Junggesellenabschied. Symbolfoto: Pascal Höfig
Junggesellenabschied. Symbolfoto: Pascal Höfig

Die ultimative „Schadshow“: JGAs sind in der Stadt

Bei diesem Artikel handelt es sich um einen Gastbeitrag von Katharina Bormann.

Wie einst die Schweden fallen sie im Sommer wieder zu Hunderten in Würzburg ein und hinterlassen auf ihrem Streifzug durch die Straßen ein Bild der Zerstörung: Junggesellenabschiede. Untermalt wird das wilde Treiben meist von einem Potpourri des schlechten Musikgeschmacks.

Sauftrupps auf der Mainbrücke

Wer hat sich nicht schon immer mal gefragt, wie Niki Laudas Mutter heißt? Ist ja eigentlich auch egal, aber die Junggesellenabschiede scheint diese Frage mächtig umzutreiben. Aber als würde das nicht reichen, scheppern im Minutentakt weitere Diskofox-Gassenhauer aus den Musikboxen der Sauftrupps. Auf der Mainbrücke ist es besonders schlimm: Aufgedrehte Frauenhorden wollen immer wieder dieses Fieber spüren und so bahnen sich Karmelita, Fräulein Meier und Natascha (die aus Novosibirsk) völlig willen- und anstandslos ihren Weg über die Brücke.

Junggesellenabschied. Symbolfoto: Pascal Höfig

Junggesellenabschied. Symbolfoto: Pascal Höfig

In vermeintlich witzigen Outfits (meist rosa Tutus und peinliche Gruppenshirts) schieben sie jedem Passanten dreist ihre dämlichen Bauchläden unter die Nase. Braut Steffi, erkennbar an beschrifteter Schärpe („Party Polizei“) und billigen Plastikkrönchen mit Schleier, möchte lallend die Grausamkeiten im Inneren ihres Bauchladens loswerden. Billige Klopfer, stinkende Deos und natürlich Kondome, von denen einem ein grenzdebiles Einhorn entgegengrinst, warten darauf für viel Geld den Besitzer zu wechseln. Doch auf der Brücke scheint die Konkurrenz alle bereits versorgt zu haben. Im völligen Unverständnis darüber, warum Oma Müller jetzt keinen Zuckerperlenstring kaufen wollte, rollt das Rudel weiter Richtung Innenstadt.

Morgens, mittags, abends…

Aber auch die Herren sind bereits gut unterwegs. Mit einem vollbepackten Bollerwagen donnern sie dezibelstark über das Kopfsteinpflaster. Dabei haben sie heute nur ein Ziel vor Augen: SAUFEEEN! Und zwar morgens, mittags, abends. Mit viel Disziplin schafft man es dann auch, um 13 Uhr schon voll zu sein wie zehn Russen. Sollte einer im Team drohen, zu „unterhopfen“ hat man immer professionelles Equipment am Mann. Dem Betroffenen wird kurzerhand ein Trichter in den Hals gesteckt und mit einem Humba Täterä verschwinden zwei Liter Bier im Rachen des übergroßen Penisses alias Michi alias des Bräutigams. Bewaffnet mit vier Flaschen Jacky und drei Kisten pisswarmen Biers zieht die Karawane weiter, denn der Sultan hat schließlich Durscht.

Scheiß drauf! JGA ist nur einmal im Jahr

Am Vierröhrenbrunnen kommt es dann zum Gipfeltreffen. Der Hofstaat von Prinzessin Peinlich und die grölende Gorillahorde des Riesenpenis treffen aufeinander. So ein Zufall aber auch! Noch ein Junggesellenabschied in Würzburg! Na, darauf muss jetzt aber erstmal ordentlich angestoßen werden. Nicht lang Schnacken und zack wird sich der erste Klopfer in den Schädel geknallt. Weil Babsi Ute nicht in die Augen geguckt hat muss man das Ganze natürlich nochmal wiederholen. Man möchte ja schließlich keine sieben Jahre schlechten Sex riskieren („Hihihihihi“) und wie man weiß ist ein kleiner Jägermeister ja auch schließlich nicht gern allein. Die Stimmung steigt, das Niveau sinkt.

Junggesellenabschied. Symbolfoto: Pascal Höfig

Junggesellenabschied. Symbolfoto: Pascal Höfig

Mit einer Demonstration ihrer Feinmotorik („Ey Andi, ich wette du schaffst es nicht einen Kreis um dich zu pinkeln“) möchten die Herren den Damen imponieren. Bei gefühlten 3,5 Promille gestaltet sich die Aktion jedoch recht schwierig und geht zielsicher in die Hose. Und zwar nicht nur im übertragenen Sinn. Der kleine Fauxpas fällt allerdings gar nicht auf, denn unter dem tosenden Applaus von Michis Saufkumpanen brechen nicht nur Marmor, Stein und Eisen, sondern auch Babsi. Und zwar zielsicher in den Brunnen. Der zehnte Jägermeister war wohl doch nicht so eine gute Idee. Aber scheiß drauf! Weiter geht’s.

Uschi, here we come!

Lautstark zieht die Chaos-Crew weiter in Richtung Juliuspromenade. An der Ecke wird noch schnell ein Stopp bei Mustafa eingelegt und sich ein Döner in David-Hasselhoff-Manier zwischen die Kiemen geschoben. Frisch gestärkt packt der Peter der Heidi von hinten an die Schultern und weiter zieht die Party-Polonäse in Richtung „Uschi“. Stolz wie Olympioniken beim Einzug in das Stadion tragen sie beim Betreten der Kneipe ihre Alkohol-Fahnen vor sich her.

Nach sieben eisgekühlten Bommerlundern geht dann auf einmal alles ganz schnell: Erst fällt bei Michis Trauzeugen die Hose und direkt danach Steffi von der Stange auf der Theke. Die Määädels kreischen, Steffi flennt, in der Ecke fängt Penis-Michi eine Schlägerei an und ehe man sich versieht ist der Abend für alle beendet. Nur Andi hat die Abfahrt verpasst, irrt ahnungslos durch die Nacht und sucht das Hotel. Doch er weiß leider nicht mehr wie es aussieht, kennt nicht seinen Namen, scheißegal! Hauptsache man hat sich mal wieder so richtig schön besoffen!

Ach und eins noch: Elisabeth! Die Mutter von Niki Lauda heißt verdammt noch mal Elisabeth!

Anmerkung der Redaktion

Gastbeiträge geben nicht automatisch die Meinung der Redaktion wieder. Sie sollen zur Debatte anregen  – so wie auch jeder gute Kommentar auf Facebook. Wir geben deshalb allen unseren Lesern die Chance, ihre Meinung bei uns zu veröffentlichen und diese diskutieren zu lassen. Wir freuen uns über Gastbeiträge zu allen Themen an: redaktion@wuerzburgerleben.de.

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