Podiumsdiskussion der Wirtschaftskanzlei Hogan Lovells. Foto: Daniella Domokos
Podiumsdiskussion der Wirtschaftskanzlei Hogan Lovells. Foto: Daniella Domokos

Gastbeitrag: Buzzword: Digitalisierung der Juristerei

Bei diesem Artikel handelt es sich um einen Gastbeitrag von Daniella Domokos.

Juristen sind Nachzügler- bedingt durch ihre Arbeit, dass sie sich an Recht und Gesetz halten und die aktuellste Rechtsprechung beachten, die oft erst nach einem Klageverfahren oder diversen Vorfällen überhaupt zustande kommt, reagieren sie immer im Nachhinein, ex ante.

Technische Revolution bei Juristen: Fehlanzeige

So oder so ähnlich lässt sich zumindest begründen, warum Juristen bis heute alles per Brief oder Fax verschicken; dass der Hoffnungsschimmer, das besondere elektronische Anwaltspostfach(beA), eine Katastrophe ist und man munkelt, dass während größere Kanzleien sich immer mehr Scanner zulegen, die Drucker bei den Gerichten immer mehr Überstunden schieben. Schließlich werden die Akten bis heute in Papierform geführt und die Klausuren an den Universitäten werden handschriftlich geschrieben.

Das soll jetzt aber ein Ende haben.

Buzzword: Digitalisierung der Juristerei

Sowohl die Abläufe im Rahmen juristischer Tätigkeiten, als auch das Studium selbst, soll an die heutigen Standards angepasst, digitalisiert und modernisiert werden. Der Buzzword lautet Legal Tech, die Digitalisierung der Juristerei.

Im Jahr 2017 ist die Anzahl der Legal Tech – Messen, Konferenzen und Tagungen exponentiell angestiegen; auf den Podien saßen jedoch immer anzugtragende weiße Männer, während in der Wirtschaft nach „new work“ und diversity“ geschrien wird.

Diesen Umstand zu ändern und der jungen Generation ein Gehör zu geben, hatte sich nun Mitte August die Wirtschaftskanzlei Hogan Lovells am Standort Hamburg als Ziel gesetzt und hat drei Jurastudenten aus München, Würzburg und Hamburg zur Podiumsdiskussion eingeladen.

Probleme der Nachwuchsjuristen

„Young Geex in a Hoodie“, hieß das Panel und es wurde eifrig über die Probleme, Wünsche und Hoffnungen der Nachwuchsjuristen diskutiert , sowie die Fragen des Publikums beantwortet.

So setzte Dalia Moniat, Jurastudentin aus Hamburg und Mitarbeiterin der Cyber Law Clinic, ihren Schwerpunk auf „diversity“ und interdisziplinäre Zusammenarbeit. Sie betonte, dass es Aufgabe der Universitäten sei auf die Praxis vorzubereiten und den Austausch zwischen den  Fachbereichen zu fördern; wenn sie dieser Aufgabe jedoch nicht nachkämen die Praxis verpflichtet sei einzuspringen.

Ausbildung muss technische Kompetenzen vermitteln

Aus Sicht von Paul Schirmer, Jurastudent aus München und Schatzmeister der Münchener Legal Tech Initiative (MLTech), sollte die Vermittlung von grundlegendem technischen Verständnis, wie die neuen Technologien funktionieren und sie für die juristische Arbeit genutzt werden können, Einzug in die juristische Ausbildung halten. Studenten muss die Grundlage mitgeben werden eigene innovative Lösungen für juristische Probleme im 21. Jahrhundert zu entwickeln. Dazu gehört auch die Kompetenz in interdisziplinären Teams zu arbeiten.

Private Hobbies werden durch Studium „gekillt“

Die aus Würzburg angereiste Jurastudentin Daniella Domokos, Examenskandidatin und Gründerin des Blog allaboutlegaltech.de, äußerte Bedenken hinsichtlich der Profile der Nachwuchsgenerationen, insbesondere dass das Drängen nach dem Prädikat (ab 8 Punkte im Staatsexamen), welches gleichzeitig als ein Garant für die Traumjobs unter den Juristen gilt, die privaten Hobbies, Leidenschaften und Interessen außerhalb des Studiums „killt“.

So dürfe es nicht sein, dass Studierende mit der Ausübung ausseruniversitärer Tätigkeiten z.B. Kunst, Sport oder Ehrenamt aufhören, nur um von 10-20 Uhr in der Bibliothek zu sitzen. Hierfür solle das Studium und die Ausbildung allgemein dahingehend angepasst werden, dass Studierende während des Grundstudiums, nach dem Vorbild des Bachelors, Zeit und Möglichkeit haben links und rechts zu schauen und Vorlesungen aus anderen Fachbereichen zu besuchen.

Wunsch nach mehr Interdisziplinarität

Generell wurde jedoch gemeinschaftlich die Hauptthese und der Wunsch nach mehr Interdisziplinarität in der Lehre gewünscht. Die studentischen Legal Tech -Initiativen werden zukünftig auch nicht müde die Lücken in der Lehre zu füllen, aber langfristig ist es die Aufgabe der Universitäten die Abläufe zu ändern. Hierfür bestehe der Wunsch deutschlandweit.

Noch bis zum 14.8. kann für die Bewerber des Digital Female Leader Award abgestimmt und mitgevotet werden.

Dalia ist in der Kategorie Social Hero, Daniella ist in der Kategorie IT/Tech nominiert. 

Anmerkung der Redaktion

Gastbeiträge geben nicht automatisch die Meinung der Redaktion wieder. Sie sollen zur Debatte anregen  – so wie auch jeder gute Kommentar auf Facebook. Wir geben deshalb allen unseren Lesern die Chance, ihre Meinung bei uns zu veröffentlichen und diese diskutieren zu lassen. Wir freuen uns über Gastbeiträge zu allen Themen an: redaktion@wuerzburgerleben.de.

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