Der Würzburger Dom. Foto: Pascal Höfig
Der Würzburger Dom. Foto: Pascal Höfig

Betrug im Bistum? – Staatsanwaltschaft eingeschaltet

Wie bereits berichtet, gab es in der bistumseigenen Baufirma, der SBW Bauträger- und Verwaltungs-GmbH, überraschende Mitarbeiter-Freistellungen, der Aufsichtsrat wurde aufgelöst – wohl prominenteste betroffene Personalie ist Würzburgs Bürgermeister Dr. Adolf Bauer. Was genau dahinter steckt, wurde zuerst weder vom Bistum, noch von anderen Verantwortlichen öffentlich gemacht, was natürlich die Gerüchte um Betrug, Korruption und persönliche Bereicherung innerhalb des Wohnungsunternehmens anheizte. 

Öffentliche Stellungnahme

Jetzt gab die Diözese eine erste öffentliche und umfangreiche Stellungnahme ab:

Transparenz und Compliance sind ein stetiger Prozess, dem sich die Diözese Würzburg verpflichtet fühlt, eröffnet die Diözese ihre Stellungnahme. Seit Start der Transparenzoffensive der Deutschen Bischofskonferenz im Jahr 2014 wurde er in der Diözese weiter intensiviert. Dieser Prozess beinhaltet unter anderem eine regelmäßige Prüfung und Kontrolle von kirchlichen Rechtsträgern. Dabei geht es vor allem um Fragen, die einer gründlichen Klärung und Aufarbeitung bedürfen: Welche Kontrollgremien sind notwendig? Wie sind diese besetzt? Kann der Anschein von Interessenskonflikten bestehen? Wie kann die Entflechtung von und damit die Transparenz bei kirchlichen Rechtsträgern verbessert werden?

Verschiedene selbständige Rechtsträger

Im Bereich der Diözese Würzburg existieren verschiedene, rechtlich selbständige Rechtsträger, die unterschiedliche Aufgaben und Funktionen haben. Einer dieser rechtlich selbständigen Rechtsträger ist die Diözese Würzburg als Körperschaft öffentlichen Rechts, ein anderer die SBW-Bauträger- und Verwaltungs-GmbH (SBW). Alleingesellschafter der SBW ist der Bischöfliche Stuhl zu Würzburg, ebenfalls eine Körperschaft öffentlichen Rechts. Da die einzelnen Rechtsträger unterschiedliche Aufgaben und Funktionen haben, liegen auch teilweise unterschiedliche Interessen der einzelnen Rechtsträger vor. Die SBW beispielsweise muss als GmbH betriebswirtschaftliche Gesichtspunkte berücksichtigen. Die Diözese Würzburg wiederum verfolgt die Ziele des kirchlichen Auftrags: Verkündigung der Frohen Botschaft, Feier der Liturgie und Dienst am Mitmenschen, heißt es in der Stellungnahme.

Personalunion

In der Vergangenheit wurden Funktionen bei unterschiedlichen Rechtsträgern durch die gleichen Personen wahrgenommen. Dies entspricht nicht heutigen Vorstellungen von Compliance und Kontrolle. Die Diözese sieht Kontrollmechanismen wie etwa ein Vier- oder Mehraugenprinzip als wesentlich an, um verantwortungsvoll mit den ihr anvertrauten Finanzmitteln umgehen zu können. Das bedeutet nicht, dass den bisher verantwortlichen Personen ein Vorwurf zu machen wäre, vielmehr soll – im Sinne einer auch personellen Entflechtung – sichergestellt werden, dass schon der böse Anschein einer Interessenskollision vermieden wird, so die Diözese.

Nötige Überprüfungen

Derzeit werden die Fragen nach Compliance, guter Verwaltungsführung (Good Governance), Kontrolle und Transparenz bezüglich der SBW-Bauträger- und Verwaltungs-GmbH überprüft und bedürfen einer gründlichen Aufarbeitung. Im Rahmen dieser Überprüfung hat der Gesellschafter Bischöflicher Stuhl, vertreten durch Generalvikar Thomas Keßler, den Aufsichtsrat der SBW aufgelöst und die Aufsicht an sich gezogen. Eine Neuaufstellung dieses Gremiums ist geplant. In diesem Zusammenhang wurde weiter der Geschäftsführer der SBW von seinen Aufgaben entbunden. Gleichzeitig wurde dieser als Leiter der Liegenschaftsabteilung des Bischöflichen Ordinariats freigestellt. Grund hierfür sind Sachverhalte, die einer Klärung bedürfen. Im Vorfeld fanden Gespräche mit dem SBW-Geschäftsführer statt, heißt es in der Stellungnahme.

Staatsanwaltschaft eingeschaltet

Am Donnerstagnachmittag, 12. Juli 2018, hat die Diözese Würzburg, vertreten durch Generalvikar Thomas Keßler, die Sachverhalte, die einer Klärung bedürfen, der Staatsanwaltschaft Würzburg vorgelegt, so die Stellungnahme der Diözese. Seitens der Diözese Würzburg wurde der Staatsanwaltschaft eine vollumfängliche Kooperation zugesichert. Bischof Dr. Franz Jung wurde von Generalvikar Keßler über das Vorgehen informiert.

2017: Umsatzerlöse von 2,7 Millionen

Die SBW verzeichnet nach eigenen Angaben im Jahr 2017 Umsatzerlöse in Höhe von zirka 2,7 Millionen Euro. Die SBW ist als Bauträger- und Verwaltungs-GmbH insbesondere in folgenden Bereichen tätig: Projektsteuerer sowie Architektur- und Immobiliendienstleister für kirchliche Einrichtungen; Technische Baubetreuung von Sozialimmobilien; Baugebietserschließungen und Bauträgertätigkeit; Arbeitssicherheit von Immobilien im kirchlichen Bereich sowie Sicherheits- und Gesundheitsschutz auf Baustellen; Wertermittlungen für Immobilien.

Artikel beruht auf Presseinformationen von Bernhard Schweßinger, Pressesprecher der Diözese Würzburg.

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