzeilen geriet.

Der Drachenlord reagierte daraufhin unverzüglich. In einem ca. Einstündigen Video, welches er heute veröffentlichte, sagte er:„Die Polizei macht einen verdammt guten Job,“ und „man hat sich etwas Sorgen gemacht, gestern, ist klar.“ Er schien bewegt darüber, dass so viele viele Unschuldige mit in die Sache hinein gezogen wurden – und er gab auch zu: „Es war ein bisschen mental belastend für mich.“

Wer ist dieser Drachenlord?

Geboren wurde er im Jahr 1989 in Neustadt/Aisch und besuchte bis 2006 ein Sonderpädagogisches Förderzentrum. Seine ersten Videos auf seinem YouTube-Kanal „Drachenlord1510“ behandelten vorwiegend das Thema Metal-Musik. Daher stammt auch seine standardmäßige Begrüßung „Metal Leute!“. Nachdem er in seinen Vlogs begann vor allem über sich und sein Leben zu sprechen und mehrfach teilweise extrem unüberlegte Äußerungen abließ, stieg die Zahl seiner „Hater“ rasant an.

Großeinsatz für die Polizei. Foto: NEWS5

Großeinsatz für die Polizei. Foto: NEWS5

Besonders ein Video vom Februar 2014 brachte zahlreiche Leser gegen Ihn auf. Er hatte erfahren, dass einige seiner „Hater“ seine Schwester belästigt hatten. Diese beschimpfte er daraufhin wüst und forderte sie auf  zu ihm zu kommen, „wenn sie sich denn trauen“ . Er gab dazu seine komplette Adresse bekannt. Seither gibt es an seinem Haus neben Schmierereien und sonstigen Beschädigungen, auch Drohungen gegen ihn.

Mehr und mehr passte er seine Videos den Hatern und deren Kommentaren an, was die Cyber-Mobbing-Spirale immer weiter und weiter trieb. Die verbalen Provokationen des „Drachenlord“ gipfelten nun in der gestrigen Demo gegen ihn.

Dieser Artikel beruht auf einem Bericht der Main-Post.

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